Riesenmaschine

14.01.2008 | 23:58 | Nachtleuchtendes | Alles wird besser | Gekaufte bezahlte Anzeige

Energie sparen mit der Riesenmaschine

Zwar ist das Haus der Frohen Zukunft, in dem grosse Teile der Riesenmaschine-
Inhalte fabriziert werden, seit letztem Jahr auf sauberen Öko-Strom umgestiegen, die Riesenmaschine selbst läuft aber mit schmutzigem Atomstrom aus Kirgisien, für dessen Erzeugung Kinder in unterirdischen Säureminen den Uranmergel mit der Schippe abbauen. Nun wirkt sich das auch nicht negativ auf den CO2-Fussabdruck der Riesenmaschine aus, aber es macht sich halt nicht so gut in der Karmabilanz. Deshalb hat die Riesenmaschine beschlossen, jetzt auch, nachdem es schon alle anderen tun, etwas für den Klimawandel bzw. dagegen zu tun, und zwar gemäss dem ehernen Grundsatz "Technische Lösungen für ökologische Probleme". Als strategischen Partner haben wir uns dafür Günther Faltins Projektwerkstatt ausgesucht, die das Thema in bewährter Manier der Teekampagne (Mittelsmänner ausschalten, Grosspackungen anbieten) angegangen ist. Herausgekommen ist die CO2-Kampagne, ein Angebot wie für unsereins gemacht, weil sie dort ansetzt, wo sich Faulpelz und Schweinehund guten Tag sagen. Man bestellt mit wenigen Mausklicks eine 10er-Packung der Energiesparlampe "Petit Economy" zum unschlagbar günstigen Grosspackungspreis. Wartet einen Tag, bis sie geliefert wird. Tauscht alle Glühbirnen in der Wohnung aus. Kann fortan Tag und Nacht das Licht brennen lassen und spart dabei Strom, Geld und CO2. Über diesen Link oder das nebenstehende Widget geht es noch einfacher, und die Riesenmaschine verdient auch etwas daran, wenn man die "Petit Economy" (Was für ein Supername!) darüber bezieht. Aber darum geht es hier natürlich nicht, sondern um die im Zähler erscheinenden gesparten CO2-Kubikkilometer. Die Zahl tragen wir am Jahresende einfach in unsere Karma-Gewinn-und-Verlustrechnung ein und schicken sie an das Karmakatasteramt mit Hauptsitz Kirgisien. So ist allen geholfen.


05.01.2008 | 00:00 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder | Gekaufte bezahlte Anzeige

Europep, das crazy neue Ding


Kulturkritiker Baron Barock: "Europep ist Modern Talking meets Miami Vice auf Rädern." (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Hey Kids! Kennt ihr das nicht auch? Ihr surft mit euren Stromrechnern im Cybernet herum und dann sind da nur noch megaöde Seiten? Und im Klingelton-Abo gibt's auch nichts mehr, was fetzt? Da fehlt der Pep? Damit ist jetzt Schluss! Denn Europep.net hält täglich neue ultra-angesagte Fotos von den peppigsten Kotflügeln Berlins für euch bereit! Und nicht nur das, auch locker-flockig bedruckte Europep-Shirts kann man dort kaufen. "Das ist ja voll das art project", denkt ihr – und ihr habt recht! Mit den Worten von Moritz Metz, dem Macher von Europep: "Die Pepkultur-Spirale überschreibt sich alle zehn Jahre. Heute dürfen es mal wieder die crazy Nineties sein! Denn abgedroschen ist was anderes." Besser hätten wir's selbst nicht sagen können. Tja, Pepkultur – ein Ding, das keiner voll aussinnt!


07.11.2007 | 04:11 | Gekaufte bezahlte Anzeige

Von Dosen und Menschen

Zum grossen Finale des bereits mehrfach erwähnten Dosentests am vergangenen Montag in Köln waren sie alle da. Und schon am Vormittag war der Triumph vollkommen: Der zuständige Arzt bestätigte, dass die vier Probanden, die sich sechs Wochen lang so umfassend wie möglich aus Dosen ernährt hatten, genau so gesund wie vorher seien. Weil Dosen halt voll die gleichen Vitaminmengen enthalten wie frische Nahrungsmittel und überhaupt: Kommunikationsziel erreicht, alle glücklich!

