Riesenmaschine

24.01.2006 | 11:02 | Fakten und Figuren

Martiobarbuli , die älteste Wunderwaffe


Todbringendes Schleudern: Populär damals... (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
An einem Mittwoch vor vielen tausend Jahren standen sich auf einem Hochplateau in der afrikanischen Savanne zwei halbnackte Wilde gegenüber, nennen wir sie Kain und Abel. Beide ausgemergelt, der Schweiss rinnt ihnen vom stark vorgewölbten Stirnknochen, beide einen faustgrossen Stein in der rechten Hand, wurfbereit. Zwischen ihnen ein halbverwestes Gnu, genug Nahrung für die gesamte Rotte, die in der Höhle im Bildhintergrund vor sich hinhungert. Kain hebt den Arm zum Wurf, Abel hingegen hält plötzlich einen Lederriemen in der Hand, legt seinen Stein in die Schlaufe und schleudert. Ein hundsgemeiner Trick.

Für Kain sicher ein Schock, denn richtig geschleudert erreicht das Projektil mehr als 50 m/s und hinterlässt damit ähnliche unschöne Krater im Körper des Zielobjekts wie Pfeil und Bogen, die allerdings erst von Abels Vielfachurenkeln erfunden werden mussten. Die Steinschleuder hingegen taucht auf allen Kontinenten flächendeckend auf und ist jahrtausendelang nicht aus dem Umgangston der Menschen wegzudenken. Goliath fiel ihr zum Opfer, die Schiffe der Trojaner ebenso, Griechen und Römer unterhielten ganze Armeen mit tausenden Schleuderexperten, was dazu führte, dass Briten, Gallier, Elefanten und sogar Germanen in Grund und Boden geschleudert wurden. Wahre Meister des Schleuderns sind offenbar die Bewohner der Balearen, übersetzt die "Werfer", deren Präzisionsschleuderdienste von allen namhaften Herrschern bis vor ganz kurzem (nur 2000 Jahre her) für viele Dollar (oder was auch immer man damals bezahlte) eingekauft wurden.


... wie heute. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Aber, ach, nun ist die Schleuder etwas in Vergessenheit geraten. Abgesehen von den Tschuktschen, die immer noch ihr Vieh mit der Dreifachschleuder, genannt "Bola", zu Fall bringen, verwendet man das altbewährte Grundprinzip nur noch zum Salattrocknen. Dabei wären ästhetisch reizlose Messerstechereien mit einer einzigen Schleuder schnell erledigt, Bullenwannen und israelische Siedler hätten zehnmal so tiefe Dellen, und sogar ins Flugzeug kann man Schleuder und Steine problemlos mitnehmen. Das sollen jetzt keinesfalls Anregungen zu neuen Methoden in der Völkerverständigung sein, es geht ganz sicher auch so wie bisher.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Wunderwaffenwoche in der Riesenmaschine

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


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