Riesenmaschine

12.02.2009 | 09:55 | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

It's only a theory (but I like it)

Im Darwinjahr 2009 ist es endlich Zeit, dass Papst Benedikt XVI. ein paar Theorien exkommuniziert – und zwar aus der Gemeinschaft empirischer Könnte-so-könnte-aber-auch-anders-sein-Theorien in das göttliche Reich des analytischen Apriori. Denn dass, was lebt, sich auch evoluzioniert, das ist doch nicht zufällig so, nein, das ist in seiner Klarheit, Schönheit und Zugänglichkeit eindeutig eine begriffliche Wahrheit. Hinter der Evolutionstheorie ständen auf den Plätzen zwei und drei als Aufsteiger aus der Empirieliga dann der Energieerhaltungssatz und Smiths Markttheorie fest.

Weil das natürlich, wie alles in der Philosophie, entweder falsch oder trivial ist und Papst Benedikt gerade ganz andere Sorgen hat, kommt es gelegen, dass Leute, die sich wirklich auskennen, jetzt ein neues "Group Blog Devoted to General Philosophy of Science" gegründet haben, das den bescheidenen Titel It's Only A Theory trägt. Es ist nur eine Theorie, das ist ein Satz vom gleichen Schlag wie "Er will nur spielen" und "Wir sind nur Freunde", das heisst, er ist meistens wahr, nur manchmal nicht, zum Beispiel dann, wenn man an einem Felsvorsprung über einem gähnenden Abgrund hängt und wegen der Gravitation gleich herunterfällt. In dem Fall hilft einem aber auch das Apriori und der Papst nichts.


26.01.2009 | 02:05 | Anderswo | Fakten und Figuren | Sachen anziehen

Mimicry '09


Foto, Lizenz
Karneval nähert sich mit grossen Schritten. Auch 2009 sind die Verkleidungstrends wieder an die Actionfigurtrends des Vorjahres gekoppelt, womit die Prognose so eindeutig ist wie selten: Obama oder Stauffenberg!

Die Entscheidung zwischen den beiden fällt dafür um so schwerer. Für Obama spricht, dass er im Gegensatz zu Stauffenberg Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist und schöne Reden hält, ausserdem kann man die Gesichtsfarbe vom Sternensingen noch einmal auftragen, bevor sie eintrocknet. Ein Stauffenberg-Kostüm (jetzt auch als kleiner Pilz) ist andererseits mit einfachen Mitteln schnell zusammengestellt: Augenklappe, Hakenhand, vielleicht noch ein Papagei auf die Schulter. Am wichtigsten natürlich die Aktentasche, die für die anstrengenden Tage zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch statt mit Bombe auch mit Bier gefüllt werden kann.

Bevor entscheidungsschwache Menschen nun völlig verwirrt als erster schwarzer Offizier aus dem Hitler-Widerstand den Strassenkarneval der Weltgeschichte aufmischen, hier der Expertentipp der rheinländischen Riesenmaschine-Korrespondenten: Sich selbst als Stauffenberg verkleiden, damit der Lebensabschnittsgefährte sich den langersehnten Traum erfüllen kann, einmal als Hitler zu gehen, ohne politisch unkorrekt rüberzukommen. Yes, we can! Es lebe das heilige Deutschland!


29.12.2008 | 12:56 | Fakten und Figuren

Die neuen Weltuntergangsdaten sind da

Wirtschaftswachstum hin, Arbeitslosenzahlen her, Zeitpunkte braucht der Mensch für seine Krise. Schliesslich explodieren im Film die Bomben auch nicht, wenn die Prognosen unter 0,5 Prozent sinken, sondern halt dann, wenn die Uhr abgelaufen ist. Die letzte grosse Krisenfrist verstrich 2000 allerdings recht konsequenzenlos – zum Glück muss aber niemand 1000 Jahre auf die nächste warten: Bereits 2038 droht beispielsweise das Jahr-2038-Problem. Für alle, die sich nicht mit Computergedöns auskennen oder nicht mehr so lange warten wollen, lohnt auch der Blick in die Kalender fremder Kulturen. Jener der Maya hält auch gleich eine in nicht allzu ferner Zukunft endende Epoche bereit: Am 21. Dezember 2012 springt hier der grosse Zeiger eins weiter und hinten alles auf null. Vermutlich jedenfalls, denn wer kann sowas schon so genau sagen, bei einem System das Datumsangaben wie "9.12.11.5.18 6 Edznab 11 Yax" enthält. Nun ja, Roland Emmerich kann es natürlich. Darum tut er schon mal, was ein Roland Emmerich tun muss, schürt mit plumpesten Mitteln schlimmste Befürchtungen und vergisst auch den mystischen Hinweis "Find out the truth – google search: 2012" nicht. Wen seine Flutwelle übriggelassen hat, der lässt sich dann einfach 2038 vom Geldautomat in Endlosschleife in den Wahnsinn treiben. Oder ihn erwischt's an einem anderen Tag, irgendwas ist ja immer.


