Riesenmaschine

19.03.2008 | 18:16 | Anderswo | Alles wird besser

Die letzten Antioasen


Zukunft (typähnlich)
Foto, Lizenz
Seit dem letzten Wochenende sind Buchmessen keine Orte ohne kostenloses Internet mehr. Aber der Kampf gegen die letzten Wüsten des Erdballs geht weiter. Busse, für drahtloses Netz in etwa das, was die Atacama für das Wasser ist, werden in Schottland und anderen Orten des Vereinigten Königreichs seit neuestem mit Internet ausgerüstet, nicht nur kostenlos, sondern auch vollkommen umsonst. Nicht mal bezahlen muss man dafür. Damit liegt Grossbritannien gleichauf mit Kalifornien (und Estland), im ewigen Wettrennen um das Fortschreiten des Fortschritts. Schon bald werden wir hier auch einen steinalten Vietnamveteranen zum Präsidenten wählen!


10.02.2008 | 15:51 | Essen und Essenzielles

Raffinierte Getränke


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Zwei "neue" Energiegetränke, eines heisst Big Energy Shock und kommt aus Tschechien, das andere Energy Boost, offenbar aus Leeds. Sehr unterschiedliches Outfit: Der Tscheche eher 70er, klassische Halbliterdose in knalligem Gelb und Rot, harter Schriftsatz, der Engländer dagegen in stahlgrauer Plastikflasche mit 90er Metallic-Farben und infantilen Fonts. Klarer Vorteil für die Slawen, die auch mit ihrem Internetauftritt punkten, wo mehr Insekten sterben als auf den meisten anderen Websites. Im Geschmack jedoch, und das ist erstaunlich, ähneln sich beide so stark, dass man sie mit wenig Fantasie für identisch halten könnte.

Es gibt verschiedene Theorien, wie es zu der beachtlichen weltweiten Uniformität im Geschmack der Energiegetränke kommt. Eventuell sind wir hier Zeugen eines Wettbewerbs der chemischen Industrie; hundert verschiedene Hersteller versuchen, ohne vorherige Kommunikation exakt denselben Geschmack zu produzieren, alle Mittel erlaubt. Oder gibt es UNO-Konventionen, die keine Abweichungen vom Geschmacksschema erlauben, um internationale Irritationen zu vermeiden? Kathrin Passigs Hypothese: Allen Energydrinks liegt ein in Taiwan hergestellter Sirup zugrunde, mit dem ein alter Mann steinreich wurde, der vorher einfach nur blasenkrank war. Oder aber Energiegetränke werden allgemein auf dieselbe Art und Weise gewonnen – Erdöl schmeckt ja auch weltweit gleich. Raffinieren von Warzenschweinen wäre eine realistische Möglichkeit, ganz oben entweicht Lachgas, in der Mitte Red Bull und unten bleiben die zähflüssigen Warzen liegen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Sauber wach sein


09.02.2008 | 04:32 | Anderswo

Robot Schafmagen


Foto: Jan Bölsche
Alles dauert immer so lange. Laufenlernen, zum Beispiel, mehrere Stunden lang nichts anderes tun als aufstehen und hinfallen, wer macht das heute schon noch mit? Anderes Beispiel: Dudelsackspielen. Braucht, so sagt man, sieben Jahre, bis man es kann, und davon klingen die ersten sechs horrible. Horrible und dazu noch sehr sehr laut. LAUT. Weil das so ist, werden Dudelsackspieler an der Carnegie Mellon University, der einzigen Universität, die ein Stipendium zum Studium des Dudelsacks anbietet (7000 Dollar pro Jahr plus Kilt), jetzt durch Roboter ersetzt. Und siehe da, der Bau eines Dudelsackrobots dauert ein, zwei Jahre, und damit deutlich kürzer als der Bau eines menschlichen Bagpipers. Damit gibt es an der CMU jetzt schon genauso viele Bagpipe-Roboter wie Bagpipe-Studenten, nämlich jeweils einen. Hier kann man sich Highland Laddie anhören, gespielt von der Maschine, und es klingt, naja, überzeugend. Leider dauert es mehrere Minuten, viel zu lang, alles viel zu lang, aber was soll man machen, in Zeiten, in denen selbst die Tagesschau vierzehneinhalb Minuten zu lang ist.


03.02.2008 | 17:51 | Anderswo | Alles wird besser

Anwendungen und Prozeduren


Tschechien – wo Wälder noch entspannt sind
Foto, Lizenz
Neuerdings enthalten Spammails nicht nur Tips für ein weniger freudloses Sexualleben und Hinweise auf überraschende Geldquellen in Afrika, sondern auch Werbung fuer Kuraufenthalte in Tschechien, ein echtes Plus für das von Nachrichten geplagte Internet. Einfach Quiz ausfüllen und eine brandneue Kur gewinnen! Anwendung von Peloidem sowie vom Naturgas in dem Trendland, das gleich südlich von anderen Ländern liegt! Was viele nämlich nicht wissen: Tschechische Heilbäder sind auch für diejenigen Patienten griffbereit, die sich in Tschechien operieren lassen. Ob krank oder gesund, Liebhaber von stillem oder regem Sozialleben, hier finden Sie eine wohltuende Entspannung. Tschechien – eine Supermacht im Bereich der Heilbäder- und Wellnesspflege!


