Riesenmaschine

21.05.2006 | 02:07 | Essen und Essenzielles

Riesenfroschlaich (all flavors)


Blech hat keine Balken (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Da Bubble Tea in Taiwan seit den 80er Jahren und im Rest Asiens seit den 90ern zum Megatrendgetränk aufgestiegen ist und daher logischerweise in Deutschland ca. 2020 den Chai Latte ablösen wird, haben wir schon mal einen Blick in die Zukunft geworfen und die nebenstehend abgebildeten Getränke im Gesamtwert von umgerechnet 3 Euro verkostet. Es handelt sich dabei um zwei genuine Bubble Teas mit den klassischen Glibberelementen aus Tapioka sowie vier sinnverwandte Getränke, die zur Kalibrierung des Testfelds dienen.

1. Mong Lee Shang Pearl Milk Tea (im Bild oben rechts): Schmeckt wie mit Abwaschwasser verdünnter Chai Latte, gekühlt sicher geniessbar. Tapioka-Anteil klein, farblos, unregelmässig geformt.

2. Mong Lee Shang Pearl Soybean Drink With Tapioca Ball (oben links): Wir haben schon an Holzlinealen gesaugt, die besser schmeckten. Vermutlich aus eingeweichtem Kinderhaar hergestellt. Tapioka-Anteil baugleich mit #1, was schade ist, denn Tapioka gibt es anderswo auch als grossen, schwarzen Froschlaich.

3. Mong Lee Shang Taro Black Glutinous Rice Coconut Milk Drink (unten Mitte): Besticht zunächst durch ein ausgereiftes Klapplöffelchen, das im Deckel versteckt ist. Die Flüssigkomponente ist eine Art akzeptable Kokosschokomilch, enthält aber leider zudem mehrfarbige Feststoffkondensate, die in Konsistenz und Geschmack an Silage erinnern. Beim Ausgiessen bleibt in der Dose ein Bodensatz aus graubraunem Glibber zurück. Wer bitte denkt sich so einen Quatsch aus?

4. Chin Chin Grass Jelly Drink (unten links): Abgestandene Cola mit dem Aroma verbrannter Plastikabfälle. Das "Gras" im Namen ist vermutlich einem Übersetzungsfehler geschuldet. Würfelförmige, geschmacksneutrale Glibberelemente.

5. Mong Lee Shang Grass Jelly Drink (unten rechts): Wie #4, nur noch schlimmer.

6. Wonderfarm White Fungus Bird's Nest (oben Mitte): Transparent mit weisslichen, amöbesken Schwebstoffen, ästhetisch nicht uninteressant. Schmeckt wie in Wasser aufgekochte Zuckerosterhasen mit leichter Moderkomponente.

Vermischt man alle Testprodukte, so entsteht ein graubraunes, sicherlich hochgiftiges Getränk, das seltsamerweise besser schmeckt als die Summe seiner Einzelteile (vgl. Heisenberg "Der Teil und das Ganze", Piper 2001). Insgesamt darf der Einblick in die unerforschliche Asiatenseele aber trotzdem als gescheitert gelten. Wer sich selbst ein Bild machen will: In Berlin kann man Bubble Tea angeblich im Grand Hyatt verkosten.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Virtuelle Knackfolie im Test

Kathrin Passig / Aleks Scholz | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


Kommentar #1 von Ruben:

Passig-Scholz liest sich besser als die äussere Addition der Einzelteile.

21.05.2006 | 02:47

Kommentar #2 von einem Oldenburger:

Chai Latte... hmm, mal das Wörterbuch konsultieren. Ahja, Tee mit Milch! Also auf was die verrückten Berliner immer so kommen! Wird sich hier nicht durchsetzen, auch 2010 nicht. Der letztjährig eröffnete Coffee-Shop ist auch schon wieder fast pleite.
Ich geh mir jetzt nen Tee kochen... mit Milch fragen sie? Nein, wie kulturlos, mit Sahne natürlich!

21.05.2006 | 16:34

Kommentar #3 von { ,, .___}:

Hier mal der Link zum Original, das auch nach 5 Jahren noch immer recht witzig ist.
http://www.noapologiespress.com/presents/asiandrink/index.html

22.05.2006 | 21:53

Kommentar #4 von Google:

Der Leser aus Oldenburg hätte lieber mich konsultieren sollen als sein Wörterbuch von 1912.

22.05.2006 | 21:59

Kommentar #5 von stef:

Was hier fehlt ist die Beschreibung des Erlebnisses der durch ein passendes Trinkröhrchen in den Mund schiessenden Glibberkugeln.

25.05.2006 | 21:24

Kommentar #6 von mm:

Noch nie so früh, so heftig gelacht An dieser Stelle habe ich einen überflüssigen Smiley hingemacht, wofür ich mich dereinst schämen werde.

03.06.2006 | 01:18

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