Riesenmaschine

20.11.2006 | 13:01 | Berlin | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Reise ans Ende der Nacht


Die zweitschönsten Worte in jeder Sprache der Welt (gleich nach "Es ist gutartig")
Wer in Berlin bisher nicht rechtzeitig, also bis acht Uhr abends, vorgesorgt hatte, der musste sich des Nachts von Alkohol und Drogen ernähren. War auch nicht schlecht, schlecht aber war, dass man beim Besuch anderer Länder immer so unglücklich wurde angesichts von 24-Stunden-Supermärkten. Nicht so unglücklich wie ein sudanesischer schwuler Atheist im Hollandurlaub, aber für ein, zwei Auswanderungsgedanken reichte es.

Dürre Worte genügen daher kaum, unser Glück darüber zu schildern, dass sich seit Freitag die Abschaffung der Berliner Ladenschlusszeiten in die grossen weltverbessernden Momente der letzten Jahrzehnte einreiht (neben Einführung von Homoehe, Internet, 10-Euro-Friseur, Callabike, Packstation, Kreuzberger Bügel, Internettelefonie, Ökostrom, Rechtsabbiegen bei Rot, Club Mate, LED, Euro, Digitalkamera, Telefon an der Person statt an der Wohnung, Künstlersozialkasse, MP3, DivX, etwas vernünftigere Drogenpolitik und Abschaffung von DDR, Bademützenpflicht und mechanischen Anrufbeantwortern). Ab sofort darf jeder Berliner Einzelhändler so lange öffnen, wie er will (ausser sonntags, das wäre zu einfach). Wer jetzt noch sehr jung ist, wird sich später nicht einmal mehr daran erinnern können, dass es einmal ein Ladenschlussgesetz gab, und falls er in der Schule davon erfährt, wird er die Information mental irgendwo zwischen Hexenverfolgung und 5-1/4-Zoll-Diskette abheften. Es wird eine neue, schönere Welt sein, in der es weder Not noch Hunger gibt. Zumindest in Berlin und nachts.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Durchgehend gelogen


Kommentar #1 von Marcus Saccus Senex:

Nur so als Denkanstoss (yeah!): die dromologische
hhttp://de.wikipedia.org/wiki/Dromologie
Sicht der Dinge hat auch was für sich – und Läden, die seit sechs
hhttp://www.leben-in-suelz.de/bosen.html
oder gar seit dreissig Jahren
hhttp://www.tinguely.ch/exhibition/stilleben_follow.html
dauernd geschlossen sind, beweisen: so gehts doch auch!

21.11.2006 | 11:22

Kommentar #2 von Sonntagsruhe immer wieder überzeugt:

Zu Homoehe, Internet, 10-Euro-Friseur, Callabike, Packstation, Internettelefonie, Ökostrom, Rechtsabbiegen bei Rot, Club Mate, Euro, Digitalkamera, Telefon an der Person statt an der Wohnung, Künstlersozialkasse, MP3, DivX, etwas vernünftigere Drogenpolitik und Abschaffung von DDR und Bademützenpflicht gebe ich Dir vollends Recht. Aber hungern musste in Berlin nun wirklich niemand vor der Ladenschlussgesetzabschaffung, ausser man hatte gar kein Geld, und kein Geld nutzt auch um 23 Uhr nichts. Nicht mal Sonntags.

21.11.2006 | 21:33

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