Riesenmaschine

03.03.2007 | 05:40 | Supertiere | Alles wird besser

Ferngesteuerte Schöpfung


Wenn Blicke von Tauben töten könnten, man müsste sich fürchten vor dem Mann mit der Fernsteuerung
(Foto: mybuffo) (Lizenz)
Man könnte behaupten, die Neigung der Menschen, an Magie und Fernwirkungen zu glauben, hänge damit zusammen, dass sie sich aus allem, was sie so um sich rum sehen, ein inneres Modell zusammenbasteln, und mit diesem Modell dann ja tatsächlich nach Belieben inneres Schindluder treiben können. Wenn man sich vorstellen kann, den schiefen Turm von Pisa gradezurücken oder eine Ente im Flug zu rupfen und zu braten, dann kann man das vielleicht tatsächlich. Man muss womöglich nur in die ohnehin schon halbdurchlässige Wand, die das Ding von seiner Repräsentation trennt, mit dem Denklaser ein schmurgelndes Loch brennen, fertig. Durch das Loch kommen dann zwar Fantasiesoldaten hereingepurzelt und usurpieren die Realität, aber das macht nichts, weil man die ja dann fernsteuern kann.

Lange Zeit war die Sprache das beste Mittel zu solcher Fernsteuerung, Kommandoton für Menschen, Hokuspokus für alle anderen, aber dann entdeckte der Mensch die Strahlen, den Servomotor und die Elektrode, und es konnte so richtig losgehen. Ferngesteuerte Autos, Unterhosen und Segelflugzeuge waren der Anfang, ferngesteuerte Küchenschaben, Ratten, Haie und – neueste Weltneuheit aus China! – ferngesteuerte Tauben sind ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Aber erst wenn wir uns durch das Umlegen eines Fernsteuerungshebels selbst dazu bringen können, einen Fernsteuerungshebel umzulegen, kann das Projekt Weltkontrolle als abgeschlossen gelten, und wir wieder ruhig durchschlafen. Durch beherzten Druck auf den Durchschlafknopf nämlich.


02.03.2007 | 18:04 | Anderswo | Alles wird besser

Die Zukunft ist ein Schlammbad


Foto: Lofter, Lizenz
Und während anderswo noch über Technologie, Innovation, Zivilisation oder einfach nur Gadgets diskutiert wird, führt Englands Weg unbeirrt zurück in die Steinzeit. Das kann man nur konsequent nennen, denn bei der wellenförmigen Natur jedweder Entwicklung kürzt es einfach den Weg über den Fortschrittsbuckel ab. Daher ist es bedauerlich, dass wir den wohl wichtigsten Schritt dorthin verpasst haben, den im Januar stattfindenden Tough Guy-Contest, ein unbeschreibliches Survival-Schlamm-Spektakel, bei dem nur jeder Fünfte durchkommt, basierend auf dem Erfahrungsschatz aus mehreren Weltkriegen und noch mehr sibirischen Ferienlagern. Gerade eben legt der amerikanische Sportjournalist Jim Caple bei ESPN ein bestürzendes Zeugnis darüber ab ("drunk is the only time to fill out the race application"). Der dazugehörige Film zeigt, ach, das soll sich jeder selbst ansehen, aber er zeigt jedenfalls die Zukunft, soviel sei verraten. Eine Zukunft, bei der man am Eingang einen "Death Warrant" unterschreibt (wie im richtigen Leben auch), und ausserdem angibt, welcher Religion man angehört, "for last rites before burning". Und dann kann man sich wirklich nicht über mangelnde Unterhaltung beschweren, auf der "Mr. Mouse Farm for Unfortunates" in Wolverhampton, dem Venue des Ereignisses, man wird sozusagen, äh, ständig und zuverlässig bei SEHR schlechter Laune gehalten, durch eiskalte Wassergräben, Feuerhaufen, Stromschläge, Schlammlöcher, Dreckbrühe, insgesamt sieht Takeshi's Castle dagegen aus wie Kindergeburtstag. Und wenn man glaubt, damit in Würde fertig zu sein, taucht irgendein Engländer auf, der das Ganze in Unterhosen bewältigt hat. Aber wenn das in der Zukunft eben so ist, meine Güte, so be it. Wir geloben jetzt schon, im nächsten Jahr dem Beispiel Englands zu folgen.


02.03.2007 | 12:02 | Anderswo | Alles wird besser

In den Krebsgang schalten


Glück im Unglück: übers zweite Loch glatt weggesegelt.
(Foto: salim) (Lizenz)
Automatikschaltungen für Fahrräder mögen einer der letzten Schreie einer aussterbenden Technologie sein; aber hört sie jemand? Denn auch wenn niemand im Wald steht, während ein Baum aufs Automatikfahrrad fällt, geht es ja kaputt. Na gut, das war jetzt eine etwas wilde Assoziationskette, und zudem orthogonal zur Fahrtrichtung des Artikels aufgezogen. Probieren wirs anders.

