Riesenmaschine

11.01.2006 | 20:51 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Die klebrige Marmelade der Existenz


Eine ganz andere Marmelade
(Foto: bip / Lizenz)
"Neu und nur im Winter: Der Ofenschlüpfer. Ein winterlicher Fruchtaufstrich – wie Tango im Glas!" Man ahnt nichts Gutes, wenn man so auf den Seiten der Leiendecker Marmeladenmanufaktur begrüsst wird. Weitere Produktnamen wie "Hattu Möhrchen" und "Erdbeere Erotika" bestätigen schlimmste Vermutungen und zwingen fürs neue Jahr zu eisenharten Massnahmen: Stullenboykott (oder Nutella), Sartre lesen (oder selber ekeln). So oder so gelten auch 2006 die weisen Worte des Philosophen: "Ich hasste diese widerliche Marmelade".


11.01.2006 | 04:51 | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles

Kaninchen sind auch nur Menschen


LSD im Kopf: Was mag als nächstes passieren? (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Was war die wichtigste Entdeckung des zwanzigsten Jahrhunderts? Die Erkenntnis, dass man auch ohne elektrische Brotschneidemaschinen ganz gut leben kann, speziell wenn man ohnehin nur auf Matratzen herumhalluziniert? Der grossangelegte Versuch, Atome und Universen in entweder wellen-, teilchen- oder kabelbinderähnliche Details zu zerlegen, wobei doch in Wahrheit alles ein wunderschönes Eins ist und uns glühend und pulsierend durchströmt? Oder die endgültige Feststellung, dass es sich bei Kaninchen doch um Nagetiere handelt, und nicht um eine Art Hasen, wie oft falsch behauptet wurde? Was es auch war, es hat mit dem einflussreichsten Naturereignis des zwanzigsten Jahrhunderts zu tun: Im April 1943 nahm der Basler Chemiker Albert Hofmann erstmals und zunächst zufällig das von ihm fünf Jahre vorher synthetisierte LSD ein.

Hofmanns wissenschaftlicher, streng objektiver Bericht über dieses Ereignis liest sich ungefähr so: "... rapidly changing imagery of a striking reality and depth, alternating with a vivid kaleidoscopic play of colors... objects appeared distorted like images in curved mirrors... I felt as if I were out of my body... my 'ego' was suspended somewhere in space and I saw my body lying dead on the sofa..." Hofmann konnte nicht ahnen, dass es nicht nur um sein eigenes Ego ging, sondern bald schon um alle, alle Köpfe, Tiere, Töne, Tiefen, Wörter, man könnte soviele Wörter, aber halten wir uns mal an die Fakten. Ein CIA-Offizier, etwa 1951: "We had thought at first that this was the secret that was going to unlock the universe." Captain Hubbard, 1951: "I saw my mother and father having intercourse. It was all clear." Timothy Leary, auch irgendwann: "LSD is more important than Harvard... God does exist and is to me this energy process, the language of God is the DNA code."

Oft wird danach gefragt, warum die westliche Welt auf wundersame Weise dem Gewalttod entkommen ist, damals als dieser kleine Mann mit dem unästhetischen Bart noch frei herumlief. Oft ist man irritiert, weil immer davon berichtet wird, dass die Welt noch existiert, und zwar genauso langweilig wie vor 50 Jahren. Oft sieht man abstrakte Dinge aus der Sonne herausragen, weiss aber nicht, was das soll. Oft werden die völlig falschen Substanzen verboten. Und oft auch erhält man völlig unzureichende Erklärungen für all diese Themengebiete.

Dr. mult. Albert Hofmann, der wahrscheinlich unsterblich ist, wird heute 100 Jahre alt.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