23.11.2008 | 17:34 | Fakten und Figuren | Papierrascheln

Wissenschaftsfeuilleton und Notwendigkeit


Wenn Saul A. Kripke David Lewis wäre, hätte dieses niedliche Katzenbild wenigstens etwas mit ihm zu tun (tommyhj, Lizenz)
In den Säulenhallen der Philosophie ist die Aufregung gross, alle hibbeln mit den Beinen, kippeln mit den Stühlen und tuscheln: Der grosse, wenn nicht grösste Logiker und Sprachphilosoph Saul A. Kripke hat ein neues Paper veröffentlicht, das zweite in den letzten zwanzig Jahren.

Über Saul A. Kripke liessen sich nun die üblichen wissenschaftsfeuilletonistischen Anekdoten erzählen: hat im Alter von zwei Jahren die Grundlagen der Arithmetik bewiesen, war mit drei Jahren der erste Princeton-Professor, der noch Windeln trug, usw. usf. Aber wen interessiert schon Wissenschaftsfeuilleton, wenn er das neue Kripke-Paper lesen kann?

Unter dem bescheidenen Titel "Frege's Theory of Sense and Reference: Some Exegetical Notes" wird dort die Frage behandelt, wie die Hierarchie indirekter Sinne, doppelt-indirekter Sinne und mehr als doppelt-indirekter Sinne bei Frege zu verstehen ist. Kripke macht einige hellsichtige Bemerkungen dazu, dass Referenz ... also ... Referenz impliziert, dass ein Sinn gegeben ist, der ... äh. Nun ja, so genau können wir das jetzt auch nicht erklären und selbst wenn, würde es ja eh wieder keiner verstehen. Aber wussten Sie, dass Kripke gläubiger Jude ist? Nicht? Spannend, oder?


20.11.2008 | 16:27 | Anderswo | Supertiere | Listen

Der grosse Ameisenbär


Hollywood-Denkmal im Smithsonian National Zoological Park, Washington, DC (Foto: Kimberlyfaye, Lizenz)
Hollywood muss man sich im Prinzip vorstellen wie einen grossen, mechanischen Ameisenbär, der seine zahnlose Röhrenschnauze überall hineinsteckt, um die besten Geschichten herauszulecken. Nachdem der Bär in den letzten Jahren auf den Geschmack von in Plastikschutzfolie aufbewahrten Papierheftchen gekommen ist, will er jetzt mehr und hat einen neuen, leckeren Futtervorrat entdeckt: Animes.

Gleich vier Life-Action-Verfilmungen von Anime-Klassikern wurden dieses Jahr angekündigt. Begonnen hat alles im Februar, als Warner mit der Meldung vorpreschte, dass man sich bereits 2009 einen Akira-Film mit echten Schauspielern im Kino angucken kann und irgendwann später sogar noch einen zweiten. Im April hiess es dann bei Dreamworks, Spielberg persönlich habe sich erfolgreich darum bemüht, die Rechte für eine Verfilmung von "Ghost in the Shell" zu erwerben. Im Juli schliesslich war auch "Cowboy Bebop" fällig und vor ein paar Wochen "Ninja Scroll". Wem das noch nicht genug ist, der kann noch die seit mehreren Jahren gärende Dragonball-Verfilmung dazunehmen.

Der grosse Ameisenbär wird das östliche Kulturgut nun in seinem Magen intensiv verdauen und lange darüber nachgrübeln, wie er den Schauspielern die genre-üblichen Frisuren verpassen kann. Bestenfalls spuckt er am Ende den besten Science-Fiction-Film seit "Blade Runner" wieder aus, schlechtestenfalls ist er einfach nur satt geworden. Bis er sich dann das nächste Kulturgut einverleibt.


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"The Departed", Martin Scorsese (2006)

Plus: 3, 11, 31, 35, 37, 79, 82, 88, 89
Minus: 54 x 2, 75, 111, 132
Gesamt: 4 Punkte


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