Riesenmaschine

25.07.2007 | 10:21 | Nachtleuchtendes | Papierrascheln

Riding Rockets


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Nach der Lektüre von Riding Rockets wissen wir alles über Klos, Kotztüten und schlechte Scherze mit Klos und Kotztüten im Weltall, was wir je wissen wollten. Da die Riesenmaschine-Leser aber an Höherem interessiert sind, sei hier stattdessen empfehlenderweise darauf hingewiesen, dass man aus "Riding Rockets" auch sehr viel Wissenswertes über Feststoffraketen, Orbitalgeschwindigkeiten, Transoceanic Abort Landing Sites und nicht vorhandene Rettungssysteme erfahren kann. Und wie viel weniger wüsste man ohne dieses Buch über Judith Resniks Haare, Zero-G-Coladosen oder Feminismus in der Raumfahrt! Selten genug geschieht es, dass Interessantes denjenigen widerfährt, die auch in der Lage sind, es zu beschreiben. Mike Mullane hat auf diesem Gebiet Vorbildliches geleistet, aber der ESA sei trotzdem nahegelegt, auch mal Jochen Schmidt ins All zu schicken. Schon weil es Mullanes Buch bisher nicht auf Deutsch gibt, und weil die DDR darin nur auf Seite 253-255 am Rande erwähnt wird.


12.07.2007 | 15:24 | Nachtleuchtendes | Papierrascheln

Schneller bissken, ausserirdischer Schweinhund!


Schon jetzt das wichtigste Buch des Jahrtausends (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Hier sitzen wir herum und machen uns tagein, tagaus Gedanken über neue Erfrischungsgetränke und andere Sekundärerscheinungen der fortschreitenden Weltverbesserung. Gut, dass anderswo Menschen über das wirklich Wichtige im Leben nachdenken, also den Kampf gegen die Ausserirdischen. Dr. Travis Shane Taylor hat Abschlüsse in allen möglichen Fächern, ist Träger eines Schwarzen Gürtels, Pilot, Taucher, Triathlet, Science-Fiction-Autor, Hardrock-Gitarrist und ehemaliger NASA-Mitarbeiter. Dr. Bob Boan hat "a variety of colleges and universities" besucht und an einer "variety of manned and unmanned space programs at different levels of responsibility" mitgewirkt. Zusammen haben die beiden das Buch "An Introduction to Planetary Defense – A Study of Modern Warfare Applied to Extra-Terrestrial Invasion" verfasst, ein Werk voller augenöffnender Behauptungen und Grafiken. Wer hätte gedacht, dass die Bosheit der denkbaren Zivilisationen im All normalverteilt ist! Gegen Aliens, die auf der rechten Seite dieser Kurve ("hostile lifeforms") wohnen, darf kein Mittel der Verteidigung tabu sein. "Women may have to go back to pre-woman's suffrage roles in the society and give up all their gains to enable society. We would have to reproduce and reproduce rapidly. To that end, every female with childbearing capabilities would have to be pregnant as often as possible ... Would we be willing to forego our social standards related to fornication, monogamy, marriage and adultery, age of consent and the age which is commonly considered too old for childbirth in order to preserve our species?" Dr. Taylor und Dr. Boan haben diese und viele andere Fragen gründlich bedacht. Aber was, wenn sich partout kein Sieg herbeischwängern lässt? "When faced with overwhelming defeat and annihilation, subservience to the point of worship may be a good survival strategy".

(Eine Fortsetzung dieses Beitrags folgt und verrät dann, wie die eigentliche Verteidigung aussehen wird. Vorab schon mal: Es hat mit dem Schutzschild der feindlichen Raumschiffe zu tun! Und mit Massenvernichtungswaffen!)


04.07.2007 | 11:58 | Nachtleuchtendes | Supertiere

Erneuerbare Niedlichkeiten

Der Innovationsdruck lastet stark auf den zoologischen Gärten: Nach wenigen Monaten verlieren Tiere ihre kindlichen Züge und irgendwoher muss ein neues Viech kommen, mit dem man die wirklich interessanten, vom Publikum aber verschmähten Spezies querfinanzieren kann. Es ist an der Zeit, die bisher nur im Internet zusammengestückelten Bakterienzoos in die Tat umzusetzen. Dank kurzer Generationszeiten sind die kleinen Racker fortwährend niedlich und süss.


Halobakteriensafari (Foto: ackook) (Lizenz)
Wie in jedem modernen Zoo sollten die Exponate in einem möglichst natürlichen Lebensraum dargestellt werden. Für den von Pelagibacter ubique bedarf es nur eines etwas grösseren Glasbehälters, etwa einen Kreuzer der Ticonderoga-Klasse lang, zwei Hockeyfelder breit und 2000 aufrechte Murmeltiere tief, der mit stark verdünnter Hühnerbrühe zu befüllen wäre. Der Aufwand ist in jeder Hinsicht gerechtfertigt, handelt es sich bei dem hocheffizienten Bakterium um einen der häufigsten Organismen auf unserem Planeten. Zusammen wiegen seine 10e28 Vertreter mehr als alle Fische zusammen, selbst wenn man die Wale hinzurechnet.

