Riesenmaschine

22.07.2007 | 13:36 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Pioniere in Wien


Foto: Kathrin Passig
Wien ist eine Stadt, in der es kein Verbrechen gibt. Nicht einmal Ordnungswidrigkeiten sind den braven Wiener Bürgern bekannt. So gibt es denn auch in Wien keine Graffiti, Hunde äusserln freiwillig ins Sackerl, und in den Parks raucht man getrocknete Bananenschalen. Das abgebildete Plakat, das die Vorteile des wilden Plakatierens auflistet, ist wie auch der Graffitikurs Teil einer Kampagne zur Hebung Österreichs auf EU-Kriminalitätsniveau. Noch herrscht Widerstand im Volk gegen die neuen Verbrechensvorgaben, das Lob des wilden Plakatierens ist von empörten Wienern schon wenige Minuten nach Aufklebung wieder halb entfernt, aber es wird schon werden, Wien.


22.07.2007 | 00:42 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Airbladerunner

Die Geschichte der Lufttrocknung war bislang kurz und peinlich. Hält man seine Hände unter einen handelsüblichen Lufttrockner, so gibt der nicht nur Geräusche von sich, als würde er gerade in Polen einmarschieren, er schafft es zusätzlich auch noch, das Wasser an der Hand nicht etwa weg-, sondern einfach von der einen Seite auf die andere Seite zu befördern. State-of-the-Art Ganzkörpertrockner versprechen Trockenheit nach drei Minuten, eine Zeit, die behende Handtuchartisten locker unterbieten. Die Hilfslosigkeit heisser Luft führte dann auch folgerichtig zu einer Ära, die von Experten der Branche als Renaissance des Papierhandtuchs oder, schlimmer noch, des moribunden Stoffhandtuchspenders bezeichnet wird. Möchte man in so einer Zeit leben?

Eine seit Mai 2007 rhetorische Frage, denn sie ist vorbei, diese Zeit. Dyson, sonst eher fürs Saugen denn fürs Blasen bekannt, bringt den Dyson Airblade auf den Markt, und für die nächsten dreitausend Jahre ist das Handtrocknungsproblem gelöst. Der Airblade sieht zum einen gut aus, ein bisschen wie eine inverse Gebärmutter aus Edelstahl. Zum zweiten kann man die feuchten Körperteile elegant von oben hineinhalten und muss nicht unwürdig unter einer Höllenmaschine herumfummeln. Zum dritten verhält er sich so leise wie ein totes Robbenbaby in Neufundland und zum vierten verfügt er über einen digitalen Motor, was auch immer das ist. Zum fünften bis ungefähr zwölften schliesslich sind die Hände total erstaunlich nach drei Sekunden trocken. Ungelogen, wir haben das aus lauter Pflichtbewusstsein viele tausend Male ausprobiert, am Flughafen London-Gatwick, wo man den Dyson Airblade schon in freier Wildbahn antreffen kann.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Heisse Luft revisited


19.07.2007 | 20:23 | Supertiere

Geckel


Muscho, die Klebschimbride (Abb. ähnlich).
(Foto: rore / Lizenz)
Hybriden sind hip, Schimären schick. Die Tomoffel, der Tomak, der Spork, der Ebär und die meisten Zitrusfrüchte lümmeln entspannt auf den Couchbetten in unseren Wohnküchen. Die Jostabeere bereichert unser Leben ungemein. Man möchte an die Decke oder die Wände hoch gehen vor Freude über all die zusammengeschraubten kleinen Monster, aber leider kann man das ja nicht, weil Füsse zwar stinken, aber nicht kleben, jedenfalls nicht genug. Zwar könnte man sich das beim Gecko abgucken, dessen Füsse nicht stinken, aber dafür prima kleben, aber bisherige geckoartige Versuchsklebstoffe funktionierten nicht, wenn sie nass wurden und verloren ihre Klebkraft viel zu früh. Enttäuschend! Wenn man nun aber die Fusshaare des Gecko mit etwas überzieht, das dem Protein ähnelt, mit dem Muscheln sich an Steine anmuscheln, dann, ja, dann hätte man den bei Nature publizierten Hybridklebstoff, mit dem man unter Wasser und an Land die Wände hochgehen kann, bis zu tausend Schritte weit. Geckel nennen die Erfinder ihren Hybridkleber, für den deutschen Markennamen schlagen wir aber Muscho für die Unterwasservermarktung vor, und Geckuschel für obenrum.


19.07.2007 | 11:33 | Alles wird schlechter

Radeln adelt


Flach wie Holland
Endlich mal ein leckeres Mashup: Bei www.bikemap.de kann man Radtouren planen, anlegen und anderen zur Verfügung stellen. Die Bedienoberfläche ist so gelungen und intuitiv, dass man sich von ihr angezogen fühlt wie eine Fruchtfliege von einem Apfelsaft-Balsamico-Cocktail. Ohne lästigen Registrierungsvorgang sucht man sich über das integrierte GoogleMaps einen Kartenausschnitt, markiert Start-, Endpunkt und Zwischenstationen mit Zeichenstift – fertig ist die Tour. bikemap.de berechnet selbstständig deren Länge und zeigt den Höhenverlauf graphisch an. Wer seine Tour fertig gebastelt hat, kann sie abspeichern und dem Rest des Internets zur Verfügung stellen. Erst in diesem Augenblick wird optional (!) eine User-Registrierung angeboten. Das ist dermassen dezent, dass Damien Rice wie ein blinder Wüterich daneben ausschaut.


18.07.2007 | 14:04 | Was fehlt | Essen und Essenzielles

Fütter mich!


Profibakterienesser im Anmarsch (Foto: fillyjonk) (Lizenz)
So schön der Bakterienzoo auf den ersten Blick wirkt, es fehlen doch Actionelemente, Fütterungszeiten zum Beispiel. Die populären Fleischfressenden Bakterien bieten sich an, scheiden aber aus, weil sie die meiste Zeit unter der Haut verbringen, die Gäste würden sie schnell abwählen.

Für die Eltern wäre der dekorative Bewuchs von Brot und Kühlschrank wohl interessanter, leider zeichnen dafür in der Hauptsache Pilze, also überhebliche Eukaryoten, verantwortlich, für einen sortenreinen Bakterienzoo ein Unding. Jede anständige Familie ginge bald wieder in einen Vogelpark. Stattdessen sollten die Bakterien sich lieber selber fressen, Bdellovibrio bacteriovorus liefert was fürs Auge, mit Mikroskopen kann man ihm beim Fressen anderer Bakterien zuschauen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Erneuerbare Niedlichkeiten


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