Riesenmaschine

02.09.2007 | 23:19 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Ein Acker für die gesamte Menschheit


Kracht, Niermann, Holzberger, Thiel
Ein bisschen erinnert die Szenerie an die meistfotografierte Scheune Amerikas aus Don Delillos "White Noise", eine sich selbst erneuernde Tourismusattraktion irgendwo im Nirgendwo, von der niemand mehr sagen kann, wie sie dazu wurde – nur dass da, wo die grosse Pyramide werden soll, momentan noch ein klappriges Windrad steht, das man aus Bayern über die grüne Grenze in die Gegend von Streetz verfrachtet hat, weil es den Bayern zu viel Krach machte. (Was die Initiatoren Ingo Niermann und Jens Thiel mit der Vision einer Völker, Kulturen und Religionen verbindenden, international vermarkteten Grab- und Erinnerungsstätte in Form einer stetig wachsenden Pyramide bezwecken, kann man unter anderem hier nachhören.)

Zum heutigen "Pyramidenfest" wurde zusätzlich eine Bühne aufgebaut und ein Stück Acker als Parkplatz abgesperrt. Es sollte eine Art Grundsteinlegung werden. Der Shuttlebus aus Berlin trifft mit einer Stunde Verspätung ein, weil das Kamerateam mehrfach ins Begleitfahrzeug und zurück wechseln musste, um den Bus auch von aussen zu filmen. Vor Ort sind bereits mehrere Kamerateams vertreten, die sich gegenseitig filmen und die noch etwas spärlichen Besucher interviewen. So ganz will das Eis zwischen Einheimischen und zugereisten Berlinern nicht brechen: eine Gulaschkanone mit Eisbein und Wellfleischknödeln hier, ein antiker Bus mit Latte und Prosecco genau gegenüber. Blaskapellen spielen auf. Auf der Bühne zeigt eine Kinderturntruppe kostümierte Akrobatik. Eine Minidemonstration von Streetzern marschiert auf und wehrt sich mit Transparenten gegen die Vorstellung, dass demnächst 5.000.000 Tote vor ihrer Tür geparkt werden könnten.

Momentan liegt nur ein kleiner Haufen von sogenannten "Erinnerungssteinen" herum, der vermutlich im Laufe des Abends noch enthüllt wurde. Man wähnte sich in einer geheimen Inszenierung von Christoph Schlingensief, wenn der nicht zeitgleich in Bonn Premiere gehabt hätte. Bei Redaktionsschluss dauerten die Aufruhrarbeiten an der Baustelle noch an.


Kommentar #1 von Jonas:

Der Herr im lila Poloshirt ist der Ingenieur Heiko Holzberger, auch Schatzmeister des famosen Pyramidenprojekts.

03.09.2007 | 09:44

Kommentar #2 von dem Schorschl:

In Zeile 8 bitte dringend den Fehler entfernen! Es muss heissen: "...Windrad steht, das..." Also: "das" mit einem s! Es handelt sich um zwei verschiedene Wörter. Und dass die automatische Ersetzung des -sz- durch ein -ss- eine absurde Anmassung ist, erkennt man schmerzhaft beim lauten Aussprechen des Wortes, das in Zeile 7 vor "Pyramide" steht: "grosse" wie "Posse". Das tut wirklich weh. Solche Artikel disqualifizieren sich selbst. Einen eventuellen Inhalt kann man da nicht mehr ernst nehmen.
Anmerkung des Kommentarverfassers: Alle in diesem Text falsch gesetzten -ss- wurden mir gegen meinen Willen aufgezwungen.
Das eine "s" entfernt, danke für den Hinweis. Wegen der anderen Sache: Siehe hier.

03.09.2007 | 13:29

Kommentar #3 von dem Schorschl:

Der vorige Kommentar enthielt Rechtschreibkritik und wurde daher vermutlich wegen Nachlässigkeit, Bequemlichkeit, anmassender Regelmissachtung und Sprachignoranz von den Riesenmaschine-Betreibern entfernt.

03.09.2007 | 13:31

Kommentar #4 von Jens Thiel:

Holm, schade, dass du weit vor Ende des Festes schon wieder zurück nach Berlin musstest. Das Eis brach nämlich krachend mit Einbruch der Dunkelheit.
Strahlende Jugend bei den Konzerten von Clara Lost Her Mind und Northern Lite, OB Koschig, der behutsam mit den Bürgern sprach und ihnen vorschlug, doch einmal abzuwarten, was der Architekturwettbewerb unter dem Juryvorsitz von Rem Koolhaas ergeben würde und bis nach dem letzten Ton auf der Festwiese blieb – und die Steine wurden natürlich auch noch enthüllt. Wer zu früh geht, den bestraft das Leben manchmal auch.. An dieser Stelle habe ich einen überflüssigen Smiley hingemacht, wofür ich mich dereinst schämen werde.

03.09.2007 | 18:30

Kommentar #5 von Juliane:

Erst einmal Danke für die klare Beschreibung der Lage: da passt was nicht ins (Nirgendwo)Land, auch wenn ich es ,Natho, meine Heimat nennen kann. Landschaft und Kultur, ja eine Gemeinschaft wird mit einem belächelnden Besserwissen missachtet und soll für ein grosses Irgendwas her halten; was mir persönlich bis heute unerschlossen bleibt. Als stille Beobachterin und derzeit Aussenstehende kann ich leider nur mit dem Kopf schütteln mit welcher Ignoranz und Arroganz hier versucht wird unter einem Vorwand, schlicht weg Geld zu machen. Ist es da nun ein Wunder das Gegenwehr aus Reihen der dort lebenden Bevölkerung laut wird? Liegt es vielleicht daran, dass hier nur einer grossen Marketingblase die Luft ausgeht und sich mit gutem Recht gewehrt wird?
Über Standortpolitik sollten zumindest die Initiatoren noch einmal gründlich nachdenken und es vielleicht doch dort belassen, wofür es einmal Geld erhalten hat: in der virtuellen Welt, als Gedankenspiel.

04.09.2007 | 18:48

Kommentar #6 von alex:

Für uns war es ein rundum aufregender Tag. Die Pressekonfernez weit vor Ankunft des B-Busses in der Streetzer Hummelstube – erstklassig. Dann der Auszug auf die prima und liebevoll vorbereitete Festwiese. Die Ankunft der Berliner Delegationen (Fotos hatte ich Dir zugesandt) – nachhaltig beeindruckend.
Und natürlcih auch die Schinkenbrötchen von Antje – Hier stand ein so unfassbares Wort, dass wir uns gern blitzdingsen lassen würden, um es wieder vergessen zu können.!

Hoffentlich fallen die Streetzer nicht in ein tiefes Loch wenn es jetzt ersteinmal wieder etwas ruhiger um sie wird.

05.09.2007 | 13:12

Kommentar #7 von alex:

sorry, aber was an dem Wort: ......... nun so blitzwürdig war leuchtet mir nicht recht ein, aber gelacht. An dieser Stelle habe ich einen überflüssigen Smiley hingemacht, wofür ich mich dereinst schämen werde.

06.09.2007 | 12:52

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