Riesenmaschine

16.07.2007 | 12:24 | Was fehlt

Big-Brother-Zoo


Falsch: Wenig kundenorientiertes Rumhängen
(Foto: Yuv@L, Lizenz)

Richtig: Interessante Streifen, aufmerksame Haltung
(Foto: piglicker, Lizenz)
War es wirklich gut, das Wohlfahrtsstaatsprinzip auf den Zoo zu übertragen, kann man hinnehmen, dass alle Zootiere unabhängig von ihrer tatsächlichen Leistung entlohnt werden? Dass die langweiligen, immer nur stinkend herumliegenden Raubkatzen und die hospitalistischen Eisbären und Elefanten quersubventioniert werden durch die Arbeit der Erdhörnchen, Seekühe und Nasenbären? Andere, bessere Welten sind durchaus denkbar, zum Beispiel könnte man den Besuchern am Eingang Credits zuteilen, die sie in possierliche Tiere investieren. Futterzuteilungen finden auf der Basis eingenommener Credits statt – in freier Wildbahn haben schliesslich auch nur Tiere Bestand, die entweder süss aussehen oder Essbares produzieren. Langweilige Tiere wählen sich damit entweder selbst aus dem Zoo heraus und in die ewigen Jagdgründe, oder sie lernen rechtzeitig, an gut sichtbarer Stelle interessante Verhaltensweisen an den Tag zu legen. Pinguine wären die neuen Ölmilliardäre unter den Zoobewohnern, die Evolution würde auch mal für sinnvolle Zwecke genutzt, und Zoos wären endlich mehr als nur sinnlose Tierquälerei.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Im Verbenzoo


14.07.2007 | 00:18 | Supertiere | Was fehlt

Im Verbenzoo


Schleichen auf dem Rasen
(Foto: silver_sh, Lizenz)
Der drittbeste aller denkbaren Zoos ist der Verbenzoo. Er enthält Schaben, Krähen, Grillen, Schleichen, Wühlen, Fliegen, Weihen, Spinnen, Mähren, Bremsen, Robben, Zicken, Schrecken, Sauen, Drosseln, Unken, Glucken, Schecken, Renken, Hausen und Brassen sowie, in einem Spezialgehege für Singulartiere, das Füllen. Auf blassen Schautafeln sind Rochen und Schlangen zu sehen, ausgestorbene Tiere der Vergangenheit. Bepflanzt ist der Zoo artgerecht mit Buchen, Eichen, Weiden, Winden, Ranken, Zwiebeln und natürlich jeder Menge Rasen. Ehrengast ist das Pantoffeltierchen. Zwar selbst kein Verb, lässt es sich doch sehr gern konjugieren. Adjektivzoos werden sich attraktive Besucherangebote einfallen lassen müssen, wenn sie mit ihrem einsamen, angestaubten Barsch konkurrenzfähig bleiben wollen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Erneuerbare Niedlichkeiten


13.07.2007 | 12:38 | Anderswo | Alles wird besser | Was fehlt

Gogo-Gadgetto-Polizei


Bild typähnlich, die Berliner Polizei wird vielleicht auf die Ausstattung mit Raketen und Flammenwerfern verzichten.
(Foto: Elsie esq., Lizenz)
Wie die Berliner Zeitung gestern meldete, plant das Innenministerium von Brandenburg, seine Polizei demnächst mit Gyrocoptern, auszustatten, da ein Flug mit dem Gyrocopter wesentlich günstiger sei als mit einem der beiden landeseigenen Hubschraubern. Die Gyrocopter sollen bei der Verkehrsüberwachung, der Verfolgung von Straftätern und bei der Vermisstensuche helfen, bereits am 1. August sollen Tests beginnen.

