Riesenmaschine

27.07.2006 | 16:10 | Fakten und Figuren | Vermutungen über die Welt

Zeitlich verreisen


Schon 600 Mio. Jahre Nichtstun
Bei allem Respekt für die vielfältigen Prozesse, mit denen das menschliche Gehirn den Zeitablauf manipulieren kann: Wesentlich geschickter stellt sich immer noch die Relativitätstheorie in dieser Angelegenheit an. Mit einem einfachen, vollkommen willkürlichen Handgriff erklärt sie die Geschwindigkeit des Lichts für konstant (man muss froh sein, es hätte auch die Geschwindigkeit des Postboten sein können), woraus sofort folgt, dass man nur in den Spiegel sehen muss, um sich selbst zu sehen, und zwar vor wenigen Nanosekunden. Ausgehend von dieser Tatsache bauen imaginative, wenn auch imaginierte Geister wie der irische Wissenschaftler de Selby komplexe Anlagen, die durch Mehrfachreflexionen und sukzessive Anhäufung von Lichtwegen letztlich Bilder des eigenen Kindergesichts zu erzeugen in der Lage sind. Und obwohl nicht klar ist, ob die Relativitätstheorie so einen Quatsch im Sinn hatte, als sie so früh am Morgen aufstand, beruht ihr Meisterstück, die intergalaktische Zeitreise, doch ganz genau auf demselben Prinzip: Der Stern am anderen Ende der Galaxie ist, wie jeder weiss, in unserem Bild 100.000 Jahre jünger als in echt. Das entspannte Theoriewerk erlaubt somit auch ganz ohne de Selby eine phantastische Reise zurück in eine exotische Zeit, als man noch keine Wasserspartasten auf WCs hatte. Was natürlich gar nichts heisst, denn in 100.000 Jahren macht so ein Durchschnittsstern, die faule Sau, fast genau gar nichts, also etwa so viel wie unser Gesicht in einigen Nanosekunden. Das muss auch mal klargestellt werden.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Thementag: Das Vergehen der Zeit


Kommentar #1 von Nachtlicht:

Allerdings sind die geschilderten Phänomene weniger Konsequenzen der Invarianz der Vakuumlichtgeschwindigkeit, sondern eher ihrer Endlichkeit: Sie sollten sich (vielleicht mit anderen Zahlenwerten) auch bei einer nicht invarianten aber endlichen Lichtgeschwindigkeit ergeben. Diese Endlichkeit wurde um 450 v. Chr. von Empedokles vermutet und im 18. Jahrhundert gemessen.

27.07.2006 | 20:27

Kommentar #2 von Aleks:

Ja, natürlich, aber kann etwas konstant, aber unendlich sein? Darüber vielleicht mal nachdenken, also ich.

27.07.2006 | 21:18

Kommentar #3 von Aleks:

Es ist ja vielmehr so: Indem man misst bzw. feststellt, dass etwas konstant ist, und also einen bestimmten Wert hat, hat man gleichzeitig dessen Endlichkeit bewiesen, denn das Unendliche kann man nicht messen. Daher impliziert die Feststellung der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit auch deren Endlichkeit und alles Gerede da in #1 ist hohle Sophisterei.

27.07.2006 | 22:16

Kommentar #4 von Ruben:

Ja, man kann immer die matschigeren, bereits implizierten Bedingungen zur eigentlichen Ursache hochstilisieren... das ist, als wenn man sagen würde: nicht die Tatsache, dass die Hisbollah Raketen auf Israel abfeuert, sei der Grund für Israels Gegenbombardement, sondern vielmehr exogene chemische Reaktionen in zylinderförmigen Metallkörpern.

27.07.2006 | 22:31

Kommentar #5 von Ruben:

Der Unterschied ist übrigens auch ganz einfach der zwischen causa und conditio sine qua non.

31.07.2006 | 21:07

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