22.08.2005 | 17:02 | Alles wird besser | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Zwar war dieser Sommer grillwettertechnisch gesehen ein glatter Reinfall. Vom Grillgut her war er aber eine reine Freude, war es doch zum ersten Mal möglich, die Wurst "Torfstecher" der Firma Meica, die sich sonst durch eher durchschnittliche Wurstwaren bemerkbar machte, auf einen von Holzkohle gespeisten Grill zu packen. Torfstecher Würste sehen ziemlich hässlich aus, das muss man zugeben. Da kann selbst die ausgefallenste Salatvariation nichts mehr reissen. Die von der Oberflächenstruktur an Spanplatten gemahnenden, angenehm schwer in der Hand liegenden Hackquader entfalten tatsächlich erst im Mund, aber dann hach, eine derart betörende Wirkung, die alles, was vorher den Sehsinn beleidigt hat, vergessen macht. Und dabei sei es egal, ob da Chemie oder Glutamat der Auslöser ist, denn unsere Sommer sind ja seit letztem Jahr so kurz, dass es selbst bei täglichem Torfstecher-Grillen unmöglich ist, sich damit zu vergiften. Die wurstuntypische Form bietet demjenigen, der am Grill stehen muss, einen entscheidenden Vorteil, denn erstmals ist es möglich, eine Wurst von allen vier Seiten zu braten, was für Lob und Anerkennung bei den Esserinnen und Essern sorgt (Wobei findige Leser jetzt sicherlich diskutieren, ob die Urwurst, wie wir sie kennen, überhaupt vier Seiten hat. Ja. Hat sie: neben oben und unten gibt es nämlich auch noch Kurve lang und Kurve kurz.) Es gilt, den kleinen leckeren Freund länger auf dem Grill zu lassen, als man denkt, denn erst, wenn sein Äusseres dem von leicht verbranntem Laugengebäck ähnelt, ist er reif, auch noch die kritischste Geschmackspapille und den zögerlichsten Knosp zu überzeugen. Auch peripher bietet die mutige Innovation im Wurstmarkt nur Fun, Fun, Fun: sie kann nicht vom Teller rollen, und es ist immer für einen Lacher gut – gerade bei Leuten, die man nicht so gut kennt und bei denen man sich selbst zum Grillen eingeladen hat –, ihren Namen mit vollem Mund norddeutsch auszusprechen und beim "St" über den spitzen Stein zu stolpern. Wenn es also einen Wurstgott gibt, dann sei der Torfstecher sein Sohn.
20.08.2005 | 17:56 | Anderswo | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Seltsame Trends entwickeln sich meist unter seltsamen Bedingungen, zum Beispiel bei Güterverknappung, etwa nach Kriegen oder in Kanada. Dort nämlich ist ein Grundbedarfsprodukt wie Bier nur unter großen Mühen zu erwerben, was dazu führt, dass ausschließlich intelligente, gutaussehende und wohlhabende Bevölkerungsschichten Bier zu sich nehmen. Die unmittelbare Folge: Man trifft sich in teuren Bierlokalen oder auf Bierproben, schlürft Austern, nippt an ein, zwei Achteln Bier und betreibt angeregte Konversation über die Qualität der letzten belgischen Jahrgänge oder die besten Hopfenlagen in Quebec. Bei ähnlichgelagerten Veranstaltungen in Deutschland wird in der Regel trotz allem konsequent und ausdauernd auf das eigentliche Ziel, nämlich das Betrinken, hingearbeitet. In Kanada hingegen verlässt man das Lokal leicht beschwingt gegen elf, um zu Hause im Jacuzzi – vielleicht bei einem Schluck dieses exzellenten böhmischen Hochlagenpilsners mit dem einmaligen Bouquet – nochmal wichtige Erkenntnisse des Abends im Katalog des Bierhandels nachzulesen, dessen Filialen, unnötig zu erwähnen, nicht nach Bier-, sondern eher nach Edelsteinverkauf aussehen. Anschließend besäuft man sich dann mit billigem italienischen Dosenrotwein.
