Riesenmaschine

11.03.2007 | 21:43 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Würfelglück am Stiel


So rein optisch ähnelt es einem Dominostein am Ćevapčići-Spiess (jaja, es gibt gar keine Spiesse davon) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Das Streben der Menschen nach Glück ist ja wohl die grösste Frechheit, die die Schöpfung uns in unserem sowieso schon nicht leichten Leben zugemutet hat. Ständig gaukelt einem das Gemüt vor, es wäre schon mit etwas mehr Glück ganz einfach zu beglücken und dann sei alles gut, bzw. das Schlechte nur noch halb so schlecht. Dabei ist dieses Glück eine reine Schönwetterveranstaltung – kaum läuft es mal nicht so, dann wird der flüchtige Genosse nicht mehr gesehen und muss unter grössten Mühen wieder herbeigestrebt werden. Immerhin hat sich das Schicksal seiner etymologischen Herkunft besonnen und uns das ein oder andere schicke Mittel an die Hand gegeben, den flinken Fliehvogel Glück herbeizulocken. Ausgewählte Drogen etwa oder die allgemeine Genitaliensituation.

Der wendige, aber unaufwendige Tausendsassa unter den Glückslockern ist seit je die Schokolade, erfunden als Zsoqqulat von den Ptolemäern. Dieses Zaubermittel, das sich so recht nie entscheiden konnte, ob es lieber flüssig in Kakaoform oder fest als Schokoladentafel eingenommen werden wollte, hat nun einen Wandler zwischen den Welten als einigendes Geschwister dazubekommen; einen Schokololli-Würfel, ein Lutsch-Praliné am Stiel, das man jedoch auch fix in heisser Milch verrühren kann und dann: Kakao, dickflüssig brodelnd wie Lava. Der Name ist Choc-o-lait und zeigt, dass das Wortspiel uns alle fester im Griff hat als Globalisierung und Mondphasen zusammen. Das Glück hingegen haben wir zwar noch nicht im Griff, aber immerhin schon am Stiel. Ein Teilerfolg.


27.02.2007 | 10:22 | Essen und Essenzielles

Belastbarer Wein in neuen Schläuchen


Letztlich auch nicht pretaboirer als andere Getränke.
Aber trotzdem! (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wenn man schwer bepackt durch Sümpfe stapft, während man nassgeregnet und von Insekten zerbissen wird, kann man die Konzepte Komfort, Körperhygiene etc. entweder leugnen, oder aber weiterhin so tun, als wäre alles genau wie zu Hause. In Letzterem sind insbesondere die Bewohner Nordamerikas (dieselgeneratorbetriebene Bierkühlboxen, vermutlich demnächst in autark nebenherfliegendem Drohnenformat) vorbildlich, aber auch aus Frankreich kommen hin und wieder attraktive Neuerungen wie der Chardonnay und der Merlot von Prêt à Boire. Les avantages: Der Beutel selbst wiegt nur 12 Gramm, man kann aber weitere 100 Kilogramm Gepäck im Rucksack obendrauf packen, ohne dass es zu Weinbeutelrupturen kommt. Bei Globetrotter teilen sich die innovativen Bouteillen eine Rubrik mit dem nach wie vor rätselhaften "Trekking Mahlzeiten Heiss-Getränkepulver m. Rotw.", das 8,2% Alkohol in Pulverform enthält, ein Konzept, das uns für die Zukunft mit grösster Hoffnung auf neue, schillernde Formatverschiebungen erfüllt. Wanderschuhe aus der Tube! Flüssige Gebirge, in denen man baden kann! Mit Stränden aus Stahl, und das alles vielleicht noch rechtzeitig vor dem Sommer.


