Riesenmaschine

26.05.2007 | 02:34 | Essen und Essenzielles

Richtig frühstücken


"Trotz der teils extremen Unterschiede der traditionellen Regionalküchen wird der Bedarf an Nährstoffen in der Regel gedeckt." (Wikipedia)
Leider konnten wir nicht rechtzeitig über die Hall's Scottish Breakfast Week (11.-17. September 2006) berichten und weisen deshalb nur auf die dort veröffentlichte Hall's-Umfrage hin: Immerhin 17 Prozent der befragten Schotten frühstücken gern ein "cooked Scottish breakfast" (siehe Abbildung) mit seinen vier wichtigsten Nahrungsmittelgruppen black pudding (so was wie Blutwurst), white pudding (so was wie Blutwurst, nur ohne Blut), viereckige Wurst und runde Wurst. Wie auch die Ernährungsgewohnheiten der Inuit beweisen, braucht der menschliche Körper nämlich weder Müsli noch Salat und hilft seinem Inhaber so, Geld zu sparen. Wer will, kann ergänzend zu Marvel Superhelden Vitaminen greifen, gesünder ist aber, auch das bleiben zu lassen, man kriegt nur Prostatakrebs davon.


25.05.2007 | 18:06 | Essen und Essenzielles

Cola, offen


Cola, geschlossen
Traurig, eigentlich. Joya Williams, die ehemalige Sekretärin eines Coca-Cola-Vorstandsmitglieds, wandert demnächst für acht Jahre ins Gefängnis, weil sie versuchte, die Coca-Cola-Rezeptur an den Konkurrenten Pepsi zu verkaufen. Mit Open-Source-Cola wäre ihr das nicht passiert. Deren Ingredienzien und Zubereitungs-Pflichtenheft stehen nämlich für alle sicht- und nachmachbar online. Mindestens genau so unterhaltsam ist aber auch der ebenfalls bei Wikihow zu findende Hack, der zeigt, wie man einem Colaverkaufsautomaten Informationen über die bereits verkauften Mengen entlocken kann. Ähnlich wie die Router eines gewissen Unternehmens haben die Cola-Automaten nämlich zur Wartung das voreingestellte, einigermassen tumbe Masterpasswort "4231"; als Eingabeschnittstelle dienen die Getränkewahltasten. Ob dieser Hack ebenfalls via Joya Williams an die Weltöffentlichkeit gelangte, wurde nicht bekannt.


25.05.2007 | 12:19 | Alles wird besser | Alles wird schlechter

Tsille Pots


Leicht fehlerhafter Schöpfungsnachbau. (Foto: bmelcher) (Lizenz)
Wer in einer schriftlichen Prüfung sitzt und schwitzt, tut gut daran, sich daran zu erinnern, dass das Abschreiben eins der fundamentalsten Naturprinzipien ist – neben Gravitation, Uhu und Schnurgummis. Genauer gesagt ist es die unvollkommene Kopie, die die Evolution vorantreibt, Bücherregale mit vermeintlich neuen Ideen vollmacht und aus zwei alten und halbkaputten Menschen einen blitzblanken jungen macht. Der dann wiederum von anderen jungen Menschen kopiert: Musikdateien, Kleidungsstile und Antworten in Prüfungen; der ewige Kreislauf der abschreibenden Natur. Man könnte sogar der Ansicht sein, die Differentialgleichungen der physikalischen Naturgesetze seien nichts als die kontinuierliche Variante eines Bündels diskreter Anweisungen, wie aus einem Moment der jeweils nächste herzustellen sei: durch fehlerhaftes Abschreiben nämlich.

