Riesenmaschine

13.04.2007 | 01:51 | Alles wird besser | Was fehlt

Toll: Alles jetzt noch besser

Wo nimmt man bloss die Energie her? Eine gute Frage, nicht nur, wenn man gerade einen Staat zusammenlötet, keine Ahnung von Kernspaltung hat und auch keine Kohle im Vorgarten findet. Sondern zum Beispiel auch, wenn man eine Lampe im Dunkeln betreiben will, ein Internet in Guatemala, ein künstliches Mini-Gehirn im Zeh oder eben ein simples EEG-Fernglas, wie es bald mit jedem Soldaten mitgeliefert wird. Und Prof. Wang, im Bild nicht gut zu sehen, mit 2348 Zitaten aber einer der am meisten zitierten Autoren der Welt, weiss die Antwort: Solange man keine Lust auf Staatengründung hat, liefert er die Energie einfach (naja, nicht ganz so einfach) aus einem Gewirr aus winzigen Spezialkabeln, die, wenn man sie biegt, Energie produzieren. Wackelt man nun ein wenig an diesem Piezo-Kabelsalat, so stossen ab und zu ein paar dieser verbogenen Kabel an elektrische Kontakte, und laden dabei ihre Energielast hocherfreut ab. Die Folge: Ein Strom fliesst, das Ziel allen Strebens. Prof. Wang sagt, man muss nur laufen oder Blut zirkulieren lassen oder etwas ähnlich Unerhebliches tun, und schon funktioniert es. Ein EEG-Fernglas über Nanokabelwirrwarr aus dem Strom des Blutes mit Strom zu versorgen – wie alle genialen Ideen ist auch diese total naheliegend. Und wie alle Wissenschaftler ist Prof. Wang zunächst skeptisch: "Wir müssen das Kabelwachstum besser kontrollieren." Gut gesagt, unkontrolliertes Kabelwachstum wäre in der Tat noch schlimmer als Mangel an Energie.


11.04.2007 | 00:06 | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

Ausflüge obenrum

Google Earth ist für die meisten von uns inzwischen total langweilig, weil man über die meisten Orte der Erde ohnehin ständig drüberfliegt. Google Moon und Google Mars sind ein okayer Zeitvertreib, aber wie lange noch, fragt man sich mit bangem Blick. Glücklicherweise ist die Verkartographisierung der Welt schneller als die Entwicklung der Flugpreise: Wikisky bietet jetzt die Verwebzweinullung des Sloan Digital Sky Surveys (SDSS), bis heute vielleicht das ehrgeizigste Unternehmen, das gesamte Universum auf die Erde herunterzuladen. Hier ein Flugvorschlag: Man gehe kurz ins Sternbild Löwe, schalte dort auf SDSS um, hole M96, die Spiralgalaxie am linken Bildrand, in den Mittelpunkt und gehe auf Warp, nein, Zoomstufe zehn oder so. Dann erkennt man nicht nur, dass gerade ein Asteroid unerlaubt vor der Galaxie herumirrt, sondern ausserdem schöne blaue Flecken im fernen Nebel, Zonen heisser Strahlkräfte mit grossen Schmerzen für alle Beteiligten. Knapp (naja) rechts daneben M95, eine genauso schöne Spiralgalaxie, die so tut, als hätte sie nichts besseres zu tun, als sich im Kreis zu drehen. Ein paar Tagesscrollreisen weiter nördlich dann gleich drei attraktive Galaxien auf einem Haufen, zwei davon gross und elliptisch, die dritte sorgfältig cyanblau angemalt. Sehr zu empfehlen ist auch eine Reise im Infrarotlicht mit Hilfe der Bilder des Satelliten IRAS, der sich in den 80ern die Mühe machte, den Weltraum im Dunkeln abzulichten. Man sieht endlich, dass die Milchstrasse nachts wie eine relativ gross geratene Bogenlampe aussieht, die nach allen Seiten glühende Klumpen ins Volk wirft (siehe Bild). Ach, Erde, langweiliges Geschöpf.


09.04.2007 | 12:01 | Anderswo | Supertiere

Elefanten für Glencoe


Glencoe
(Foto: mike138, Lizenz)

Irgendwo anders
(Foto: munir, Lizenz)
Der Duke of Argyll ist einer der mächtigsten Menschen in Schottland. Schon immer gewesen, wird immer so sein. Nicht nur war er der Häuptling des Campbell-Clans, als es den noch gab, sondern er führt ausserdem noch ungefähr 84 andere Bezeichnungen (leicht untertrieben). Er sollte sie verkaufen, die Titel wie Viscount Lochow and Glenyla, MacCailean Mòr und Son of Colin the Great, er könnte total reich sein. Moment, ist er wahrscheinlich, schon immer gewesen, wird immer sein. Die Leute von Argyll, vereinnahmt und geadelt vom englischen Königshaus, spielten führende Rollen bei zahllosen Kriegen, wurden exekutiert und, dem jakobitischen Wahn verfallen, von Lord Dalrymple gegen ihre alten Todfeinde, die MacDonalds von Glencoe, aufgehetzt, dort wo heute die Touristen ihre Beinchen am Ben Nevis zugrunde richten. Kaum jemand in Schottland hatte jemals soviel zu melden wie der Duke von Argyll.