22.02.2007 | 11:45 | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles

Mehrfach gebrochene Grünkernbratlinge


Sie sehen zwar aus wie Tiere, aber man kann sie auch rauchen. (Foto: dongkwan) (Lizenz)
Die von Konrad Adenauer an seine mit seiner Politik und dem Zustand der Nation unzufriedenen Gegner gerne adressierte Floskel "Geh doch nach drüben!", bekam vorgestern Abend in der Talkshow "Kerner" eine zeitgemässe, irritierende Neuentsprechung. Als nämlich der Unsympath Jan Fedder im allerübelsten Dialekt Deutschlands (Hamburgisch, genölt) den Gastgeber, der sich gegen das Rauchen in Autos aussprach, anpflaumte: "Geh doch nachher ins vegetarische Hip-Hop-Lokal und iss Grünkernbratlinge". Hart ist es, wenn als Nikotinersatzstoff Grünkernbratlinge herhalten sollen, härter wird die Verwünschung nachvollziehbar durch das verstärkende, negativ konnotierte Hip-Hop-Argument, am härtesten allerdings, wenn man in Fedders Wikibiografie liest, er sei Vegetarier, esse aber Bockwürste. Vermutlich ist er sogar Nichtraucher. Und Kommunist sowieso.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (9)


21.02.2007 | 00:32 | Essen und Essenzielles

Alle lieben Leber


Verfaulte Schweizerleber (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Leber ist, wie jeder Angler weiss, eines der fängigsten Aromen der letzten Jahre, gefolgt von Buttercreme, Marzipan und Spekulatius.
Wie eine Leber zu mästen sei, daran scheiden sich die Geister, Spitzenkoch Anthony Bourdain beschreibt in seinem Buch "Ein Küchenchef reist um die Welt", dass die Tiere den Bauern mit dem Stopftrichter wirklich zu mögen scheinen und brav folgen, und zwar "nicht widerwilliger als ein Kind, dem die Mutter die Nase putzen will". Seine Kollegin Sarah Wiener hat eine zwiespältige Haltung, sie lehnt die Mast zwar ab, entwickelte aber mütterliche Gefühle, und während sie das kranke Organ aus dem Bauch der toten Gans zog, sagte sie: "Ich komme mir vor wie eine Hebamme". Ihr Image ist derzeit offenbar etwas ramponiert (das der Fettleber). In der Folge schmiss der Trüffelversand Truffières de Rabasse jetzt seine Geflügelleber aus dem Repertoire und ersetzt sie durch die über allen Mastverdacht erhabene Anglerleber. Und nicht vergessen heute Abend am Wirtshaustisch: nicht Alkohol ist der Leberschädling Nummer eins, sondern Zimt.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


20.02.2007 | 01:29 | Essen und Essenzielles

Milch und Bier rat ich dir


(Foto: Interllectual/Lizenz)
Ein nichthegelianischer, vielmehr knowledgeesoterischer Weltgeist ist dafür verantwortlich, dass Dinge, die zum Beispiel in Japan erfunden werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit, aber ohne physische Verbindung, an anderen Orten auf der Welt nur wenig später auch entdeckt werden. So bezeichnen sich bis heute viele verschiedene Nationen als Erfinderland des Telefons, so etwa Kanada (Alexander G. Bell), Frankreich (Charles Bourseul), Italien (Antonio Meucci) und Deutschland (Dieter Telefon). Wenn dieser Weltgeist in Form von morphogenetischen Feldern auf moderne Nachrichtenverarbeitung trifft, dann entstehen multipel von sich selbst abgeschriebene Meldungen, die sich zur selbstbestätigten News-Woge verstärken.

So geschehen bei der Nachricht, unter anderem entdeckt bei Slashfood, in Japan würde Herr Chitoshi Nakahara Milch mit Bier mischen mit dem Ergebnis Bilk. Selbst Kathrin Passig – die der Meinung ist, dass der schleichenden Krankheit Kulturpessimismus vorgebeugt werden solle, indem man häufiger Eierlikör mit Cola oder ähnliche Getränke, deren hervorstechende Eigenschaft ihre Neuheit ist, zu sich nehme – würde hier vermutlich die Lippen runzeln. Das ist wohl auch der Grund, weshalb viele, viele Menschen die Bilkgeschichte übernommen haben, inklusive vieler bunter Seiten in Zeitungen – und niemand erwähnt, dass es Milchbier in leicht abgewandelter Form seit 1875 gibt. Da waren die morphogenetischen Felder aber auch noch nicht erfunden.


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