Riesenmaschine

26.07.2007 | 23:17 | Nachtleuchtendes | Zeichen und Wunder

Spiegelnde Flächen

Bisher galten abgerundete Ecken als der untrügliche Marker für Web 2.0. Alles ist einfach und kinderleicht zu bedienen, so die Botschaft, nirgendwo kann man sich die Rübe stossen. Seit neuestem drängt sich ein anderes Designelement als State of the Art im Webdesign in den Vordergrund, das sehr viel schwieriger zu dechiffrieren ist: die spiegelnde Fläche, auf der bei so unterschiedlichen Angeboten wie der DLD-Konferenz und Youporn das Logo ruht, bei Amazon neuerdings sogar die als Karussell animierten persönlichen Buchempfehlungen. Die naheliegendste Erklärung für ein derartiges Kohärenzphänomen lautet: Weil es geht; weil irgendwer damit angefangen hat, und weil es vermutlich längst in irgendwelchen Grafikprogrammen ein Tool dafür gibt, das spiegelglatte Flächen mit ausfadenden Reflektionen zaubert. So etwas gab es schon einmal Ende der 1980er mit den Gitternetzen, die zentralperspektivisch im Horizont verlaufen. Und zwar, weil die ersten Grafikprogramme auf dem Amiga genau das besonders gut abbilden konnten. Bleibt die Frage, wer damit angefangen hat. Vermutlich nicht der Web 2.0 Logo Creatr, auch wenn dessen eigenes Logo und alle, die er ausspuckt, mit formidablen Reflexionen aufwarten. Im Zweifelsfall wohl eher Apple, nicht nur, weil schon die Aqua-Oberfläche von OS X mit dem Themen Spiegeleffekte und reflektierende Flächen arbeitete, weil sich im CoverFlow von iTunes die CD-Cover spiegeln und weil auch das iPhone auf der aktuellen Startseite auf einer Spiegelfläche steht, sondern weil Apple generell die spiegelglatte Oberfläche neu erfunden hat – weil letztlich alle Logos und animierten Gegenstände so aussehen, als stünden oder rotierten sie auf dem Deckel eines zugeklappten MacBooks.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: I've seen the futr and it wrks (in beta)


Kommentar #1 von Der General:

<img src="http://www.h-master.net/web2.0/image/(reflect)Meistr Propr putzt so saubr dass man sich drin spiegln kann.png" alt="Generated Image" />

26.07.2007 | 23:56

Kommentar #2 von Baltazar der Bürstenbinder:

Langweilig. so wie die Riesenmaschine in letzter Zeit

27.07.2007 | 02:28

Kommentar #3 von Schmitzel:

Ja, irre interessant das. Und hochaktuell! Bravo, Herr Friebe!

27.07.2007 | 06:24

Kommentar #4 von Spiegelkomplott:

Meine Vorredner sind böse.
Wer aber eine Webseite betreibt, in der die Sprache der Kommentatoren automatisch geputzt wird (hier habe ich keinen Inflektiv eingefügt, den ich später beweinen werde), der ändere bitte sofort die Reflektion in Reflexion. So viel Zeit muss sein.

27.07.2007 | 09:10

Kommentar #5 von Sugar Ray:

Reflection.js 1.6 allows you to add reflections to images on your webpages. It uses unobtrusive javascript to keep your code clean.
http://cow.neondragon.net/stuff/reflection/

27.07.2007 | 09:40

Kommentar #6 von Denise:

Wie froh ich bin, dass das mal jemand ausspricht. Schlimm auch: Diese Buttons mit spiegelglatter Schattenoptik. Die sind schon etwas länger Web2.0, was der inflationären Gebrauch jedoch nicht verhindert. All the young people look the same.

27.07.2007 | 09:48

Kommentar #7 von gnaak:

Wie so allerlei im Internet ist glücklicherweise auch diese Form der Spiegelei nur eine grobe Annäherung. Internetseiten, die dem Besucher tatsächlich sein gespiegeltes Konterfei vorhielten, wären im Nu ebenso verwaist wie etwa die Redaktion der Riesenmaschine in den Sommermonaten.

27.07.2007 | 10:01

Kommentar #8 von D.Botson:

Jetzt, da ich zum ersten Mal diesen Hinweis "Dieser Beitrag ist ein Update zu..." bräuchte, da fehlt er. Soll ich jetzt etwa manuell nach dem Artikel über die Web-2.0-Logosammlung suchen?! Verdammte Schlamperei.

30.07.2007 | 09:47

Kommentar #9 von D.Botson:

Dieser Beitrag ist ein Update zu:
http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20070121231718

30.07.2007 | 09:55

Kommentar #10 von Jörg Friedrich:

Dass es geht, ist der eine Grund dafür, dass es gemacht wird. Aber es geht ja vieles, warum wird dieses ausgewählt?
Ich denke, weil die Vorspiegelung einer so glatten Oberfläche Perfektion und sauberes Arbeiten vorspiegeln soll.

30.07.2007 | 14:36

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