10.01.2006 | 11:55 | Fakten und Figuren | Essen und Essenzielles

Gewürze, das Salz in der Suppe


Dass es überhaupt Curryfrüchte gibt! (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Der Chinesische Eidechsenschwanz, Römischer Quendel, Gagel, Gerbersumach, Kirchenseppl, Keuschlamm – all das sind mittelhochdeutsche Beschimpfungen aus dem 12. Jahrhundert Gewürze, die nicht durch lustige Namen auffallen, sondern zumindest im deutschen Kochalltag nicht gerade durch aggressive Überpräsenz glänzen. Weniger noch, der moderne, urbane Haushalt verfügt über geschätzte vier Gewürze, nämlich Salz, Pfeffer, Maggi und eine Würzmischung (Steak, Curry oder Provence), in bestimmten Lebensstadien (enttäuschtes Singletum, frisch zusammengezogene Pärchen) kommt frisches Basilikum dazu, um den tristen Alltag in scheinmediterranem Tomatenmozzarellaolivenöl zu ertränken. Dabei sind Gewürze so viel mehr als nur Namensgeber für Wunderbäume! Was, wie, warum, woher und wo Gewürze sind, wie sie heissen, wie sie auf laotisch, estnisch, hmong, ungarisch und anderen Sprachen heissen, was man mit ihnen machen kann und ihre Geschichte erfährt man auf der unbedingt empfehlenswerten Gewürz-Seite von Herrn Gernot Katzer von der Universität Graz.
Auch für Nichtgourmets hält Herr Katzer Wissenswertes bereit, mein Berliner lokalpatriotischer Currywurststolz etwa fiel weinend in sich zusammen, als ich erfuhr, vermutlich noch nie Curry gegessen zu haben, sondern nur die als Ersatzdroge von englischen Offizieren geschmacksimitierte Gewürzmischung, weil echte Curryblätter ihren Geschmack verlieren, wenn sie getrocknet werden. Adieu grossartige Currywurst, hallo armselige Würzmethadonwurst.


25.12.2005 | 00:45 | Supertiere | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Schlafen auch ohne Nacht


Durchbruch in der Schlafforschung (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Ganz aktuell: Norwegische Rentiere haben herausgefunden, dass man auch tagsüber schlafen kann. Endlich wird somit ein uraltes Vorurteil widerlegt, das uns allen von Autoritäten wie Mutter oder Sonne jahrzehntelang eingeprügelt wurde: Kind, geh vor Mitternacht ins Bett, schlafe regelmässig, denn jeder Tag hat vierundzwanzig Stunden. Völliger Blödsinn, sagen die Rentiere mit donnernden Hufen und lodernden Nüstern, durch ihren arktischen Lebensraum an bizarre Tag/Nacht-Verhältnisse gewöhnt. Sie schlafen und grasen abwechselnd, sobald das eine langweilig wird, tun sie das andere, und nehmen dabei absolut gar keine Rücksicht auf den Stand der Sonne. Manchmal stehen sie nach drei Stunden wieder auf, manchmal nach zwanzig, und wenn sie irgendwann genug haben, bleiben sie für immer liegen. Damit ist es also endgültig klar: Die Sonne ist weder Mittelpunkt des Universums noch Dreh- und Angelpunkt des Tagesablaufs, sondern einfach nur ein hirnloser Leuchtstoffball. Sie hat dem Rentier in uns gar nichts zu sagen! Schluss mit dem ewigen Sonnenfaschismus! Protestschlafen (auch) tagsüber! Hier endet dieser Beitrag, denn Grasen kommt mir gerade viel spannender vor.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Schlaflos, fast überall

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


23.12.2005 | 01:26 | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Single Cola, Single Cask

Seit Jahren fragten wir uns ratlos: Was kommt nach der Sinnlosen Ölverfeinerungs-Welle, der Sinnlosen Essigverfeinerungs-Welle und zuletzt der Sinnlosen Salzverfeinerungs-Welle? Was kann jetzt noch kommen? Sinnlose Seifenverfeinerung? Gibt es schon. Mehl? Sand? Na gut, Sand ist ein aussichtsreicher Kandidat; im Moment deuten aber gewisse Indizien darauf hin, dass wir uns der Ära der Sinnlosen Limonadenverfeinerung nähern. Mag sein, dass Spezi immer schon "kaltgepresstes Mandarinenöl", "feinen Orangenblütenextrakt" und "viele kleine Geschmacksgeheimnisse" enthalten hat anstelle schnöden Limonadengrundstoffs. Dass man die Mittelpremiumlimonaden Bionade und Club Mate mittlerweile zumindest in Berlin auch an der Pommesbude kaufen kann und sich in manchen Bars bei der Cola-Bestellung zwischen Standard, Afri und Fritz entscheiden muss, bedeutet vielleicht auch noch gar nichts. Und dass Apollinaris/Schweppes seit 2003 Deutschland mit Orangina, Orangina Rouge und immerhin fünf der über 30 Snapple-Luxus-Eistee-Sorten beliefert, muss nicht heissen, dass schon nächstes Jahr im ganzen Land holzgetäfelte Brauseboutiquen eröffnet werden, in denen man 18-Euro-Limonaden verkosten kann. Schon möglich, dass Jahrgangslimonaden, Abfüllregionskennerschaft, subtil abgestufte Kohlensäuregehalte, nach Herkunftsland getrennte Regale und mundgeblasene Geschenkflakons noch bis 2007 auf sich warten lassen werden. Die Diskussionen, ob Limonadenmixgetränke in der Flasche gemeinsam reifen müssen oder besser erst beim Endverbraucher sorgfältig zusammengegossen werden (niemals auf Eis!) üben wir aber lieber schon mal, nur für alle Fälle.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Neue Wirrnis


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