Riesenmaschine

09.07.2007 | 18:00 | Supertiere | Zeichen und Wunder

Schafe blicken auf


Ausschnittvergrösserung
Etwas Nettes über die Kernkraft zu sagen, ist ja gar nicht so leicht. Marketingstrategen brauchen viele Stunden, um sich so was auszudenken, und zahllose Entwürfe bleiben unterwegs auf der Strecke. "Wir malen schmale diagonale Streifen drauf und nennen es 'Kernkraft light'", "Papa, was ist, wenn die Sonne mal ausgeht?" und "Kernkraft klingt vielleicht etwas konservativ. Sind Windräder etwa fortschrittlich?" gehörten zu den Verlierern; der hier nicht ganz so gut lesbare Sieger lautet "CO2-Ausstoss: Null". Es ist ein hartes Stück Arbeit, das da geleistet wurde, und alberne Bürger mit Schere und Prittstift könnten diese Arbeit ruhig etwas mehr respektieren.


07.07.2007 | 23:10 | Anderswo | Was fehlt | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Rosenlassi


Schmeckt wie Softporno und frisch gebadet
Schon seit geraumer Zeit nähert sich die Abteilung Körperpflege im Supermarkt dem Milchregal an bzw. bezieht seine Impulse für neue Geschmacksnoten von dort. Dass diese Fluktuation nicht nur in einer Richtung funktioniert, beweist die Schweizer Supermarktkette Coop mit einer gewagten Neuheit: Rose Lassi bezieht sein Aroma aus zehn Prozent "wässrigem Auszug aus Rosenblüten" und einer nicht näher bezeichneten Menge Rosenöl. Das Faltblatt im Deckel belehrt uns, dass für zehn Gramm dieses kostbaren Duftstoffes einhundert Kilogramm Rosenblätter benötigt werden – dafür erscheint der Preis von 1,95 Franken mehr als angemessen, wobei die Tatsache allein das Getränk noch keineswegs geniessbar macht.

Wer nun aber beim Stichwort Rosenöl unwillkürlich an Pudelschampu denkt oder den Geruch in der Wohnung der trutschigen Grosstante assoziiert, ist eindeutig auf dem Rosenholzweg. Tatsächlich entwickelt das an sich schwülstige Rosenaroma in Verbindung mit dem salzigen Joghurt einen irisierenden Akkord, der eine Tür in völlig neue sensorische Regionen aufstösst: das Feld des Erotischen und der Körpersäfte nämlich. Auch wenn der Vergleich mit Blümchensex an dieser Stelle etwas zu weit führen würde, lässt sich der komplexe Abgang doch wohl am ehesten damit beschreiben, wie es wäre, Kleopatras Badewasser zu trinken, dem die Sonnenkaiserin nach einer langen und anstrengenden Nacht mit wechselnden Liebhabern soeben entspannt und rein wieder entstiegen ist. Wer auf solcherlei Phantasien steht, wird auch auf den Rose Lassi komplett abfahren.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Food & Non-Food Full Circle


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"Taken", Pierre Morel (2008)

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