Danach gab es dann noch etwas zu essen, weswegen in ein Kochstudio mit Blick aufs Schokoladenmuseum gegangen wurde, wo Sternekoch Stefan Marquard mit Hilfe der Probanden aus über 15 verschiedenen Dosenprodukten eine Vorspeise, ein Hauptgericht und ein Dessert zusammenkochte. Bei der Zubereitung enthüllte die Dose dann eine weitere ungeahnte Qualität: Sie ist das demokratischste Lebensmittel von allen. Denn über die Zutaten der einzelnen Gänge konnte gemeinschaftlich abgestimmt werden, in der Frischediktatur hätte man hingegen essen müssen, was vorher gekauft wurde.

Nun darf jedoch mit diesem singulären Sieg der Dose über althergebrachte Essgewohnheiten nicht Schluss sein – nein, vielmehr muss der 5. November als Auftakt für die vollkommene Assimilation der Dose in unser aller Alltag in die Geschichte eingehen. Aus zwei Gründen:

1. kann nur die Dose das von der Riesenmaschine propagierte Prinzip "In Modulen denken, in Modulen handeln" auch nachhaltig in der Küche verankern. Analog zum Prinzip des Containers im Fracht- und Logistikbereich kann das Standardmass einer, sagen wir: 400-ml-Dose endlich die Einrichtung normierter und dadurch passgenauer Einkaufstaschen, Lebensmittelregale und Kühlschränke ermöglichen. Auch Lebensmittelwaagen und Messbecher könnten bei entsprechend portionierten Dosen und dazu passenden Gerichten endgültig aus unserem Leben verbannt werden.

2. ist schon heute ist die Dose die einzige Hoffnung für Menschen, deren Tag sich grösstenteils abseits der in Deutschland gültigen Ladenöffnungszeiten abspielt. Gäbe es keine Dosen, sie müssten verhungern. Doch noch sind auch Dosenhaltbarkeiten endlich, muss man alle paar Jahre doch den Gang in den Supermarkt wagen. Deshalb merke man sich: Nur der Kauf von Dosen unterstützt die Dosenforschung! Das Endziel müssen Haltbarkeiten von mehreren Jahrhunderten sein, damit die Menschheit dereinst, wenn die Erde in die Sonne stürzt, auf dem Weg zu neuen Planeten nicht verhungern oder an Skorbut sterben muss. Das sind wir unseren Kindeskindern schuldig.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Dosen, euch will ich kosen


30.10.2007 | 03:19 | Gekaufte bezahlte Anzeige

Von der Kulturgeschichte der Dose


Ebenfalls unvergessen: Das Kinderbuch Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse von Christine Nöstlinger. Ausserdem natürlich der beliebte Tanz Can-Can und die weltberühmte Comicfigur Tintin. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
1961-1971 war die goldene Ära in der Kulturgeschichte der Dose. In diesem Jahrzehnt kulminierten die drei bedeutendsten popkulturellen Auftritte von Dosenprodukten, deren Wurzeln freilich schon Jahrzehnte zuvor zu suchen sind.

Denn bereits 1898 kreierte die Campbell Soup Company das bis heute fast unveränderte, von den Farben der Cornell University inspirierte Design ihrer Suppendosen – das 1962 den Weltruhm von Andy Warhol begründen sollte. Etwa zur gleichen Zeit wurde Sterno erfunden, ein gelierter Brennspiritus in Dosen, der verdünnt als Alkohol genossen werden konnte. Nach dessen landläufigem Namen wurde dann 1929 der Canned Heat Blues benannt, der wiederum 1964 als Namenspate für die bis heute aktive Bluesrockband Canned Heat fungierte. 1937 schliesslich brachte die Hormel Food Corporation SPAM auf den Markt, mit über sechs Milliarden verkauften Dosen einer der Verkaufsschlager der jüngeren Dosengeschichte (selbstverständlich lobt auch die Fachverbandsseite www.weissblech.de den "handlichen Fleischblock"), das 1970 durch den Auftritt in Folge 25 der zweiten Staffel von Monthy Python's Fl... – aber wem sagen wir das?

