Riesenmaschine

12.07.2008 | 15:08 | Supertiere | Fakten und Figuren

Ohne Kern ging's auch


So in etwa. (Foto: paul goyette) (Lizenz)
Modernes Leben ist so unangenehm komplex, dass jeder nach Vereinfachung strebt. Ab einem gewissen Alter sehnen wir uns nach der Zeit zurück, als alles noch gut war, also vor dem letzten Krieg oder der eigenen Geburt. Evolutionsbiologen sind mit solch winzigen Zeiträumen nicht zu beglücken. Sie fantasieren lieber über die Zeit, als alles noch viel einfacher war und die Evolution noch nicht so viel Abfall neben den Nagetieren ausgestossen hatte.

Eines schönen Tages, so vor 4 Milliarden Jahren, war nämlich noch alles in Ordnung, es gab nur wenige Organismen auf unserem Planten, darunter LUCA, den letzten gemeinsamen Vorfahren allen heutigen Lebens inklusive Halobakterien, Hoatzins und Heidegger. Auf Konferenzen träumen die Forscher gerne davon, den kleinen Racker doch noch irgendwo in der Natur zu erwischen, denn ein paar Eigenschaften wie eine einfache Zellmembran, ein RNA-Genom und eine Vorliebe für heisse Gewässer reimt man sich zusammen. Einige versuchen auch, sein Genom aus dem bekannten Genmaterial heutiger Organismen zu rekonstruieren.

Eine gerade erschienene Zusammenfassung unseres Wissens kommt allerdings zu einer entmutigenden Schlussfolgerung (PDF, 447 KB Evolutionssprech nebst Kommentaren der Gutachter): LUCA war kein den Bakterien nahestehender, einzelner, simpler Organismus, sondern ein ziemlich kompliziertes Gemenge aus Vorläufern der Eukaryoten, den Zellen, aus denen heute Pflanzen, Hefen und Mäuse bestehen. Und dann ging es erst richtig los: Endoymbiose, mehrfacher Ersatz von RNA durch DNA, eventuell durch Viren, konvergente Evolution an allen Enden, dass einem das endoplasmatische Retikulum Blasen wirft, wenn man darüber nachdenkt.

Jedenfalls klingt das alles, als sei das Leben nie jemals einfach gewesen und die Hoffnung, dass es das mal sein wird, sinkt weiter. Scheisse.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Darwins holistische Detektei


Kommentar #1 von felix:

wenn man, wie ich es gerade getan habe, nur mit einem perplexen "das ist mir zu kompliziert" kommentiert, weist einen die maschine darauf hin, dass der kommentar bedauerlicherweise zu wenig gehaltvoll war und aus diesem grunde nicht veröffentlicht werden kann. ich finde das fantastisch. ich würde frau passig und jeden weiteren urheber gern in die internet-regierung wählen.

13.07.2008 | 18:09

Kommentar #2 von irgendwem:

Das ist mir alles zu kompliziert!

14.07.2008 | 09:29

Kommentar #3 von irgendwem:

Es geht ja doch!
(s.o.)
Na, auf so eine inkonsequente Internetregierung verzichte ich dann doch lieber...

14.07.2008 | 09:31

Kommentar #4 von systemfailure:

YEAH, die riesenmaschiene geht wieder! alter schwede, das hat aber auch gedauert...ist aber SEHR schön geworden!

14.07.2008 | 11:15

Kommentar #5 von weltdeswissens (vorgefertigt):

GEHALT hat NIX mit der Länge des Kommentares zu tun. Das wollt ich auch schon immer mal loswerden. Dieser Kommentar zum Beispiel: ist total lang, aber steht doch kaum was drin!

14.07.2008 | 23:58

Kommentar #6 von macfly:

Ist mir egal, ich will nur den KIA gewinnen.

15.07.2008 | 10:18

Kommentar #7 von irgendwem:

Nichts ist gewiss. Die Sicherheit des Wissens um die Existenz des eigenen Bewusstseins ist nämlich leider auch nicht hundertprozentig. Denn die Sicherheit des eigenen Denkens gilt nur für einen instantanen, völlig inhaltsleeren Jetzt-Punkt, denn alle Bewusstseinsinhalte dauern eine gewisse Zeitspanne, und was auch nur unmittelbare Vergangenheit ist, unterliegt möglicher Täuschung (auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist, es ist möglich, sich über die vergangenen hundertstel Sekunde falsch zu erinnern, sich etwas einzubilden und damit zu irren). Auch das Wissen um das eigene Bewusstsein wird einem nur ausdrücklich bewusst, wenn es gedanklich formuliert ist, und auch hierfür gilt die Möglichkeit von Falschheit sprachlicher Formulierungen, von Angelerntem und Erinnerung. Worüber man sich absolut unmöglich täuschen kann, ist das nicht objektivierbare Subjekt möglicher Täuschung, ein fast nicht greifbarer, völlig augenblicklicher Existenzpunkt ohne jegliche zeitliche Ausdehnung, der einem aber sofort wieder entgleitet, sobald man ihn ausdrücklich ergreifen und objektivieren will: Das transzendentale Ich, von dem Immanuel Kant spricht. Es ist nicht, wie das empirische Ich (alle Bewusstseinsinhalte) ein Element der empirischen Welt – und somit auch nicht in Experimenten objektivierbar –, sondern ein rein formaler logischer Punkt, ein unbekanntes x. Es ist so gut wie nichts, aber dafür absolut gewiss: Nichts ist gewiss.

15.07.2008 | 10:27

Kommentar #8 von irgendwem:

Seht ihr? Riesige vorgefertigte Meinung ohne Gehalt!

15.07.2008 | 10:28

Kommentar #9 von Araukarier:

Auch bei der Obstzüchtung geht der Trend wieder Richtung Prokaryont (-> Weintrauben etc)

26.07.2008 | 13:01

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