Riesenmaschine

23.04.2007 | 19:27 | Nachtleuchtendes

Glatte Stellen am Otter


Ersatzbild (Fotograf, Lizenz). Der echte Itokawa ist nicht rechtefrei.
Anderthalb Jahre nach der grossspurigen Ankündigung ist es Zeit, einen zweiten Blick auf unseren Lieblingsasteroiden Itokawa zu werfen. Kurze Rückblende: Der wurstartige Schutthaufen namens Itokawa ist seit Herbst 2005 im Blickwinkel des japanischen High-Tech-Satelliten Hayabusa, der mit LIDAR, ONC-W, STT, FBS und noch anderen exotischen Buchstaben ausgestattet ist. Mittlerweile hat Hayabusa einiges erlebt, z.B. fiel im Herbst 2006 eine Hitzelinie aus, man riskierte das Einfrieren des Treibstoffes. Und dann fingen im Dezember 2006 auch noch die RCS-Thruster an zu backen. Nichtsdestowenigertrotz: Erfolgreich verlief die Landemission MINERVA, bei der Proben des asteroidalen Schutts zusammengekehrt wurden. Im Sommer 2006 widmete das internationale Wurstmagazin Science Itokawa eine Sonderausgabe, deren Inhalt von den Japanern auf vorbildlich anschauliche Art und Weise zusammengefasst wird. Bei Itokawa, mittlerweile wohl so etwas wie der bestfotografierte Asteroid aller Zeiten, handelt es sich, so die Erkenntnis, keinesfalls um eine Wurst, sondern um einen Otter mit Kopf, Hals und Körper. Zudem fand man in der After-Gegend des Otters einen grossen Stein namens Yoshinodai. Ansonsten scheint die Oberfläche von Itokawa vorbildlich gepflastert zu sein, besser jedenfalls als die Erde an gewissen Stellen innerhalb Berlins.

Die eigentliche Sensation aber sind Itokawas glatte Stellen, auch Meere genannt (klar, warum sollen auf einem Otter nicht auch Meere sein). Wie man gerade erfährt, sortiert Itokawa nämlich in seiner Freizeit Steine, alle grossen stapelt er sorgsam auf einer seiner Seiten, so dass andere Seiten, speziell die empfindlichen Halsstellen des Otters, nur mit feinem Staub bedeckt und ansonsten felsfrei sind. Irgendwas bewegt die Oberfläche Itokawas, oder wie Spezialist Daniel Scheeres aus Michigan es formuliert: "Things are happening on the surface. Stuff moves from one point to the other." Aber warum? Sind es Mikrobeben? Felsbomben aus dem All? Oder gar der YORP-Effekt? Der Otter schweigt dazu.

Seit Februar 2007 funktioniert der Ionenantrieb von Hayabusa unter einem neuen "attitude control scheme", und zwar offenbar sehr gut. Weiterhin ist davon auszugehen, dass Hayabusa mit Teilen von Itokawa im Bauch im Juni 2007 Kurs auf die Erde nehmen wird. Geplante Rückkehr: 2010. Stay tuned, Itokawa-Freaks.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Itokawa, die beste Wurst am Himmel


19.04.2007 | 14:37 | Nachtleuchtendes

Romantic Realism


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Fast wie in echt. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Zu den spektakulären Highlights der Art Cologne zählt neben Knut (Zentrale Intelligenz Agentur, 2007) und Hitler als Bettvorleger (Boaz Arad, 2007) eindeutig die Werkgruppe "Caspar David Friedrich" von Hiroyuki Masuyama am Stand von Sfeir-Semler. Dafür hat der japanische Künstler die Originalschauplätze bereist, an denen Friedrichs Romantik-Klopper entstanden sind, und anschliessend Bilder aus hunderten von Aufnahmen minutiös zusammengesetzt, so dass sie wie Landschaftsfotografie wirken. Mittels LEDs werden sie von hinten sachte illuminiert: "It is an approach for a better understanding of the german romantic soul", schreibt die Galerie dazu. Uns dagegen liefern sie ein besseres Verständnis der japanischen Sehnsucht nach gleichzeitig High-Tech und deutscher Innerlichkeit.


