Riesenmaschine

04.06.2006 | 03:09 | Berlin | Anderswo | Alles wird besser

Es ist nicht alles Berlin, was glänzt


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

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Eine Jugend, die rund um die Uhr Kannibalismus, WM-Vermarktungshorror und Peter Handke-Diskussionen ausgesetzt ist, hat es verständlicherweise sehr schwer, eine angemessene Qualitätsrebellion aufzuführen. Wenn man sich im gewaltfreien Raum bewegt, kann man als junger Mensch kaum mehr öffentlich revoltieren, ohne dass Nike etwas Ähnliches bereits in London, Barcelona und Kapstadt gesponsert hat oder es von Christoph Schlingensief in staatlich geförderten Theatern veranstaltet wurde. Umso erfreulicher, wenn man aus dem sicheren heimischen Sessel heraus etwas halbwegs Neues im Bereich Generationenkonfrontation entdeckt. Die oberen beiden Fotos stammen von einem U-Bahn-Konzert der Band ParanoiaBark, veranstaltet vom beliebten Berliner Veranstalter für drittellegale Parties und Happenings, Rafgier. Mit batteriebetriebenem Verstärker, Stromgitarre und Mikro- oder Megafon treffen sich die Wissenden an irgendeinem Tag um 24.00 Uhr im letzten Wagen einer U-Bahn und feiern ein Konzert mit den szeneüblichen Gebräuchen wie Stagediving und digitaler Dokumentation. Das ist brandneu! Das ist Berlin! Das ist beides falsch. Die vermutlichen Erfinder sind die Soundfreaks aus München (unterstes Foto), die zudem noch vor Berlin in der Nürnberger U-Bahn gespielt haben (2003). Ein Trend aus München kommt über Nürnberg nach Berlin, das gab es seit '33 nicht mehr, vielleicht hat die Jugendrebellion einen Punkt erreicht, an dem man über eine Partei nachdenken sollte.


Kommentar #1 von hansbert:

Wie gut! Die Spacehijacker haben die Idee aufgenommen, etwas abgewandelt und dann retroaktiv benutzt(zweifelhafte Vorgehensweise, vgl. Kathedrale von Chalesm!), um 1999 ihre erste Circle Line Party zu veranstalten. Man sieht, es handelt sich um ein nationenübergreifendes Erfolgskonzept. In der U-Bahn wächst Europa zusammen. Wie gut!

04.06.2006 | 12:03

Kommentar #2 von Sascha Lobo:

Danke für den Hinweis, ja, Europa wächst zusammen, aber um welchen Preis? Es war ja so klar, dass die Engländer gute Münchener Ideen klauen, bevor sie in Bayern überhaupt gehabt wurden, das ist ein wenig wie die Entführung eines ungezeugten Kindes, oh, verhaspele mich eine Spur im Metaphorischen.

04.06.2006 | 12:18

Kommentar #3 von Ruben:

Haha, dass die Aussage, es gäbe Ideen schon, bevor sie jemand habe, reine Metaphorik sei, nichts mehr als ein dichterisches Bild und leeres Gerede, das sagte doch schon Aristoteles in seiner Platonpolemik. So leben die Alten fort.

04.06.2006 | 12:40

Kommentar #4 von Ruben:

(Übung Zwei, die Klugscheisserei)

04.06.2006 | 12:49

Kommentar #5 von till:

Wahrscheinlich gab's das selbe schon in New York, oder irgendeiner anderen Grossstadt, bereits vor 15 Jahren?
Und seit wann glaenzt denn irgendetwas in Berlin?

04.06.2006 | 15:52

Kommentar #6 von Sascha Lobo:

Die erste Frage verstehe ich nicht. Die zweite Frage lässt sich beantworten.

04.06.2006 | 19:14

Kommentar #7 von snlr:

Ja! Vor 15 Jahren in einer ganz anderen Grossstadt – Berlin. Das spontan gebildete 8-köpfige Marzahner Percussionensemble. Gigs passierten in einem beliebigen Waggon zwischen Friedrichsfelde-Ost und Springpfuhl. Instrumente liessen wir gleich weg. So durchmassen wir das Gleisdreieck zwischen Jud Jud (the band that was too straight edge for instruments) und Fluxus. An digitale Dokumentation war nicht zu denken, da wir unser ganzes Begrüssungsgeld längst ausgegeben hatten für Coca Cola und Walkmen.

04.06.2006 | 19:35

Kommentar #8 von irgendwem:

Der Sänger auf dem ersetn Foto sieht aus wie Benstuck, ist er jetzt schon soweit runter, dass er diesen peinlichen Mist auch noch machen muss?

04.06.2006 | 22:54

Kommentar #9 von Retter:

Ist doch voll der polylux-shit

04.06.2006 | 23:27

Kommentar #10 von 2004:

die soundfreaks spielten schon 2004 in der berliner ubahn, eingeladen von rafgier
vielleicht vorher mal ein wenig schlau machen bevor man laestert.

05.06.2006 | 12:30

Kommentar #11 von dfg:

die band auf dem foto heisst Bark nicht paranoia

05.06.2006 | 12:32

Kommentar #12 von Sascha Lobo:

Stimmt, der Name der Band ist Bark und hier ist der U-Bahn-Gig nochmal beschrieben. Leider stand das nicht auf der Website von rafgier. Herr 2004/dfg, schauen Sie aber doch nochmal in ein Lexikon unter "lästern" und dann in den Artikel. Schon mit nur ganz wenig mehr Verständnispotential geht da einiges!

05.06.2006 | 12:47

Kommentar #13 von Yetused:

Ich spiele schon seit 25 Jahren John Cages 4'33" in den Öffentlichen.
Und das obwohl ich noch nicht mal so lange lebe!

05.06.2006 | 21:03

Kommentar #14 von tzz:

ich war ja schon auf einigen ubahn partys dabei, und alle waren sie schlecht! bis auf die von rafgier. und wieso:
andere veranstalter stellen sich einen ghettoblaster hin und denken: hip. oder rennen mir dummen kopfhoerern durch die gegend. da ist nichts wildes.
diese jungs stellen sich ne komplette PA rein, ne liveband, und 150-200 leute. und alle schwitzen und machen stage deving.
sowas habe ich in dieser art und weise noch nie erlebt. nirgendswo. und das muss und sollte man honorieren.
http://youtube.com/watch?v=jWXB25E3woQ

15.10.2006 | 15:00

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