Riesenmaschine

31.12.2006 | 01:36 | Sachen kaufen | Papierrascheln

Postpostale Post


Hurra, nie wieder umständliche Briefpost! (Bildquelle/Lizenz)
Die zur unerlässlichen Terrorbekämpfung notwendige Aufweichung des Briefgeheimnisses hat der Staat meisterlich geleistet, aber leider hat der notorisch finanzschwache Gesetzgeber es dabei versäumt, aus dem Ungemach auch Profit zu schlagen: Wenn Sicherheitsbeamte schon unsere privaten E-Mails lesen können, wieso sollen sie im Bedarfsfalle diese dann nicht gegen Geld auch gleich abschreiben, in ein Briefkuvert packen und an die unvernetzte Oma schicken dürfen? Nun, zu spät, denn jetzt macht sich der freie Markt anheischig, unsere E-Mails zu Briefen, unsere Briefe zu E-Mails, unser Telefonat zum Fax und unsere Postkutsche zum Telegrafen zu wandeln – mit einer einzigen G-Mail-Adresse für alles, hinter der sich vertrauenswürdige Nichtsicherheitsbeamten um unsere Privatsphäre kümmern – jedenfalls solange, wie Gmail von Google noch nicht an einer ernsthaften markenrechtlichen Auseinandersetzung mit dem briefaufdampfenden G-Mail interessiert ist.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


21.12.2006 | 03:08 | Was fehlt | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles | Papierrascheln

...denn es roch so nach Äpfeln und Nüssen


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Der vierte Kondratieffsche Übergang der kapitalistischen Konjunkturentwicklung hält zur bevorstehenden Weihnachtszeit neben Globalisierung und Nanotechnologie gerne auch mal greifbarere Gimmicks bereit. Zum Beispiel in Gestalt eines – beim Lebensmitteldiscounter Plus nach dem grossen Erfolg im Vorjahr bereits zum zweiten Mal nur für kurze Zeit zu erwerbenden – Toilettenpapiers mit Rentiermotiven und Spekulatiusduft. Vorsicht ist trotz Dreilagigkeit für empfindliche Hintern geboten, denn Verbraucherratgeber geben Verbrauchern gemeinhin den Rat, auf parfümiertes Klopapier zu verzichten, um Reizungen vorzubeugen. Spannender und passender hätten wir übrigens eine Variante mit Spekulatiusmotiven und Rentierduft gefunden, selbst wenn, wie der Riesenmaschinen-Korrespondent aus Inari zu berichten weiss, Rentierragout nach nassem Hund riecht und schmeckt. Also vermutlich ganz ähnlich wie das noch aus dem Sommer übriggebliebene Papier mit Grasgeruch. Naja, ist ja auch vom gleichen Hersteller.

Volker Jahr / Michael Brake | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


18.12.2006 | 16:42 | Berlin | Alles wird besser | Zeichen und Wunder | Papierrascheln

Was wollt ihr dann?


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
So schlecht scheint es nicht zu sein, wenn der Zeitungsmarkt in der Krise ist. Erst sorgte die überregionale Presse dafür, dass es jetzt spottbillig Bücher, Videos und jede Menge anderen Kram gibt. Und nun kommt die Jungle World, schon seit längerem auf der verzweifelten Suche nach neuen Abonnenten, mit einer Comicbeilage um die Ecke. Das Ding heisst Mamba und wurde von Bigbeatland-Zeichner Andreas Michalke in Folge eines Türkei-Aufenhalts initiiert – dort und in vielen anderen europäischen Ländern schafft es die nationale Comicszene nämlich, sich am Kiosk zu verkaufen, statt wie in Deutschland ein Nerddasein in Spezialbuchhandlungen und Fanzines zu fristen.

Die Erstausgabe besteht aus vielen kurzen Geschichten, unter anderem von Mawil, Arne Bellstorf, FIL, Jens Harder und Kai Pfeiffer, und falls sich dieses Niveau regelmässig halten lässt, muss man sich bei Jungleworlds um die gewünschten 500 Neu-Abonnenten keine Gedanken machen (interessiert ja keinen, ob sie die bildarmen anderen 32 Seiten ungelesen aussortieren). Erhältlich ist die Mamba auf der als Releaseparty fungierenden Jungle-World-Weihnachtsgala heute Abend im Festsaal Kreuzberg, ansonsten ab Mittwoch am Kiosk. Und wir boykottieren jetzt so lange die taz, bis die sich auch mal so etwas Sinnvolles einfallen lässt, anstelle von Durchhalteparolen und dem üblichen Schabernack.


16.12.2006 | 02:11 | Papierrascheln

Defrosting with Dynamite


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Wenn man das erste Buch der Zeichner-Mini-Gruppe Rattelschneck "Ich hab keine Bremse, ich hab keine Bremse, ich hab keine Bremse, mir egal, mir egal, mir egal" besitzt, findet man dort ein kleines Selbstportrait auf dem Rücken, drei kläglich gemalte dürre Hechte, traurig verloren auf Schemeln kauernd. Nur die wenigsten wissen, dass das eine Hommage an die grösste lebende und lustigste Zeichnerin der Welt ist, Roz Chast, die sich genau so auf ihren Buchrücken zu portraitieren pflegt. Die Frau, die seit fast 30 Jahren für den New Yorker regelmässig armselige kleine Zeichnungen mit verschleppter Pointe liefert, ist jetzt schon ebenso ein Klassiker wie Saul Steinberg und William Steig. Ihr Hauptinteresse gilt der Verschwörung unbelebter Dinge, aber auch der Überforderung am Alltag, so stammelt in drei Bildern eine unperfekte Gastgeberin: "We´re having dirt for dinner / And you're not invited / I forgot your name anyway" und auf dem Cover der von ihr erfundenen Zeitung "Bad Housekeeping" sieht man eine faule Hausfrau ein Buch über Tibet lesen, daneben ein paar Überschriften wie "How To Ignore A 17-Inch Dustball" oder "Defrosting With Dynamite"; in einer anderen Zeichnung gibt sie Rezepte fürs "Radiator Cooking". Eine Flunder braucht demnach zwei Tage, bis sie durch ist. In diesen Tagen ist der Prachtband Theories of Everything von Roz Chast erschienen, fraglos das beste Weihnachtsgeschenk, was man sich selbst machen kann, findet Steve Martin übrigens auch.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link


15.12.2006 | 18:16 | Papierrascheln

Schnittige Ausdrucke


Das moderne Büro (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Mehrere Studien berichten übereinstimmend: Sechs Prozent aller Ausdrucke sind Fehldrucke und werden direkt vom Drucker aus in den Papierkorb geworfen. Die Hauptschuld daran tragen die deutschen Vorstände internationaler, börsennotierter Unternehmen, die von ihren US-Kollegen Powerpoint-Dateien klauen, eindeutschen und als Auftrag zum Drucker schicken. Doch US-Dateien sind im US-Letter-Format und im US-Letter-Schacht deutscher Drucker steckt meist das Unternehmensbriefpapier. Fehldrucke mit brisantem Inhalt gehören in den Aktenvernichter. Mit dem leider nur in der Fantasie des Think-Geek-Teams existierenden Shrinter könnte man sich einen Arbeitsgang sparen und einfach direkt für den Papierkorb drucken. Selten war Rekursion schöner.


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