16.04.2007 | 03:38 | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

Die neue Dimension


Berlin vom Internet aus gesehen (13bit)
(Credit: NASA/Goddard Space Flight Center)
Als im April 2004 Cisco anfing, mit Internet-Routing per Satellit herumzuspielen, war es relativ klar, dass es kaum drei Jahre dauern konnte, bis das US-Militär die Technik in die Finger bekommt. Und siehe da, kaum drei Jahre später bekommt das US-Miltär die Technik in die Finger. Im Fiskalbericht des Pentagon für 2007 frugal als "New start: Satellite internet resource allocation capabilities" ausgewiesen, handelt es sich bei dem Programm nicht nur um die geschätzt dreiundachtzigste Neudefinition des Akronyms IRIS ("Internet Protocol Router in Space"), sondern ganz eindeutig auch um die glasklare Andeutung einer goldigen Zukunft. Zwar verstehen wir nichts von C-band und Ku-band und ihrer Interkonnektion, aber das macht auch nichts, denn als Resultat wird offenbar durch die Space-Router alles schneller, erst für das US-Militär, und dann, wie immer etwas später, auch für uns folgsame US-Militär-Groupies. Das kann man sich auch anschaulich erklären: Bisher funktioniert das Internet in einer gekrümmten Ebene, nämlich auf der Erdoberfläche. Lädt man das Netz ins All hoch, so bildet es in der Folge eine dreidimensionale Kugelschale rings um den Globus, und wie immer, wenn man eine Dimension zuschaltet, wird dadurch der Verkehr verbessert (andere Beispiele: zweispurige vs. einspurige Strasse, Doppelstockbetten, Mathematikolympiade dritter Preis). Wir wagen hiermit die Voraussage, dass es nur noch zwei Jahre dauern wird, bis es endlich soweit ist mit dem Kugelschalennetz. Was danach einzig noch fehlt, ist das Ausfüllen des unschönen internetlosen Bereichs im Innern der Erde. Um dagegen vorzugehen, müsste man lediglich den Planeten aushöhlen – falls das noch nicht geschehen sein sollte.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


13.04.2007 | 12:00 | Nachtleuchtendes | Vermutungen über die Welt

Kennst du das Land, aus dem das Erbarmen kommt?


Wie hiesse dieses Auto, hiesse es anders? (Foto: Namco)
In dem japanischen Autorennspiel Ridge Racer darf der Spieler mit der Zeit bessere, schnellere Autos fahren. Die PSP-Version startet mit einem ziemlich lahmen Wagen namens "Âge Prophetie", der von einer Frauenstimme vorgestellt wird: "Âge – hergestellt in Frankreich". Fährt man schnell genug, dringt man zum "Kamata Skykid Fiera" vor ("hergestellt in Japan"). Die USA sind mit dem "Danver Bayonet" vertreten, Italien mit dem "Bisonte" von "Assoluto".

Diese Marken klingen auf eine eigentümliche Art vertraut, aber eigentlich auch gar nicht. Der Âge könnte ein Renault sein, der Kamata ein Toyota, der Danver vielleicht ein Dodge. Wenngleich diese japanischen Markengenerika frei erfunden sind, so verweisen sie doch qua Assosziationskontext auf ihre realen Vorbilder – aber ohne dass teure Lizenzgebühren fällig würden.

So grübelten also japanische Spieldesigner über der Frage: Wie hiesse ein BMW, wenn er nicht BMW hiesse? Und sie fanden eine Antwort. Hat man das Spiel nämlich zur Hälfte durch, verkündet die Frauenstimme die neueste Errungenschaft: "Gnade – hergestellt in Deutschland".


11.04.2007 | 00:06 | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

Ausflüge obenrum

Google Earth ist für die meisten von uns inzwischen total langweilig, weil man über die meisten Orte der Erde ohnehin ständig drüberfliegt. Google Moon und Google Mars sind ein okayer Zeitvertreib, aber wie lange noch, fragt man sich mit bangem Blick. Glücklicherweise ist die Verkartographisierung der Welt schneller als die Entwicklung der Flugpreise: Wikisky bietet jetzt die Verwebzweinullung des Sloan Digital Sky Surveys (SDSS), bis heute vielleicht das ehrgeizigste Unternehmen, das gesamte Universum auf die Erde herunterzuladen. Hier ein Flugvorschlag: Man gehe kurz ins Sternbild Löwe, schalte dort auf SDSS um, hole M96, die Spiralgalaxie am linken Bildrand, in den Mittelpunkt und gehe auf Warp, nein, Zoomstufe zehn oder so. Dann erkennt man nicht nur, dass gerade ein Asteroid unerlaubt vor der Galaxie herumirrt, sondern ausserdem schöne blaue Flecken im fernen Nebel, Zonen heisser Strahlkräfte mit grossen Schmerzen für alle Beteiligten. Knapp (naja) rechts daneben M95, eine genauso schöne Spiralgalaxie, die so tut, als hätte sie nichts besseres zu tun, als sich im Kreis zu drehen. Ein paar Tagesscrollreisen weiter nördlich dann gleich drei attraktive Galaxien auf einem Haufen, zwei davon gross und elliptisch, die dritte sorgfältig cyanblau angemalt. Sehr zu empfehlen ist auch eine Reise im Infrarotlicht mit Hilfe der Bilder des Satelliten IRAS, der sich in den 80ern die Mühe machte, den Weltraum im Dunkeln abzulichten. Man sieht endlich, dass die Milchstrasse nachts wie eine relativ gross geratene Bogenlampe aussieht, die nach allen Seiten glühende Klumpen ins Volk wirft (siehe Bild). Ach, Erde, langweiliges Geschöpf.


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