Wie jeder weiss, sind Fahrräder eine verkorkste Erfindung. Man kann nur in eine Richtung mit ihnen fahren, man kann nur eins der zwei Räder lenken, Draufsitzen ist verhältnismässig bequem und die Kette schmeckt nicht nach Erdbeeren, sondern nach Öl. Kein Wunder, dass kaum jemand ein Rad hat und die coolen Kinder alle Segway fahren. Das muss aber nicht sein, denn wenn man nur ein bisschen Grips bemüht, kann man auch das Problem Fahrrad im Handumdrehen lösen. Michael Killian, ein irischer Programmierer, hat einmal kurz beherzt nachgedacht, und ein Fahrrad entwickelt, dessen beide Räder lenkbar sind, und auf dem man sowohl vorwärts als auch rückwärts fahren kann. Beziehungsweise nach links oder rechts, weil man auf dem, äh, Gebilde, quer zur Fahrtrichtung sitzt und in die Pedale tritt. Nur die Kette schmeckt leider immer noch nach Öl, aber dafür gibts sicher bald einen Patch.


02.03.2007 | 01:50 | Alles wird besser | Was fehlt

Mit den Ohren laufen

An allen Enden Konvergenz: Niemand verzichtet auf Musik im Ohr und Pulsmesser um die Brust, wenn es zum Joggen in den Wald geht. Naheliegend, die beiden Geräte zu verbinden: Die Ohrhörer, die Jeffrey L. Lovejoy und seine Freunde gerade im Patentamt eingereicht haben und der New Scientist vorgekramt hat, misst den Puls über integrierte Elektroden und gibt die Daten an das Abspielgerät, welches daraus hilfreiche Hinweise generiert.

Mit grossen Schritten in die Zukunft. (Foto: hiperactivo) (Lizenz)
In ihrer detaillierten Beschreibung, die sogar die weissen Kopfhörer des iPods umfasst, vergessen die Erfinder jedoch die logische Einbindung in die Playlist, die bewirkt, dass die Musik nach der gerade anstehenden Herzfrequenz ausgewählt wird. Die Algorithmen, die von 'Positive Tension' auf 'Cirrhosis of the Heart' wechseln, sollten bequem neben die passen, die die aufmunternden Hinweise auswählen, die zur Einflüsterung vorgesehen sind. Diese Erfinder, alles muss man ihnen sagen. Erfindet mal ein bisschen schneller!


01.03.2007 | 20:56 | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

AK mobile Freundschaft


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Im August 2004 beschrieben wir anderswo hoffnungsfroh, was die Zukunft für neue Tools zur mobilen Vernetzung von allen mit allen bereithielt. Spätestens im September 2004 gedachten wir uns in Handysoftware zu wälzen, die uns den Aufenthaltsort von Freunden, Nachbarn und Wildfremden sichtbar machen sollte. Der Leser ahnt, wie die Geschichte ausging: Natürlich passierte erst mal gar nichts, und dann nicht viel. Die im Text genannten Dienste sind entweder nie oder wenn, dann nur in San Francisco gestartet, die Details kann jeder selbst recherchieren, wir sind ja hier nicht der Heise-Newsticker.

Aber weil es nicht zu unseren Gewohnheiten gehört, aus Fehlern zu lernen, sei hiermit angekündigt, dass es doch noch klappen wird mit dem mobilen Social Networking, und zwar ab praktisch sofort und in Form der Java-Handysoftware aka-aki. Um ganz sicher zu gehen, haben wir die Technik diesmal von Riesenmaschine-Autor Gabriel Yoran erfinden lassen. Das Ding mit dem wie von Thor Heyerdahl erdachten Namen sucht im zugegeben bescheidenen Umkreis von 20 Metern per Bluetooth nach anderen Nutzern, die je nach Geschmacklosigkeit der dahinterstehenden Firma vermutlich "Aka-Akivisten" oder so heissen werden, und lädt dann deren Profile aus dem Web. Für Menschen, die keine Gesichter wiedererkennen oder sich keine Namen merken können, kann dieser Service schon beim engeren Freundeskreis nützlich sein (vorausgesetzt, man hat sie alle vorher in den Aka-Aki-Akundenkreis hineingekobert). Alle anderen bekommen erklärt, über welche sieben Ecken sie die eigentlich unbekannten Menschen um sie herum wenigstens indirekt kennen, und wie es immer so ist, werden den Teilnehmern vermutlich noch ganz andere Nutzungsmöglichkeiten einfallen. Geld kostet nur der Traffic, und zum Preis einer SMS kann man ungefähr 500 aka-aki-Nachrichten verschicken. Wen stört bei dieser Fülle an Wi-Wa-Wunderfeatures der alberne Name? Die Alphaversion läuft, die öffentliche Beta startet Anfang April, und dann wird der Löwe endlich das Lamm erkennen, und wir werden uns mit aller Welt in den Armen liegen. Bis der Aka-Aki-Akku alle ist.


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