Das ist toll! Und es ist egal, ob die Dinger unbrauchbar sind, weil man noch nicht weiss, ob das Funknetz zwischen ihnen überhaupt funktioniert, weil man sie nicht mit Fracht beladen kann und deshalb nicht mal eine Wärmekamera zur Kindersuche mitführen darf, oder weil die Beamten, wie gemutmasst wird, sich in ihnen "bei schlechtem Wetter ernsthaft erkälten" oder "sich der Lächerlichkeit preisgeben" könnten. Denn es handelt sich erstens um Helikopterartige, die Nagetiere unter den Flugmaschinen, und zweitens, was noch viel wichtiger ist, um den lange überfälligen Beginn der Gadgetisierung der deutschen Einsatzkräfte. Bald wird die Polizei bei der Bewältigung ihres knallharten Arbeitsalltages nicht nur in der Luft, sondern auch auf dem Wasser und zu Lande auf einem aktuellen Stand sein, von neuester Waffentechnologie einmal ganz abgesehen!


12.07.2007 | 02:02 | Was fehlt

Super Mario – Keeping Your Plumbing in Shape


Schon fast ein Gameboy, aber eben leider nicht ganz: Beckenbodentrainer "Myself" (Quelle) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Es wird so viel erfunden da draussen, Ladegeräte, mit denen man seine Gadgets am Kopfhöreranschluss des Flugzeugsitzplatzes aufladen kann, Fernbedienungskissen, Blitzschlagwarngeräte und Waffeleisen, die tastaturförmige Waffeln backen. Aber das Wesentliche ist für Erfinder unsichtbar, anders sind die Erfindeversäumnisse auf dem Kegeltrainersektor nicht zu erklären. Kegel-Übungen werden von Frauen mit Hilfe ihrer Beckenbodenmuskulatur durchgeführt, eine Art vaginales Bodybuildung zum Spass oder aus anderen Gründen. Wie jeder Sport ist das Kegelüben sehr langweilig, daran ändern auch Geräte wie das abgebildete "Myself" nichts. "Myself" kann den Trainingsfortschritt offenbar irgendwie in Grinsegesichter umsetzen, grundsätzlich ist also der richtige Weg beschritten. Dass aber die logische nächste Stufe, nämlich ein Gameboy-Adapter zur Steuerung von Super Mario per Pubococcygealmuskulatur partout nicht auf dem Markt erscheinen will, ist und bleibt unerklärlich. Vielleicht kann ja ein mitlesender, mitfühlender Gadgetentwickler einspringen? Alle Geschlechter würden es ihm danken.


07.07.2007 | 23:10 | Anderswo | Was fehlt | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Rosenlassi


Schmeckt wie Softporno und frisch gebadet (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Schon seit geraumer Zeit nähert sich die Abteilung Körperpflege im Supermarkt dem Milchregal an bzw. bezieht seine Impulse für neue Geschmacksnoten von dort. Dass diese Fluktuation nicht nur in einer Richtung funktioniert, beweist die Schweizer Supermarktkette Coop mit einer gewagten Neuheit: Rose Lassi bezieht sein Aroma aus zehn Prozent "wässrigem Auszug aus Rosenblüten" und einer nicht näher bezeichneten Menge Rosenöl. Das Faltblatt im Deckel belehrt uns, dass für zehn Gramm dieses kostbaren Duftstoffes einhundert Kilogramm Rosenblätter benötigt werden – dafür erscheint der Preis von 1,95 Franken mehr als angemessen, wobei die Tatsache allein das Getränk noch keineswegs geniessbar macht.

Wer nun aber beim Stichwort Rosenöl unwillkürlich an Pudelschampu denkt oder den Geruch in der Wohnung der trutschigen Grosstante assoziiert, ist eindeutig auf dem Rosenholzweg. Tatsächlich entwickelt das an sich schwülstige Rosenaroma in Verbindung mit dem salzigen Joghurt einen irisierenden Akkord, der eine Tür in völlig neue sensorische Regionen aufstösst: das Feld des Erotischen und der Körpersäfte nämlich. Auch wenn der Vergleich mit Blümchensex an dieser Stelle etwas zu weit führen würde, lässt sich der komplexe Abgang doch wohl am ehesten damit beschreiben, wie es wäre, Kleopatras Badewasser zu trinken, dem die Sonnenkaiserin nach einer langen und anstrengenden Nacht mit wechselnden Liebhabern soeben entspannt und rein wieder entstiegen ist. Wer auf solcherlei Phantasien steht, wird auch auf den Rose Lassi komplett abfahren.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Food & Non-Food Full Circle


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