Riesenmaschine

23.02.2006 | 05:58 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Aus Eiern gebaut


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Frühstücken macht man ja schon seit Jahren nicht mehr, zum einen, weil man ohnehin nie rechtzeitig wach ist (bzw. noch nicht im Bett war), zum anderen, weil es eine grauenvoll hoffnungsfrohe und beschauliche Beschäftigung ist. Von diesem Trend sind insbesondere Frühstückswarenhersteller hart betroffen und befinden sich in einem harten Existenzkampf, eine besorgniserregende Entwicklung, die meist totgeschwiegen wird, damit niemand beim Frühstück davon in der Zeitung liest. Marktgigant Kellog's hat sich, aus lauter Verzweiflung, jetzt etwas einfallen lassen, das gar nicht mal so schlecht ist: Wie man bei Strange New Products nachlesen kann, gibt es die wohlschmeckenden Ei-Waffeln "Eggo" jetzt nicht nur mit Blaubeeren und Zimtgeschmack, sondern auch als Lego-Bausteine. Man erhofft sich offenbar, damit im Spielzeugmarkt ein zweites Standbein zu etablieren. Seltsam an der Geschichte ist, dass man die Waffeln offenbar in Kleinstädten wie Atlanta und Pittsburgh schon kaufen kann, es sie aber offiziell noch gar nicht gibt. Werden hier riskante Legowaffelexperimente mit nichtsahnenden Atlanta-Bewohnern angestellt? Halten die Waffeln etwa nicht dem Beschuss aus Lego-Kanonenrohren stand? Bestehen die Waffeln aus gesundheitsgefährdendem Plastikeierteig? Wie auch immer, wir wollen das auch, und zwar konsequent weitergeführt und im grossen Stil. Denn wenn Häuser wirklich schmackhaft wären, müsste man als Heranwachsender nicht immer diesen widerlichen Bauschaum essen.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


20.02.2006 | 18:06 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

"Du musst es nicht wieder machen."


Quorn
mehr als nur eine Stadt in Australien (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Um dies gleich klar zu stellen: Es schmeckt hervorragend. Es ist nicht so fad wie Tofu und auch nicht so glibberig und bleich. Es weist eine leicht fasrige Struktur, fleischähnliche Farbe und einen Geschmack zwischen Pilz und Geflügel auf. Da es hauptsächlich aus Pilzprotein besteht, ist es ein guter Lieferant für Eiweiss und Ballaststoffe. Es ist vielseitig form- und ebenso anwendbar, nimmt gut den Geschmack von Gewürzen und Saucen an und ist auch nicht teurer als Hühnchen. Und es heisst Quorn. Kurz: Ein Wundernahrungsmittel.

Während Quorn in einigen fortschrittlichen Ländern (England, Schweiz, Holland) bereits im letzten Jahrtausend eingeführt wurde und sich auch ganz ordentlich verkauft, hat es das sympathische, industriell hergestellte Nahrungsmittel aus fermentiertem Schimmelpilzmyzel in den meisten anderen europäischen Ländern nie über die Tests von Marktforschern hinaus geschafft.

Was lief da schief? Waren es die allergischen Reaktionen einiger ewig Überempfindlichen? War es die Neigung von Quorn, die Packung über Nacht ein ganz klein wenig aufzublähen? War es die vorschnelle Ablehnung von industriell gefertigten Nahrungsmitteln im eher naturfixierten Vegetariermilieu oder doch nur ein allgemeines Unbehagen gegenüber jeglichem 'Fleischersatz'? (Kommentar einer deutschen Testerin: "Mein Mann hat gesagt, ich muss es nicht wieder machen.")

Ein hervorragender Marketingschachzug soll dem nun Abhilfe schaffen. Es wurde nämlich die sehr nach Urban Legend tönende Geschichte in Umlauf gesetzt, der Quorn zugrunde liegende Schimmelpilz sei in den 60er Jahren "zufällig auf dem Boden eines Bauernhofs in Grossbritannien" entdeckt worden. Da kann ja wohl kaum mehr etwas schiefgehen, die Markteinführung in Deutschland ist sicherlich nur noch eine Frage der Zeit. Denn mit einer solchen Geschichte könnte man ja wohl auch Soylent Green an buddhistische Mönche verkaufen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Heute: Pilztag in der Riesenmaschine!


