Riesenmaschine

14.10.2006 | 06:19 | Anderswo | Was fehlt

Putting a smile away

Lange hat man sich hier in China gefragt, wann denn das Tui-Logo von chinesischen Kopisten aufgegriffen würde;
immerhin ist der Konzern bereits seit dem Jahr 2002 vor Ort. Gestern Nacht gab ein Autoverleiher in Peking die Antwort. Sehr schön und Dank dafür. Nicht so schön: Der deutsche Tui-Online-Claim World Wide Weg. Der ist so unterirdik, den würden nicht einmal Chinesen klauen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Der allerletzte Kaiser

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link


13.10.2006 | 20:00 | Papierrascheln

Bunker Table Book

Wer wollte nicht schon einmal die technischen Spezifikationen der Panzerabwehrrakete Rotkäppchen oder des Landkreuzers P-1500 "Monster" nachschlagen, hatte aber gerade blöderweise kein Internet dabei? Dem Krieg oder doch zumindest der kriegerischen Absicht verdankt man ja, man kann es gar nicht oft genug sagen, letztlich doch einige der pfiffigsten Innovationen und Konversationen überhaupt. Wo wären wir etwa heute, ohne die Erfindung des Schnauzbarts, des Granatwerfers oder der nicht wirklich warmen Socken?

Weitaus mehr Dank allerdings, so steht zumindest zu vermuten, ist all jenen Kriegserfindungen geschuldet, die so aus der Spur waren, dass sie ausser sich selbst wohl kaum jemals ernsthaft jemanden gefährdeten. Diesem bislang ausgesprochen unterschätzten Aspekt der Geschichte des zweiten Weltkrieges widmet Zack Parsons sein soeben erschienenes "My Tank is fight!". Über 220 Seiten erfreut uns der hämische Experte nicht nur mit kompetenten Verrissen der jeweiligen Technologien, sondern auch mit seltsam ernst gemeint wirkenden Illustrationen, hypothethischen Einsatzgeschichten, intimen Einzelheiten über Traudl aus dem Führerbunker sowie detaillierten Einsichten in den jeweils geplanten technischen Schnickschnack. Als Bonus gibt es obendrauf, wie in jedem guten amerikanischen Sachbuch, selbst erfundene deutsche Wörter, die ebenfalls nicht so super funktionieren (Nachtsichtgeraten). Stringenz, mon amour. Da heisst es: jetzt schon an Weihnachten denken.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Endlich: Amerika erfindet das Kampfübersetzen


13.10.2006 | 13:13 | Was fehlt | Sachen kaufen

Hurra Unverhältnismässigkeit


Kein Brikett, brennt aber auch
Die Firma Samsung hat ein neues Handy auf den Markt geschmissen, das sich offenbar an flachverständige Personen richtet. Es heisst wie alle anderen Handys auch, in diesem Fall SCH-B600. Weil heute alle Geräte mindestens ein herausragendes Feature haben müssen, hat auch dieses eins, nämlich eine Fotokamera mit 10 Megapixeln. Da die dazugehörige Linse jedoch noch dem Rahmen der handtelefonüblichen Massstäbe verhaftet bleibt, ist die schöne, grosse, riesenhafte Pixelanzahl "für den Pflock", wie ein Linsenkundiger zu berichten weiss. Es sei, als würde man "einen Strohhalm bereitstellen, um das Wasser einer Staudammsprengung abzuleiten", so der Linsenkundige weiter, wenn er auch zugibt, keine besondere Begabung für Metaphern ausgebildet zu haben. Fantastisch! Wir brauchen mehr Unverhältnismässigkeit! Wider die technokratische Logik der gleichmässigen Weiterentwicklung, wir wollen Mofas mit Nuklearantrieb, wir wollen Platinzahnstocher, wir wollen drahtlose Mäuse, die bis 200 Kilometer Entfernung funktionieren. Und wir werden sie bekommen.