Erst dieser gehörige kulturelle Impact bereitete das Feld für die Anerkennung der Dose, wie wir sie jetzt, im aufgeklärten 21. Jahrhundert, erleben dürfen. Und so kann der grosse Dosentest, bei dem vier Freiwillige sechs Wochen lang ihre Ernährung zu einem möglichst grossen Teil aus Dosen bestreiten (wir berichteten), mit Fug und Recht als der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung bezeichnet werden, die 1898 in Camden/New Jersey ihren glorreichen Anfang nahm. Inzwischen befindet sich der Dosentest im Endspurt, und wenn man einen Blick auf die Videotagebücher der Probanden wirft, muss man sich fragen: Mit wem auf der Welt würde man lieber tauschen? Eben.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Im Dosenholozän


14.10.2007 | 21:12 | Essen und Essenzielles | Gekaufte bezahlte Anzeige

Im Dosenholozän


Ich bin dreitausend Dosen
(Foto: g-hat, Lizenz)
Keine Verpackung wird so häufig zu Unrecht heruntergemacht wie die Konservendose: Hört man irgendwo, die Plastiktüte hätte den Vietnam-Krieg ermöglicht oder die Jutetasche den jugoslawischen Bürgerkrieg? Die Schergen des Antidosen-Mems hingegen schreiben in der Wikipedia, dass die Blechdose den ersten Weltkrieg zuliess und ansonsten für Bleivergiftungen sorgte, bis sie 1950 selbst ausstarb. Dabei wurde die Mutter der Dosengerichte, Ravioli in Tomatensauce, erst 1956 auf den Markt gebracht und brachte eine Blüte der modernen Dose.

Nun würde manch infame Lobby oder Interessenvertretung diesen Umstand klammheimlich aus der Wikipedia beseitigen, den Grund für WKI einfach auf den Anschlag auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand oder das schlechte Wetter abwälzen und hoffen, dass es keiner merkt. Nicht aber die Dosenköche! Wie bereits berichtet, suchen sie stattdessen bessere Möglichkeiten, zum Beispiel helfen sie vier Leuten beim ]grossen Dosentest, sich sechs Wochen lang hauptsächlich aus Dosen zu ernähren. Diesen Leuten kann man hier auch über die Schulter gucken, und es geht ihnen wie erwartet gut. Morgen mittag gibt es übrigens Nudelauflauf mit Erbsen und Möhren und davor eine Pfifferlingssuppe, wie wir aus gut unterrichteter Quelle wissen.

Mal abgesehen vom ewigen Ex-Frischgemüsewegschmeissen: Was wäre das für eine Welt ohne Büchsen? Die bizarre Idee, Linsen oder Bohnen am Tag zuvor einzuweichen, mag einen nur amüsieren, wenn man nicht um Viertel nach elf in der Wohnung ankommt, wo einen die Apathie des Mitbewohners, aber kein herzhaftes Nachtmahl begrüsst. Eingedoste Gerichte halten hingegen für einige kleine Äonen und sicher alle Abende, an denen der liebe Mitbewohner und seine drei Nachbewohner gekocht haben. Trauriger noch war die Welt ohne Dosenöffner, besonders nach Erfindung der Konservendose um 1810. Bis 1858, dem Jahr der Patentierung des Dosenöffners, wurden Dosen mit Hammer/Meissel, Steinen oder Bajonetten ihrer Dichtung beraubt. Man wundert sich im Nachhinein, dass sich der Begriff Dosensteinzeit für diese frustrationsreiche Periode nicht durchgesetzt hat.

Was aber auf der Erde (USA) noch Grosses aus Dosen entstehen kann, sieht man beim CANstruction-Wettbewerb: Dort werden jedes Jahr Skulpturen aus Konservendosen prämiert. Die Gewinner dieses Jahres verbauten 12.528 Dosen zur fleischfressenden Pflanze Audrey II; wahrscheinlich war es gar nicht so einfach, sie zu zählen. Bleibt nur noch eine Frage: Wie bitte baut man aus 3000 Dosen ein Möbius-Band?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Dosen, euch will ich kosen


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- Zweiertischchen (zu klein)

- Fliegenbeine (an Wimpern)

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"Dead Snow 2", Tommy Wirkola (2014)

Plus: 8, 10, 12, 37, 41, 69, 80, 96, 117, 137, 142
Minus: 28, 111, 119
Gesamt: 8 Punkte


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