30.01.2008 | 12:22 | Anderswo | In eigener Sache

Tough Guy 2008


Vor dem Rennen: Wenigstens das Hemd wusste, was es tut. (Foto: Jan Bölsche)
Kathrin Passig und Aleks Scholz sind am letzten Wochenende beim "Tough Guy" in Wolverhampton als sehr kleines Team "Schmutzstaffel" angetreten. Sie haben das Ziel knapp zwei Stunden nach den schnellsten Teilnehmern und etwa eine halbe Stunde vor den Senioren mit Gehgestellen erreicht. Die stolzen Sieger im Riesenmaschine-Interview:

RM: Beim Tough Guy müssen die Teilnehmer stundenlang durch Schlamm robben, in Eiswasser springen und sich mit Elektroschocks, Stacheldraht und Feuer herumschlagen. Können Sie unseren Lesern kurz erklären, warum man an so einem Wahnsinn teilnimmt?
AS: Eigentlich habe ich vorwiegend teilgenommen, damit ich mich an diesen Tag später noch erinnern kann. Man vergisst ansonsten ja alles, wenn es nicht mit brutaler Gewalt ins Gehirn gemeisselt wird. Ausserdem war es unglaublich entspannend, sich mal für eine Weile nur auf eine Sache konzentrieren zu können, nämlich auf Schlammlöcher.

RM: Der Tough Guy gilt als "eins der härtesten Rennen der Welt". Wie haben Sie sich auf die Teilnahme vorbereitet?
KP: Gar nicht. Ich wollte eigentlich, konnte mich dann aber doch nur zu zwei halben Klimmzügen in der Woche vor dem Rennen aufraffen. Wie sich herausstellte, war das auch ganz gut so, denn es gibt 5.000 Teilnehmer, und wenn man nicht entweder sehr schnell oder sehr langsam ist, landet man so wie Aleks Scholz im Mittelfeld und muss vor jedem Hindernis Schlange stehen. Ach ja, drei Wochen vorher bin ich eine Treppe heruntergefallen. Das hat sicher auch geholfen.

RM: Herr Scholz, Sie sind den CN Tower hochgelaufen, haben den Grossglockner mit dem Fahrrad bezwungen und jetzt den Tough Guy Contest absolviert. Was ist wirklich die härteste Herausforderung der Welt?
AS: Meetings. Meetings und Konferenzen und vielleicht noch Herumsitzen am Flughafen. Dagegen sind diese körperlichen Vergnügungen reiner Kinderkram.

RM: Wie sieht der typische Tough-Guy-Teilnehmer aus? Sicher alles harte, furchtlose Männer mit Muskeln aus Stahl.
KP: Der typische Tough-Guy-Teilnehmer sieht aus wie ein trinkfester Brite um die 30 in einem Baströckchen. Man muss bedenken, dass sich der englische Alltag nicht sehr von den Bedingungen beim Tough Guy unterscheidet: Kälte, Nässe, Schlamm, dazu die ständigen Witze über den Krieg.

RM: Unsere Leser wollen 2009 sicher selbst antreten. Können Sie ihnen Tipps mit auf den Weg geben?
KP: Man sollte Schuhe und Handschuhe tragen, der Rest ist egal. Wasserdichte Sealskinz-Socken sorgen dafür, dass man etwa zehn Sekunden länger trockene Füsse behält als die anderen Teilnehmer. Ausserdem: Beim Sprung von der Planke möglichst weit springen, so lassen sich zwei Schwimmzüge sparen. Und Ohrenstäbchen mitbringen!
AS: Man sollte ernsthaft über Doping nachdenken. Stimmungssteigernde Amphetamine zum Beispiel sind eine gute Wahl, es ist dann zwar immer noch genauso anstrengend, macht aber deutlich mehr Spass. Eines noch: Möglichst wenig "Wasser" schlucken.

RM: Werden Sie selbst nächstes Jahr wieder dabei sein?
KP: Entweder das, und zwar diesmal zu zweit als Pferd verkleidet. Oder aber wir veranstalten stattdessen unseren eigenen Wettbewerb: Die Urban Not-So-Tough-Guy Challenge, bestehend aus einer Viertelstunde Warten an der Bushaltestelle, bepackt mit zwei halbvollen Einkaufstüten. Danach Ansehen von Arktis-Dokumentarfilmen im Fernsehen unter strikter medizinischer Kontrolle. Alles nur eine Frage des richtigen Marketings.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Die Zukunft ist ein Schlammbad

Kathrin Passig, Aleks Scholz | Dauerhafter Link | Kommentare (13)


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