20.08.2005 | 16:00 | Was fehlt | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles
Ganz, ganz früher, praktisch in der Steinzeit, war Stieleis ein Kinderlebensmittel, zu dem man als Erwachsener (wahrscheinlich; wir spielten damals noch in der anderen Liga) bestenfalls aus Solidarität greifen konnte. Aber spätestens mit der Markteinführung von "Magnum" 1989 gelang es, auch den erwachsenen Käufern bis dahin ungeahnte Geldmengen für bis dahin ungeahnte Eismengen aus der Tasche zu ziehen.
Gibt es irgendeinen guten Grund dafür, dass sich dieser Trend ausschliesslich auf das Milcheissegment erstreckt? Mit Ausnahme des in den 70er Jahren kurzzeitig erhältlichen CujaMara (damals noch ohne Split) enthält man uns bislang das hochpreisige Luxusfruchteis vor. Zwar gibt es von Valensina mittlerweile die drei Geschmacksrichtungen Apfelsine, Blutorange und Multifrucht mit spektakulären Fruchtanteilen, die sicherlich ausgezeichnet schmecken; wegen ihrer Nicht-Zugehörigkeit zu Langnese oder Schöller sind diese begehrenswerten Sammlerstücke aber nirgendwo einzeln erhältlich.
Habt ein Einsehen, Hersteller. Denkt auch mal an die, die sich halt nicht so für Vanillecremerahmsahne mit ganzen Schokoladentafeln interessieren. Für diesen Sommer ist es zu spät, aber nächstes Jahr vielleicht?
20.08.2005 | 11:08 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Zugegeben, sie ist lila verpackt. Zugegeben, sie hat einen etwas seltsamen Namen. Aber. Sie ist lecker! Die Leckerste überhaupt! 'Noch nie war fruchtig so cremig', sagen Schwartaus begeisterte Texter. Wir sagen dazu heute mal gar nichts, es ist immerhin Sonntag Morgen. Wir machen uns lieber noch ein Brötchen mit dem bereits mehrfach getesteten (und nachgekauften!) 'Fruchtaufstrich' aus 'Waldfrucht'.  (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Und blicken dabei zärtlich auf das Flyerbaby, das oben auf dem Glas angepappt gewesen ist und wahrscheinlich die Vorzüge des Produkts oder andere Geschmacksrichtungen anpreist. Ach, diese Werber, manchmal irgendwie auch süss.
19.08.2005 | 18:46 | Essen und Essenzielles | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Neben dem Big-Mac-Index, mit dem seit 1986 weltweite Preis- und Kaufkraftvergleiche durchgeführt werden, möchten wir hiermit ein weiteres Tool zur Gegenwartsdeutung anhand von Wurstwaren einführen. Von Joseph Kennedy heisst es, er habe Aktientipps von einem Schuhputzer bekommen und daraufhin die betreffenden Aktien mit der Begründung abgestossen: "When the shoeshine boy starts giving you tips, it is time to get out of the market." Analog lautet die neue Regel: Wenn ein Trend auf der Bratwurstpackung angekommen ist, ist er so tot wie das darin verarbeitete Schwein. Wellnessinvestitionen = Strong sell.
Den Wellness-Nachfolger kündigen wir rechtzeitig an; voraussichtlich wird es sich dabei – wenn der seit "Fitness" beobachtete Abwärtstrend anhält – um so was wie Solalaness bzw. einfaches Rumliegen handeln.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Anmut und Erröten
- Tanz auf der Erdkruste
- Max Bill
- hübsch vignettierte Erinnerung
SO NICHT:
- hadern und zaudern
- Drosseln auswringen
- Schlechte Doppelgänger (von Hippies)
- Maxim Biller
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Surveillance", Jennifer Chambers Lynch (2008)
Plus: 3, 5, 12, 33, 42, 80, 89 Minus: 66 Gesamt: 6 Punkte
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