Riesenmaschine

27.05.2007 | 03:02 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Teufel hilft Beelzebub über die Strasse


Von einem dieser Wörter weiss der Computer schon, wie es richtig geschrieben wird. Vom anderen noch nicht. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Oft hat sich in der Geschichte der Menschheit die Lösung eines Problems hinterher als das viel grössere Problem entpuppt. In seltenen Fällen jedoch gelingt es, den Teufel tatsächlich mit dem Beelzebub auszutreiben: Das Projekt ReCaptcha (via SmartMobs) zwingt auf elegante Weise zwei Probleme – nämlich zu viel Spam und zu wenig digitalisierte Bücher – dazu, sich gegenseitig zu lösen. Weltweit werden täglich um die 60 Millionen Captchas gelöst, was ungefähr 150.000 Arbeitsstunden entspricht. Dank ReCaptcha werden diese 150.000 Stunden jetzt in die Entzifferung unleserlicher Stellen aus digitalisierten Büchern investiert, die Menschheit jubelt und schwenkt Fähnchen. Sicher gibt es auf der Welt noch mehr Problempaare, die sich so harmonisch ineinander verschränken lassen. Vielleicht lässt sich ja aus "Wer soll unsere Renten bezahlen?" und "Wozu eigentlich diese ganzen albernen Kontaktforen im Internet?" was machen.


20.05.2007 | 02:25 | Supertiere | Zeichen und Wunder

Käferkuchenschlacht

Dass Insekten zu den finstersten Hervorbringungen der natürlichen Weltprozesse gehören, ist der Standpunkt dessen, der innerlich selbst hart ist wie ein Chitinpanzer, und fortwährend mit tausend Beinchen und Fühlern nach Dingen sucht, die er besudeln und in den Schmutz ziehen kann, kurz, der selbst ein niederes und verdammenswertes Seelenungeziefer und inneres Insekt vorstellt. Trotzdem aber der fühlende Mensch also seinem krabbelnden Bruder freundlich und interessiert gegenübertreten sollte, wenn er zum Beispiel als Lebensmittelmotte aus dem halb gegessenen Müsli aufsteigt, fällt ihm das nicht immer leicht. Hat man indes gesehen, wie Wespe und Konsorten auch mal mit kleinen Kuchensachen beworfen und beschämt werden, statt dieselben uns aus eigenem Antrieb vom Teller wegzulüpfen, und uns womöglich auch noch zu stechen dabei, fallen einem Grundhöflichkeit und Gleichmut dem Reich der Insekten gegenüber wieder so leicht, wie es die gute Sitte erfordert.

Man muss den Film allerdings abschalten, ehe ganz am Ende die Kleintierschinderei als Werbevehikel für kleine Telefone erkennbar wird. Man übertrüge sonst noch den Krabbeltierekel auf diejenigen, die einem klebrige Werbebotschaften ins Gesicht schleudern wo man nur einen kleinen Rundflug machen wollte, und der schöne Höflichkeitszugewinn welkte wieder dahin.


18.05.2007 | 12:10 | Zeichen und Wunder

Vom Flachmann für Kenner


Aufputzverkabelung im beginnenden 21. Jahrhundert (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
In eine andere Wohnung umziehen heisst das Staunen neu lernen: warum hat der Vorbewohner nur diese unfasslichen Tapeten geklebt? Wie hat er es mit dem zahnsteinfarbenen Teppichboden ausgehalten? Und warum gibt es so wenige Steckdosen, die noch dazu völlig erratisch über den Raum verteilt sind? Für letztgenanntes Problem hat die Firma Flatwire möglicherweise eine Lösung gefunden: Das Flachbandkabel für die Hausinstallation. Kabel dieser Art gibt es im PC und anderen Niedrigstromanwendungen schon länger; bei Flatwire traut man sich auch Spannungen von bis zu 120 Volt, was dem Engländer ja reicht, durch die, ähm, Leiterbahnen zu schicken. Das Wirkprinzip ist denkbar einfach: Man sprüht ein Klebemittel auf den Glattputz, verlegt die flexiblen Bahnen so, wie man gerade fröhlich ist, fixiert sie mit einem weiteren Klebeband und bedeckt das ganze entweder mit Rauhfaser oder einem Farbanstrich. Es lassen sich auf diese Art und Weise alle elektrischen Geräte ohne sichtbare Kabel in der Wohnung anbringen. Etwas besorgt stimmt allerdings die Frage, ob man mit dem Erwerb des Flatwire tatsächlich instantan sämtliche Einrichtungsgeschmacksnerven verliert . Das wäre dann ja doch ein schlechter Tausch.


