18.07.2006 | 18:29 | Anderswo | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Die zwei mit Abstand beliebtesten Gerichte in Japan sind matschiges Curry und Schachtelnahrung, genannt Bento. Ursprünglich für Reisende entwickelt, erfreut sich dieses Gericht aber so grosser Beliebtheit, dass die Japaner die wie Pralinenschachteln hübsch verpackten und dekorierten Bentoboxen auch mit nach Hause nehmen und dort verzehren. Dabei sieht es besser aus, als es schmeckt, es ist kalt, klebrig, geschmacklos und muffig, nicht unähnlich etwa unseren Hasenbroten. Die bekanntesten Bentos sind die Ekiben, die Zugbentos, die es jetzt aber auch an Flughäfen als Soraben, Luftbentos gibt, das ist dann also das Zeug, das man woanders im Flugzeug bekommt. Das ist doch nun mal echte Bescheidenheit und Respekt vorm Essen, dass man sich endlich nicht mehr übers Flugzeugessen aufregt, sondern es sogar nach Hause mitnimmt. Warum es nicht mal den Japanern nachmachen, und sich abends zur Peter-Alexander-Geburtstagsgala statt einer Pizza mal ein Gefängnis- oder Krankenhausessen kommen lassen?
17.07.2006 | 12:00 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles
 Auf diesem Poster steht dasselbe wie oben, nur andersDie Erdölfelder und Raffinerien von Daqing waren einmal das industrielle Vorzeigeprojekt der Volksrepublik China, weshalb Mao Tse Tung die Parole ausgab: "In der Industrie: Lernt von Daqing!" Das war vor mehr als 40 Jahren. In letzter Zeit war es um Daqing eher still, bis etwa vorvorvorgestern, als die Zeitung China Daily zum ersten Mal von der 46 jährigen Daqinger Bäuerin Cheng Shumei berichtete. Die sei süchtig nach Benzolhexachlorid-Pulver, einem mittelgiftigen Pestizid, das im Westen unter dem Namen Lindan bekannt ist. Die Frau, die zuvor jahrelang Benzin getrunken hatte, verspeist das Pulver täglich mit grossem Appetit, und das bisher offenbar ohne grössere Schäden. Einmal richtig ausschlafen, und die akuten Vergiftungserscheinungen sind weg.
Die Meldung dürfte die Lindan produzierende Industrie (Bayer, der spanische Konzern Inquinosa) freuen, hatte doch die Substanz, die auch am Menschen zur Vernichtung von Kopfläusen und Krätzmilben eingesetzt wird, in den letzten Jahren keine gute Presse. Lindan steht unter dem Verdacht, krebserregend zu sein, weshalb Pressure Groups wie Friends of the Earth ("Dreaming of a Lindane free christmas") auch ein weltweites Verbot fordern. Papperlapapp, könnten nun Bayer & Co. mit Hinweis auf Cheng Shumei argumentieren, sowie eine Kampagne mit dem Slogan schalten: "Beim Lindanverzehr! Lernt von Daqing." Sie könnten diese milbige Idee aber auch noch mal überschlafen.
13.07.2006 | 17:28 | Anderswo | Supertiere | In eigener Sache
 Sascha und Kathrin (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Wie die Sylter Rundschau in ihrer gestrigen Ausgabe meldet, macht die Tiefe kleine Tiere grösser. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine optische Täuschung, sondern es hat vermutlich etwas mit dem Wasserdruck zu tun. "Grosse Meerestiere, die aus flachen Gewässern in die Tiefsee kommen, scheinen sich ihrer neuen Umgebung anzupassen, indem sie ihre Grösse verändern. Grosse Meerestiere verkleinern sich, kleine hingegen vergrössern sich." Aha, danke, Sylter Rundschau! Mit dem Landdruck dagegen hat dagegen eine Regel zu tun, die besagt, dass Tiere auf Inseln ohne Festlandsanbindung nach kurzer Zeit schrumpfen, weil weniger Landmasse von unten gegen sie drückt.