Weil nun aber so viel in der Welt auf einer Variante der stillen Post beruht, kann man durch eine Untersuchung von Kopierfehlern eine ganze Menge herausfinden. Die Fehler, die beim Kopieren der DNA gemacht werden, lassen sich als Molekulare Uhr zum Datieren evolutionärer Divergenz benutzen, die Tippfehler, die sich in Bibliographien wissenschaftlicher Artikel einschleichen, erlauben Aufschluss darüber, wie viele der zitierten Aufsätze tatsächlich gelesen wurden (ungefähr ein Fünftel), und wie viele aus anderen Artikeln abgeschrieben (ungefähr vier Fünftel). Und in der Popkultur können, einer neuen Studie zufolge, einfache Kopiermodelle das Auftreten von Moden und die Dynamik von Hitparaden weit besser erklären als ein Pulk von Trendforschern und Systemtheoretikern, den man an einen Schnurgummi geklebt und von einer Brücke geworfen hat.


24.05.2007 | 20:11 | Berlin

Alkohol und Striche

Das Kottbusser Tor ist der angesagteste Ort in Berlin für das, was man in Mitte nur von Donnerstag Abend bis Sonntag Mittag macht: in der Sonne herumlungern und Bier trinken. Vielerlei Menschen halten den dauernden Aufenthalt in der Sonne jedoch für wenig ratsam. Leuten, die ihr Leben lang auf der Strasse stehen, statt im Büro zu sitzen, wird gerne Verwahrlosung attestiert, man würde ihnen gerne helfen, auch mal vor einem Computer zu sitzen, damit sie was aus sich machen.


Treffpunkt am Ende
Dabei haben die immer gutgelaunten Leute vom Kottbusser Tor ihren Alkoholkonsum vorbildlich zum Wohle der Allgemeinheit eingesetzt. Der abgebildete Radweg ist aus Kronkorken in den Asphalt gedrückt. Bei bbbike ist er allerdings nicht verzeichnet.


24.05.2007 | 02:35 | Anderswo | Alles wird besser

It's raining, man


"Fog enhancement" in Schottland (Foto: Kathrin Passig)
Irgendwann vor langer Zeit in einem Buch hat Old Shatterhand Regen in der Wüste erzeugt, mit blossen Händen (praktisch). Seitdem ist nicht viel passiert in der weltweiten Kontrolle des Wetters, dem dreizehnten Reiter der Apokalypse. Stattdessen jammern die Leute und behelfen sich mit Mikrokompromissen, sogenannten Klimakonferenzen oder Regenschirmen. Wie immer ist in einem einzigen Land, dem Paradies auf Erden, alles anders. Die Rede ist natürlich von China, und wenn man schon einen gewaltigen Staat auf der Prämisse aufbaut, man könne die Menschen ändern, wenn man nur die Gesetze entsprechend einrichtet, dann ist nicht überraschend, dass man, mit den Menschen soweit fertig, damit beginnt, das Wetter zu verbessern, mit Chemiebomben, Wolkenabwehrraketen und mehr als 30.000 Wetterinfanteristen. Chinas meteorologische Behörde definiert in den bereits 2002 (da mussten wir noch Schnee schippen!) verabschiedeten Wettergesetzen, was sie darunter versteht: rain or snow enhancement, hail suppression, rain suppression, fog dispersal, or frost protection. Seit 1999 hat China angeblich 250 Mrd. Tonnen Regen hergestellt, und eine halbe Million Quadratkilometer Land sind hagelfrei. Keine Klassengesellschaft, dafür Bärengalle, keine ekelhafte Freiheit, dafür Zensur und saubere Propaganda, kein Hagel, kein Frost, dafür Olympische Spiele. So lässt es sich leben.

Jetzt will China die Bemühungen um das chinesische Wetter zentralisieren, um künftig auch Regenschirme verbieten zu können (liebes China, das Letzte war ein Scherz, bitte nicht übelnehmen). In diesem Zusammenhang dringt ans Tageslicht Kunde vom neuesten Projekt: Man plant die Verhinderung von schlechtem Wetter für die Olympiade 2008 in Peking. Nähert sich eine Wolke dem Stadion, so wird man sie vernichten, bevor sie ihr Ziel erreicht. Das ist spektakulär kompliziert, wie Experten weltweit zugestehen. Anderswo ist man ja noch nichtmal in der Lage, ein Flugzeug zu vernichten, das in eine Wolke fliegt.


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Gesamt: -3 Punkte


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