13.10.2006 | 06:43 | Supertiere

Vier entkontextualisierte Tiere


Foto:schizoform
Wenn Tiere aus einem von ihnen angestammten, abgesteckten und mit ihnen abgesprochenen Biotop in ein anderes, nicht zooeskes verpflanzt werden, kann das beim Betrachter für Heiterkeit sorgen, aber auch für Sorgen. Der Victoria-Barsch beispielsweise ist so ein Kollege. Irgendwann wurde er im Victoriasee ausgesetzt, frass dort alle seine Onkel und Tanten auf und installierte ein monokulturelles Königreich. Der Fisch wird industriell geerntet, noch vor Ort verarbeitet und mehrfach täglich, ohne dass der Einheimische davon etwas abbekommt, nach Europa transportiert, mit riesigen Frachtflugzeugen, die nicht leer zurückfliegen, sondern mit Waffen – das ist bekannt aus dem spekulativen Film Darwin's Nightmare des unsympathischen Regisseurs Hubert Sauper.

Auch bekannt sein dürfte mittlerweile, dass allsommerlich massenhaft Quallen in Baggerseen, aber auch in der schönen braunen Donau auftauchen. Sie wurden bekanntermassen von Vögeln dort ausgesetzt, ganz im Gegensatz zu den Guppys von Moskau, die offenbar müde Aquariumsbesitzer in der Moskwa ausgebracht haben.
Woher aber die nur in der Vorarlberger Kleingemeinde Röns alljährlich stattfindende Tausendfüsslerinvasion stammt, weiss weder Qualle, Guppy noch Mensch. Immerhin hat man jetzt nach jahrelanger Suche ein Mittel gefunden, um ihrer Herr zu werden. Ein für Quallen, Guppys und Menschen ungiftiges Pulver, das den Chitinpanzer der Schnurfüssler aufweicht und sie so verdorren lässt. Besser zumindest, als sie gegen Waffen einzutauschen.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


12.10.2006 | 23:30 | Anderswo | Alles wird schlechter

Nothing Butt the Truth


(Foto: spacepleb)
Wirklichkeit klingt schön und gut, ist aber in den meisten Fällen todlangweilig, wenn man nicht gerade dabei ist. Das ist auch schon der wesentliche Makel von fast allen möglichen Reality-Formaten, die man schnell müde wird, auch nur aufzuzählen: Sie befassen sich mit vollkommen uninteressanten Aspekten der Wirklichkeit, wie Diäten, Partnersuche, Fahrschule, Leben im Container oder Ozzy Osbourne. Zeigt denn überhaupt niemand das Leben von halbwegs interessanten Menschen, zum Beispiel von Schweinezüchtern, Psychopathen oder Astronomen? Oder Porno-Produzenten? Die Antwort lautet: Nein, denn Family Business, die Reality-Show von Adam Glasser alias Seymour Butts, ist wohl nach vier Staffeln in diesem Sommer eingestellt worden, und damit jetzt nur noch auf DVD erhältlich. Das ist zum einen bedauerlich, weil in den bisherigen 40 Episodentiteln sicherlich noch nicht alle billigen Fachsprachkalauer abgehandelt wurden. "Real ASState", "COCKtoberfest", "Up and CUMing", "Midlife CrisASS", das muss ja wohl noch flacher gehen, schade drum. Auf der anderen Seite aber ist die instruktive Serie gefüllt mit Alltagskram wie Kindererziehung, Ärger mit den konservativen Nachbarn, Scheitern an der Erektion, trostlose Dates, Sorgen wegen Mutter, Stress im Beruf; und die Protagonisten sagen auch nicht häufiger "fuck" als normale Menschen. So erfolgt nach angestrengtem Hinsehen die vermutlich zulässige und daher erstaunliche Erkenntnis, dass Wirklichkeit auch unter vollkommen exotischen Umständen wiederum langwierig und eintönig ist. Sie lässt sich halt auch vom Geschäft nicht verbiegen.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


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