16.05.2007 | 01:57 | Alles wird schlechter | Zeichen und Wunder

Ein Buchstabe mehr


Andere Länder, blödere Buchstaben (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wie man hört, wird draussen in den weniger zukunftszugewandten Ecken der Welt bereits seit etwa drei Jahren über die Einführung des in der Riesenmaschine abgeschafften ß auch noch als Grossbuchstaben debattiert und debattiert und auch schon Vorschläge gemacht, wie so ein Zusatzbuchstabe aussehen könnte. Natürlich von Grafikern, den Menschen, die nach Polizisten und Zeugen Jehovas wohl am dritthäufigsten gefragt werden, ob sie denn NICHTS BESSERES ZU TUN haben. Dabei läge die Arbeit auf der Strasse, zum Beispiel bräuchten wir einen Buchstaben, mit dem sich das Gegenteil von "mhm" ausdrücken lässt, einen für den einzigen Vokal Sachsens, wir bräuchten den Knorkator-Buchstaben (Text / Video) und einen Buchstaben für das Geräusch, das man macht, wenn einem beim Fahrradfahren eine Mücke in den Hals fliegt. Letzterer hätte, einmal erfunden, sicher auch das Zeug zum Exportschlager in die Schweiz.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein Buchstabe weniger


13.05.2007 | 19:00 | Zeichen und Wunder

Platte der Woche


Töne aus Schafsmägen (Foto: Mosieur J., Lizenz)
Zurück zur Molekülmusik: Deren Geschichte ist nichtmal 30 Jahre lang, aber schon gab es mehr Katastrophen als beispielsweise beim Ukrainian Pornogrind. Wer erinnert sich nicht schmerzhaft an die frühen unerträglichen Kompositionen des Japaners Munataka, zum Beispiel das verstörende Duet of AIDS? (Es ist kein Zufall, dass die zugehörige Nature-Publikation zur selben Zeit erschien wie das stilistisch fast ähnliche "It's a Sin" von den Pet Shop Boys.) Wer hat nicht schon Tränen des Leids vergossen über das elegische Grossgebläse Humane Sex Hormone von Chemo-Sound Legende John Dunn? Oder bei Kerzenschein zu den zum Glück nur wenige Sekunden langen Protein-Larghettos von Linda Long (Anspieltip: "Voice of Metabolism") sanft im Takt gewürgt? Vollkommen im Einklang mit diesen haarsträubenden Entwicklungen folgte dann letzte Woche das allerneueste Debakel der Branche (wir berichteten): Gene2Music stellt eine Methode vor, mit der sich zum Beispiel das Hämoglobin eines Pferdes in akustische Signale verwandeln lässt, die dann doch wieder überraschend drastisch unbefriedigend ausfallen. Wenig verständlich, dass Stars wie Munataka und Long mit dieser Art makromolekularer Inkontinenz gross rauskommen, während ein echter Künstler in der Organikpophölle schmort und ignoriert wird. So wie Herr Walter Bauer aus Erlangen, der mit seinem Kernspintomographen und ein paar Molekülen die Titelmelodie von Dr. Schiwago spielt. Wir sagen: Besser als ein Dudelsack allemal.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Das wohlgemeinte Klavier


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