Riesenmaschine

24.02.2007 | 18:13 | Alles wird besser

Nicht in diesem Aufzug (Fahrstuhlverherrlichung)


Ich habe einen Fahrstuhlabsturz überlebt (Beweisfoto). (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wenn ein zauberhaftes Gerät des öffentlichen Alltagslebens unter- oder gar geringgeschätzt wird, dann ist es der Fahrstuhl, der beste Freund des Menschen, wenn er im Rollstuhl sitzt. Fahrstühle werden zu wenig gepriesen und sind ausserhalb von Milliardenstrafen für die Hersteller viel zu selten im medialen Bewusstsein der Menschen. Einer der wenigen, die das ändern wollten, heisst Thorsten Rauser, der den intelligenten, sprechenden Fahrstuhl als Konzept schuf. Trotz aller Vorteile (Vandalisten in gewalthemmende Gespräche verwickeln, früher belanglose Liftsekunden gerinnen zum Mobile Entertainment etc.) musste er leider erkennen, dass Menschheit und Wirtschaft noch nicht reif sind für den Fahrstuhl als intelligenten Partner; das Projekt liegt auf Eis.

Vielleicht können wir es irgendwann im Online-Fahrstuhlmuseum bewundern, denn der Engländer schätzt den Fahrstuhl. Er hat schon sprachlich mehr Respekt vor dem Aufzug; Elevator, da steckt der Mensch als ewiger Eleve ebenso drin wie das erhebende Erlebnis der Transportation. Der Fahrstuhl ist klar ein quasigöttliches Symbol für die Himmelfahrt, das Paradies, jeder Lift eine Kirche, die noch dem hastigsten Hetzer einige Augenblicke stiller Andacht abzuringen vermag. Und wenn einen selbst die legendäre farbverstellbare Treppenliftsimulation nicht mehr froh stimmt, so bleibt der Lift wenigstens immer noch eine schmerzhaft plumpe Metapher für das Leben an sich: Es geht rauf und runter; wie hoch man kommt, hängt vom Geburtshaus und vom Drücken der richtigen Knöpfe ab; die meisten Menschen, denen man sein Innerstes offenbart, benutzen einen nur, um weiterzukommen; und irgendwann ist Schicht im Schacht.


Kommentar #1 von der Zwergenmaschine:

Die Fehlermeldung des GRUB-Bootloaders deutet daraufhin, dass der Fahrstuhlinsasse, wenn es denn passiert wäre, wenigstens in einem Linux-Fahrstuhl gestorben wäre. Das gibt einem doch ein gutes Gefühl.

25.02.2007 | 00:47

Kommentar #2 von Nic:

Fahrstuhl zum Schafott – darauf läuft es doch letztlich hinaus.

25.02.2007 | 09:45

Kommentar #3 von Holm:

Letzterer Gedanke blieb auch Ulrich Beck nicht verborgen, der den Fahrstuhleffekt erfand. Mehr Infos evtl. auch hier.

25.02.2007 | 12:12

Kommentar #4 von EuRo:

Eigenmächtiges (also ohne vom Benutzer intendiertes) kontrolliertes Herunterfahren taucht zumindest meinen Fahrstuhl in beruhigendes, blaues Licht...
GRUB assoziiert Grube – nichts für mich.

26.02.2007 | 12:08

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