Die Zeit dazu wäre reif, denn die grossen Fortschritte bei der Züchtung von Bakterien in kontrollierten Nährmedien machen nicht nur die Zurschaustellung von Pelagibacter nach anfänglichen überraschenden Schwierigkeiten möglich, sondern auch von echten Exoten wie den quadratische Bakterien, die Walbsy einst so schön beschrieb. Diese Halobakterien und ihre Verwandten bereiten einem nicht nur im Mikroskop Freude, auch in grossen Arealen sind sie kreativ und machen mal was anderes mit der Landschaft als das blöde Grün. Die unvermeidbare Streichelwiese lässt sich durch eine Sammlung von bakteriellem Biofilm auffrischen – niemand, der je einen Bakterienflaum berührte, wird sich wieder um die Krabben kümmern, die man beispielsweise im Monterey Bay Aquarium streicheln kann.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Unsere ganz kleine Farm


02.07.2007 | 17:21 | Anderswo | Nachtleuchtendes

Vor dem Knall


Ist unser Kosmos daraus entstanden? Vielleicht werden wir die Antwort nie erfahren. (Foto: emdot) (Lizenz)
Wenn es knallt und kracht, wenn zum Beispiel ein Auto gegen einen Baum fährt, dann fragt der Mensch sich unweigerlich nach der Vorgeschichte, und er wird forschen und nicht Ruhe geben, bis die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen sind. Und auch wenn es an Silvester rummst, geht das einher mit stundenlanger Vergangenheitsbeleuchtung und Jahresrückblicken auf allen Kanälen: das alte Jahr ist kaputt, wie konnte es so weit kommen, und wie wird das neue werden?

Das physikalische Äquivalent einer Kreuzung aus Autounfall und Silvester ist ja bekanntlich der Urknall, und auch dabei fragte man sich schon immer, was eigentlich vorher war: eine Riesenstange Dynamit mit brennender Lunte, eine schon längst nicht mehr tragfähige Beziehung, oder ein grosser umfallender Baum in einem noch viel grösseren Wald. Intuitiv denkt man, dass man durch eine punktförmige Singularität, für die man den Urknall auf den ersten Blick halten muss, nicht durchsehen kann, aber die Quantenmechanik hält mal wieder Überraschungen bereit, und man kann doch, wegen Quantengravitationsschleifen. Hübsch. Allerdings, so rechnet man uns jetzt in Nature Physics vor, sieht man dabei nicht viel, und die Frage, wie genau das Universum vor dem Urknall ausgesehen hat, bleibt, einer vom Autor so genannten "eingebauten kosmischen Vergesslichkeit" wegen, unbeantwortbar. Dieser Kosmos aber auch, was für ein clownsnasiger Schussel.


23.06.2007 | 20:23 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Betrachtungen über den Klecks


Warmes Bauchgefühl schön und gut, aber muss man das denn auch noch unterstützen? (Foto: loneconspirator) (Lizenz)
Es ist billig, der Kernspintomographie an sich, und speziell ihrem klingelnden Gebrauch in der sogenannten Neuroökonomie eine Narrenkappe aufzusetzen. Bunte Flecken im Gehirn, Zentren für dies und jenes, für Geld, Gold und Glück, es ist eine zirkusgleiche Bedeutungshuberindustrie, die da um die selbst löbliche und lustig komplizierte Technologie gewachsen ist (für die es völlig zu Recht letztes Jahr den Nobelpreis gab, für die galoppierenden Interpretationen kann der Kernspin ja nix). Und weil das Billige meist ja auch recht ist, gehts jetzt los. In einer aktuellen Studie zum Dauermodethema Altruismus, publiziert in Science, fanden Forscher heraus, dass das Belohnungszentrum im menschlichen Gehirn aktiv wird, wenn man seine Besitzerinnen zwingt, vom Geld, das man ihnen vorher geschenkt hat, einen Teil für einen guten Zweck weiterzuspenden, und dass es aber noch viel aktiver wird, wenn man sie die Spende freiwillig machen lässt. Ganz begeistert schliesslich sind die Forscher davon, dass die Aktivität dieser Gehirnteile beim Geldempfang ihnen auch grobe Vorhersagen erlaubt, wer wieviel Geld wieder herschenken wird. Das klingt alles ein bisschen wie Zauberei und Gedankenlesen, und man möchte schon ergriffen zur Börse greifen und die Forschung selbstlos weiterfinanzieren. Aber sehen wir nur ruhig ein wenig genauer hin. Was haben wir wirklich erfahren? Wir haben erfahren, dass die, die sich über was Geschenktes mehr freuen, es weniger gern wieder hergeben. Und wir haben erfahren, dass Menschen möglicherweise uneigennützig spenden, weil sie sich dabei gut fühlen. Die Studie spricht vom warm glow, und meint dabei wohl nicht den roten Klecks auf dem Gehirn, sondern das gute Gefühl im Bauch, das man beim Klecksbetrachten bekommt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ansichten aus dem Nonneninnen


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