War immer so, wird immer so sein. Der aktuelle Duke of Argyll ist gleichzeitig der jüngste: Torquhil Ian Campbell MacCailein Mor XIII Duke of Argyll. Weil Revolutionen, Massaker und Exekutionen in Argyll heute gesetzlich von den englischen Besetzern verboten sind, lässt er seinen Herrschaftsdrang an Elefanten aus. Elefanten-Polo funktioniert genauso wie Pferde-Polo, nur mit grösseren Tieren, deren Steuerung verkompliziert wird durch die Tatsache, dass sie weder englische noch gälische Befehle verstehen und, anstatt ihren royalen Pflichten nachzukommen, offenbar gern im Bambus streunen gehen. Der 13. Duke of Argyll führte sein schottisches Elefanten-Polo-Team zu drei Weltmeisterschaften innerhalb von fünf Jahren. Bis die Dynastie 2006 zusammenbrach, als der Duke das Turnier aus unbekannten Gründen versäumte. Stattdessen wurde im Dezember 2006 der schottische Angus-Clan Weltmeister im Elefanten-Polo – späte Rache für die MacDonalds, die Campbells geschlagen mit fremdartigem Getier.


07.04.2007 | 20:08 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Friendly Fire


(Foto: Robert Long)
Eigentlich gibt es nicht viel Neues zu berichten von den potentiell gefährlichen Asteroiden (PHAs), nach der Klimakatastrophe und den Rollkoffern die drittwichtigste Bedrohung der Menschheit. Es gibt sie immer noch da draussen, viele tausend Felsbrocken, blind der Schwerkraft vertrauend unterwegs im Sonnensystem, einige von ihnen jetzt schon auf Crash-Kurs mit der Erde. In wenigen wenigen Jahren werden wir immerhin die Grössten von ihnen, die potentiell zivilisationsbeendenden, einigermassen im Blick haben, dank ehrgeiziger Projekte wie Pan-Starrs. Aber was ist mit den kleinen, die nur noch, sagen wir, die Schweizer ausrotten würden? Und selbst wenn wir den steinigen Katastrophenbruder entdecken sollten, wie werden wir ihn los? Absurde Scherztheorien werden ihn kaum beeindrucken. Immerhin wird es, wie aktuelle Berechnungen zeigen, am ehesten den Korrespondenten in China erwischen, dann die in Amerika, dann den in Grossbritannien, und erst am Schluss den Kern der Riesenmaschine. Bis es soweit ist, sehen wir in aller Ruhe dabei zu, wie eines von diesen Steindingern extrem knapp (3.4 Mio. km) an uns vorbeischrammt und stattdessen scheinbar Kurs auf eine Galaxie nimmt. Felsen sind Schweine.


06.04.2007 | 17:36 | Vermutungen über die Welt

Leben nach dem Vergessen


Erinnert sich der Fisch? Fragt ihn doch. (Foto: genista) (Lizenz)
Das Vergessene ist wie ein Leben auf der anderen Seite des reissenden Stromes, sagte man früher im Dorf, wenn die alten Menschen Stein und Bein behaupteten, ihr Neffe sei Hitler gewesen. Und so unrecht hatte man im Dorf gar nicht: Menschen, die vorgeben, wiedergeboren zu sein, und sich an Dinge vor ihrer Geburt (also auf der anderen Seite des reissenden Stroms) zu erinnern glauben, neigen offenbar auch sonst dazu, ein lückenhaftes Gedächtnis zu haben, das sie zwanghaft mit allerhand Unfug auffüllen müssen und daher Erinnerungen erfinden, statt mühsam welche zu erleben. Dies gilt auch, wie man weiss, wenn man gar nicht wiedergeboren wurde, sondern stattdessen vorgibt, von Ausserirdischen entführt worden zu sein, also praktisch den reissenden Strom mit Hilfe glänzender Raumschiffe überquert hat, von denen man in dörflicher Umgebung oft genug hört. Vielleicht ist der Gang der Dinge aber auch eher so, dass die Ausserirdischen nur Menschen mit Nazivergangenheit und lückenhaftem Gedächtnis nehmen, wie sonst könnten sie sich so lange versteckt halten? Denn schliesslich weiss niemand, so sagt der Volksmund weiter, was wirklich auf der anderen Seite des reissenden Stromes liegt.


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