Riesenmaschine

15.12.2007 | 19:11 | Nachtleuchtendes | Supertiere

Niedlichkeit verpflichtet

Nicht alle Tierschützer haben sich auf plumpe Aufmerksamkeitsstrategien wie alberne Kostüme, Holocaust-Vergleiche und Leicheneinsatz an öffentlichen Plätzen festgelegt. Nehmen wir Dr. Baillie, der sich mit seinem Team vom EDGE-Hauptquartier in London in die Wüste Gobi aufmachte, um dort nach wilden Riesenohr-Springmäusen zu jagen – natürlich nur mit Kamera und Lebendfallen. So gelangten die ersten Bilder des niedlichen Nagers aus der weiten Wüste in die wüste Weite des Internets. Dabei dient Dr. Baillie, wie er auch in seinem Blog erläutert, die allgemeine Zurschaustellung des Knuffigen und Postkarten-geeigneten nur als Vorwand – um nämlich den Schutz der ganzen Region mit vielen weiteren Arten sicherzustellen. Die Ausbeutung des Niedlichen für eine bessere Welt, warum eigentlich nicht? Fordern wir also Tierpatenschaften: Jedes Streifenhörnchen, jeder Igel, jeder Panda, jeder Seeotter sollte sich selbst neun weitere Arten aussuchen, die es nicht auf Cute Overload geschafft haben, und Nachhilfe im Schläfrig- oder Überrascht-Gucken geben.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Erneuerbare Niedlichkeiten


30.11.2007 | 17:29 | Supertiere

Was innendrin ist in den Termiten


Darmdoppelklammer (Foto, Lizenz)
Sehr kleine Tiere, die im Darm von Termiten leben, können Holz zerkleinern. Sie tun nichts anderes, als riesige Holzmoleküle in winzige Kohlenhydrate zu verwandeln. Das können Menschen schonmal nicht; schiebt man einen Baum in uns rein, kommt er hinten wieder raus, es sei denn, wir verschlucken zusätzlich eine Säge. Menschen können halt nur die Bakterien-DNA zersägen und entschlüsseln, einige fühlen sich danach besser. Die Ameisendarmwesen zerlegen Holz natürlich auch nur, wenn die Termiten vorher genug davon essen, aber selbst wenn die Tiere, in denen wir wohnen, vorher Holz essen würden, wir könnten es nicht zerkleinern. Es sei denn, sie ässen zusätzlich eine Säge, dann ginge es wohl. All das stand so oder so ähnlich letzte Woche in Nature, dem Fachblatt für sowas.

Wer ausprobieren möchte, wie man sich so fühlt, wenn man als extrem kleines Tier im Inneren eines viel grösseren Tieres lebt, der wird bald Gelegenheit dazu haben: Schweden baut den grössten Elch der Welt, 50 Meter hoch, innendrin mit allen Mod Cons. Wenn der Elch also zur Ameise wird und der Mensch zur Mikrobe, was entspricht dann dem Ameisenbär?


18.11.2007 | 16:33 | Supertiere | Essen und Essenzielles | Papierrascheln

Fisch- und Pressefutter


Eine aussergewöhlich banale Erklärung für vieles.
Wissenschaftliche Studien, die nicht das Ende von Übergewicht, schlechtem Aussehen morgens und Krebs in den nächsten fünf Jahren ankündigen, finden nur ein Medienecho, wenn die Tiere und ihr Sexualverhalten niedlich sind und man das Ganze doch noch irgendwie auf den Menschen anwenden kann.
Nehmen wir zum Beispiel das folgende: Buntbarsche sind Maulbrüter und Weibchen, die bereits unbefruchtete Eier in ihrem Mund tragen, reagieren auf die Muster der Afterflosse des Männchens, die ihren Eiern ähnlich sieht. Sie versuchen, die beim Transfer vermeintlich übersehenen aufzusammeln, was das Männchen zur Samenabgabe nutzt. Die Befruchtung erfolgt so im Mundraum. Forscher an den Universitäten von Basel und Konstanz fanden nun unlängst heraus, dass sich diese Muster mehrfach in der Evolution der Buntbarsche entwickelt haben und konnten auch ein zugehöriges Gen ausmachen. Nun wird die Studie von den Hochschulen nicht eben wie Fernsehbier angepriesen. Die Aufmerksamkeits-Fach- und Einzelhändler vom New Scientist laubsägten zwar die glitschige Schlagzeile "Oral sex gene helps male fish fake it" aus herumliegendem Jahrmarktattrappen, aber viel Medienecho hat die Studie trotz Erfüllung der eingangs genannten Kriterien nicht erhalten.

Geschickter ist es nämlich, wenn man der Orginalarbeit nicht irgendeinen sperrigen Namen gibt, sondern gleich zur Sache kommt. "An Exceptionally Simple Theory of Everything", zack, mit solchen Titeln muss man auch keine entstellenden Verkürzungen der Medien fürchten, und mit everything hat man Tiere und Menschen gleich mit abgedeckt. Wer für 16,95 Euro Quantenphysik studiert, in dem er Roger Penrose' Road to Reality koquergeblättert hat, kann sogar beim Abstract mit dem Kopf nicken, als hätte er es verstanden. Ein guter Teil der Physiker reagierte zwar mit der üblichen Litanei, dass es zu jedem Problem eine einfache, weil falsche Lösung gibt, aber wenigstens haben sie es gelesen. Die Medien haben Nachricht und den als Surfer-Dude posierenden Autor gleich geschluckt, so kann man es halt auch machen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Sexlos gerädert

Roland Krause | Dauerhafter Link


11.11.2007 | 03:40 | Supertiere | Alles wird besser

Farben Farben Farben


Nur knapp 80 Jahre nach der Erfindung des Farbfernsehens sind jetzt auch Mäusehirne bunt. Laborwissenschaftler, in engen Käfigen gehalten von Harvard, haben es geschafft, vormals graue Proteine in den Farben des Regenbogens zum Leuchten zu bringen und so die graue Hirnmasse in ein buntes Wirrwarr zu verwandeln. Toll! Jetzt hat man abends also schon die Wahl zwischen Farbfernsehen, Waschmaschine (Buntwäsche) und Mausehirn aufschneiden.


05.11.2007 | 02:58 | Supertiere | Alles wird besser

Run, Supermaus, Run

Mäuse werden immer besser. Nicht nur halten sie mittlerweile doppelt so lang wie ihre nicht genmanipulierten Vorgängermodelle, nein, jetzt sind die neuen Versionen auch noch stärker und schneller: PEPCK-Cmus-Mäuse, eine neue Produktlinie, entwickelt an der Case Western Reserve University, rennen vier Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von 20 Meter pro Minute, was insgesamt einer Distanz von knapp fünf Kilometern entspricht. Zum Vergleich: Mäuse, die im herkömmlichen Betriebsprozess durch sogenannte natürliche Auslese hergestellt werden, steigen nach 200 Metern entnervt vom Laufband. Kann natürlich auch einfach heissen, dass moderne Mäuse ein bisschen dämlich sind, ich meine, vier Stunden auf dem Laufband?


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