Auf Sylt, wo sich grosse Teile der Riesenmaschine-Redaktion für einen Workshop über die Zukunft des Fernsehens aufhielten, haben Tiere, Stühle, Teller und Betten absolute Normal-Ausmasse. Das liegt am Hindenburg-Damm, der die Insel schon seit Kaiserszeiten mit dem Festland verbindet. Der Workshop handelte unter anderem davon, dass das Fernsehen "alles mit Ähnlichkeit schlägt" (Th. W. Adorno) bzw. einer allgemeineren Aussage der Quantentheorie zufolge immer den Gegenstand seiner Beobachtung durch die Beobachtung selbst bis zur Unkenntlichkeit verändert. In einer Folge der Simpsons werden bei Dreharbeiten für einen Film, in dem Kühe vorkommen sollen, von der Crew Pferde wie Kühe angestrichen. Warum sie nicht gleich eine Kuh nähmen, fragt Bart Simpson. Darauf einer der Filmmenschen: "Kühe sehen im Film nicht aus wie Kühe." Bart lässt nicht locker und will wissen, was man denn dann macht, wenn im Film Pferde dargestellt werden sollen. Unwirsche Antwort: "Dann binden wir einfach ein paar Katzen zusammen." Wie ein Rudel zusammengebundener Jungkatzen, die man in der Nordsee zu ertränken versucht, laufen Sascha Lobo, Kathrin Passig, Aleks Scholz und ich für die Fernsehkameras am Strand von Kampen herum. Zu sehen am Freitag in einem Beitrag des Kulturmagazins aspekte im ZDF.
11.07.2006 | 18:56 | Anderswo | Alles wird besser | Zeichen und Wunder
Wer als Mann beim Durchstreifen der Gelben Berge Chinas auf ein Piktogramm wie dieses stösst, der kann durchaus ins Grübeln kommen: Will man mich hier wirklich vor dem Verlust meines Penis warnen? Und wie soll der konkret vonstatten gehen? Gibt es vagina dentata auf den nächsten zehn Kilometern? Oder ist das bloss ein visueller Ausdruck von Penispanik? Die bricht ja bekanntlich von Zeit zu Zeit im Osten Asiens aus, wobei man sie auf Malaiisch Koro nennt und auf Chinesisch suo yang.
Ist dieser Mann noch besser informiert, wird er nach dem ersten Schreck alsbald ausschliessen, dass seinem Geschlechtsteil echte Gefahren drohen. Ja, befände er sich in Thailand, dann sähe das wohl anders aus. In diesem Land genügt ein falsches Wort, ein Seitensprung oder ein schiefes Lächeln, und schon kann man sein drittes Bein vergessen. So schnitt im November 2004 ein Thailänder zwei Teenagern die Penisse ab und warf sie in einen Kanal, bloss weil sie ihm ein bisschen Geld gestohlen hatten. Ein paar Jahre zuvor entfernte eine Thailänderin ihrem Mann im Schlaf sein Glied, befestigte es an einen Heliumballon und liess es von dannen schweben.
Dagegen gilt China als ziemlich Penis safe, ach was: In punkto Penissicherheit liegt China inzwischen weltweit an der Spitze. Am 20. September 2005 wurde in einem Militärkrankenhaus in Guangzhou die erste, erfolgreiche Penistransplantation durchgeführt; der Penis war danach wieder voll funktionsfähig. Das macht natürlich ein Piktogramm wie das da oben nicht weniger erratisch. Ruft es am Ende zu Penisspenden auf, ans Guangzhouer Hospital? Kann aber auch sein, dass es aus sehr, sehr spätpubertärem Unverstand und Zeilenschindergründen einfach nur falsch verstanden wurde.
11.07.2006 | 15:21 | Anderswo | Supertiere | Vermutungen über die Welt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Individuum oder Kollektiv? Nachdem die Ameisen und die Menschen diese Frage in den letzten Jahren für sich einigermassen beantwortet haben, sind jetzt die Character an der Reihe. Zwei Ausstellungen illustrieren den aktuellen Stand des Diskurses: Zum Einen hat Antony Gormley bei der Biennale in Sydney mit Asian Field den grössten Massenaufmarsch in der Geschichte des Character Design inszeniert – 180.000 faustgrosse und einander recht ähnelnde Wesen füllen ein riesiges Pier und rufen stumm "Friss Staub, Terrakottaarmee". Zum anderen wird in der Galerie Platform 21 in Amsterdam ab übermorgen die Ausstellung Me and My Character eröffnet. Sie zeigt einzigartige Beziehungen zwischen Charactern und ihren Besitzern in Wort, Bild und Film. Eine rührende Angelegenheit, und zusammen mit Gormleys Arbeit ein leiser Vorgeschmack auf die zu erwartenden Debatten auf der im Oktober in Berlin stattfindenden zweiten Pictoplasma Conference.
(via BoingBoing und we make money not art)
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Datteln für den Zimmeresel
- Schleppnetzfahndung
- $time_direction="backwards"
- seltenes Tier erforschen
SO NICHT:
- "Write Only"-Humor
- persönliche Erfahrung (überschätzt)
- rudimentäre Gurke
- Amoklauf des Meeres
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Populärmusik aus Vittula", Reza Bagher (2004)
Plus: 4, 12, 34, 35 Minus: 37 Gesamt: 3 Punkte
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