20.02.2006 | 13:02 | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles

Pilzpolemik

Pilze sind auch nur Menschen und teilen sich als solche in Gewinner und Verlierer. Es kommt immer darauf an, wie man sich verkauft. Besonders deutlich erkennt man das an zwei Musterbeispielen, Shiitake und Mu Err. Beide haben ursprünglich fast identische Ausgangsbedingungen, sie sind asiatischküchige Pilze, die unter Kennern für ihr pilziges Aroma bei zurückhaltendem Eigengeschmack gelobt werden. Beide wachsen an Bäumen. Der Shiitakepilz aber ist ein cooler Selbstdarsteller, der schnell die Regeln des europäischen Marketing durchschaute und seinen Namen klug gewählt hat. Denn ein japanischer Klang im Namen garantiert fast automatisch die Zuordnung zum Premiumsegment eines Konsumguts, Sushi, Muji und Issey Miyake haben es vorgemacht. Der Mu Err Pilz dagegen verschaffte sich offenbar ohne Kenntnis der speziellen Geschichte Deutschlands hier zunächst unter dem äusserst ungeschickten Namen "Judasohr" Marktgehör. Als über diese Namenswahl Gras gewachsen war, entschied man sich bei Mu Errs, den chinesischen Namen Mu Err (dt. Holzohr) auch auf dem mitteleuropäischen Markt beizubehalten. Ein fataler Fehler, denn inzwischen war der unfassbar widerwärtig schmeckende Schlankheitstee Pu Err in den begrenzten Markt der mit "-u Err" endenden Produkte eingedrungen und beherrschte diesen. Negativer Image- und damit Geschmackstransfer blieb nicht aus.

Auch die Gestaltung des eigentlichen Pilzes gelang Shiitake hervorragend. Viel pilzhafter als ein schöner, einzelner Shiitake kann pilz nicht aussehen, die zugkräftige Nahrungsmittelexotik sei im Namen ausreichend transportiert, fand man im Hause Shiitake zu Recht. Wie sehr stösst einem dagegen die ausgesprochene Durchfallhaftigkeit des Mu Err Pilzes auf, nein, appetitanregendes Fooddesign ist im Hause Mu Err ein Fremdwort.

Und so verwundert es kaum, dass der Markt klar aufgeteilt ist. Shiitake, der sich geschickterweise in Asien als "Heilpilz" verehren lässt, ist im günstigen Fall für 9,00 Euro je 100 Gramm zu haben, Mu Err nimmt 9,50 Euro – für 500 Gramm. Und das, obwohl Mu Err letztlich eine wesentlich breitere Marktdurchdringung und damit Nachfrage vorweisen kann. Denn der undefinierbare Glibber, der in wirklich jedem chinesischem Billiggericht ist – genau das ist Freund Mu Err.

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20.02.2006 | 01:32 | Alles wird besser | Was fehlt | Essen und Essenzielles

Heute: Pilztag in der Riesenmaschine!


Foto: cfwee / Lizenz

Der Biologe weiss: Neben den recht bekannten Tieren und Pflanzen gliedert sich die Welt des Lebenden auch noch in die Reiche der Pilze und Protisten. Doch während wir Nicht-Biologen durchaus Begeisterung für Tiere ("Oh, wie schön flauschig!") und Pflanzen ("Oh, wie schön grün!") aufbringen, werden die Pilze – selbst die flauschigen und grünen – zumeist sträflicherweise vernachlässigt. Bloss warum? Nur weil sie keine Augen haben, keinen Sauerstoff produzieren und zum grössten Teil unter der Erde leben?

Auch die Riesenmaschine gab in dieser Frage bisher ein klägliches Bild ab: Für Tiere führen wir sogar eine eigene Kategorie, die Pilzartikel lassen sich hingegen an einer Hand abzählen: Ein bisschen was zu Biowaffen, ein bisschen was über den Missbrauch körpereigener Hefepilze, ein psychedelischer Spielplatz und der Pilz des Jahres 2006 – das ist zu wenig. Pilze sind immerhin die grössten Lebewesen der Welt. Ohne sie gäbe es weniger Käse, viel weniger Alkohol und überhaupt gar keine Hefeklösse auf der Welt. Ausserdem sind sie mitunter wunderschön, wie die Bilder oben (aus dieser Galerie) zeigen. Deshalb ist heute Pilztag in der Riesenmaschine. Das ist das Mindeste, was wir tun können.

Irgendwann bald machen wir dann auch einen Protistentag. Versprochen! Die sind bisher nämlich auch ziemlich unterrepräsentiert (gerade mal eine Erwähnung).


19.02.2006 | 18:01 | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Die Schnellkartoffel


Die Dummen leben von ihrer Arbeit,
die Klugen leben von den Dummen (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Sie werden gewettet haben. Sie werden sich bei einem Single Malt getroffen haben und gesagt haben "Sieh sie dir doch an! Sie sind dumm wie Brot! Sie kaufen alles für jeden Preis, wenn man es nur richtig verkauft!" Und obwohl keiner dagegen gewettet haben wird, haben sie es trotzdem nachprüfen wollen. Lange werden sie nicht nachgedacht haben, sondern gleich die zweitdämlichste Idee verwirklicht haben. "Wir verkaufen einzelne Kartoffeln für den fünffachen Kilopreis, indem wir sie einzeln in Folie einwickeln!" – "Und der Mehrwert?" wird einer gefragt haben, eher symbolisch, um den anderen sein teures St.-Gallen-Studium in Erinnerung zu rufen. "Scheiss auf den Mehrwert, den soll die Agentur erfinden."

"Pommfix, die leckere Mikrowellen-Kartoffel – einfach und schnell! Einfach in der Folie garen! Bei 600 Watt in der Mikrowelle fertig in: 1 Pommfix = 7-8 Min. 2 Pommfix = 10-11 Min." (0,99 Euro, gesehen bei MiniMal Berlin Ostbahnhof)


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