Riesenmaschine

26.07.2005 | 18:09 | Alles wird besser | Was fehlt | Sachen kaufen

Plug and Play

Einerseits, Designer der Erotikbranche, ist der postulierte Trend zu teurem, schnafte aussehendem Sexspielzeug natürlich uneingeschränkt zu befürworten. Weg von ferkelrosa Gummiunterwäsche! Hin zu Accessoires, die so gut aussehen wie iPods und so viel Spaß machen wie, äh, iPods! Andererseits müssen Produktdesigner ganz grundsätzlich endlich mal einsehen, dass es für eine Innovation nicht genügt, ein Ding, das es seit 2000 Jahren gibt, aus einem absurden oder jetzt-noch-teureren Material herzustellen oder mit ein paar Swarovski-Steinchen zu versehen. Wir wollen neue Ideen, wir wollen die weit offenen Marktlücken der Branche gestopft sehen, und zwar gründlich und mit Geräten. Und wenn schon altes Zeug nachgebaut wird, dann möge bitte endlich mal jemand die Produkte von Paradise Electro Stimulations in erschwinglichen Raubkopien auf den Markt werfen. Die abgebildete Richtung stimmt zwar, aber das reicht eben nicht zur nachhaltigen Weltverbesserung. Und davon, dass Gegenstände aus scharfkantig zersplitterndem Vulkanglas (oben) im Regal besser aufgehoben sind als in Körperöffnungen, davon wollen wir gar nicht anfangen, denn die Zielgruppe besteht ja hier recht klar aus Regalaufbewahrern bzw. Um-ein-teures-Geschenk-verlegen-Seiern.

Dass sich der Trend zur Diversifizierung aber schon bis nach Österreich herumgesprochen hat – nebenstehend ein Buttplug im rustikalen Stil aus der Auslage eines Klagenfurter Möbelhauses – das lässt hoffen.


26.07.2005 | 17:52 | Anderswo | Alles wird besser | Alles wird schlechter

Vardan Kushnir

Während in Mitteleuropa das Thema Spam noch immer mit unausgereiften Gesetzen, mangelhaften Filtern und zarten Diskussionen angegangen wird, erfahren wir, dass in Russland der König der Spammer Vardan Kushnir gestern in seiner Moskauer Wohnung für immer fürs Real Life abgeschaltet wurde. Und zwar mit einem stumpfen Gegenstand. Inwieweit dies eine Lösung sein kann, was man im einzelnen davon zu halten hat und ob wir eine Schweigeminute für oder gegen etwas zu diesem Thema einlegen werden, darüber wird im Innern der Riesenmaschine noch gestritten.


26.07.2005 | 14:26 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Real Ohropax

Der Quintenzirkel der positiven Gefühle gegenüber Produkten heißt: Wohlwollen – Faszination – Begeisterung – Euphorie – MDR-EX71. Die letzte Stufe ist gleichlautend mit dem Namen des besten Kopfhörers, den ich je besaß. Durch viele Tiefen musste ich waten, etwa mit sämtlichen verfügbaren iPod-Kopfhörern, die allesamt geplatzt, gerissen, gebrochen sind. Aber jetzt ist alles gut. Der Klang der EX71, wie ich sie liebevoll nenne, könnte nicht besser sein. Die Bässe dröhnen, dass man nicht in die Nähe seismischer Messanlagen gehen sollte, um Tsunamiwarnungen im ostasiatischen Raum zu vermeiden. Die Schnur ist nicht nur sehr lang, sondern bei Bedarf auch sehr kurz, denn sie hat eine kluge Steck-Verlängerung eingebaut. Der größte Nachteil der iTunes-Kopfhörer, nämlich dass sie anscheinend in langwierigen Produkttests ergonomisch an die normale klingonische Ohrform angepasst wurden, wird bei Sony ins Gegenteil verkehrt: das Tragen ist so angenehm, dass ich oft stundenlang ohne Musik damit herumlaufe. Wer jetzt einwendet, dass die perfekt sitzende Passform der Ohrstecker verhindert, dass man seine Umwelt überhaupt noch wahrnimmt, dem sage ich: stimmt, diesen Vorteil habe ich vergessen zu erwähnen.


26.07.2005 | 12:16 | Supertiere | Essen und Essenzielles

Crunchy Frog

"We use only the finest baby frogs, dew picked and flown from Iraq, cleansed in finest quality spring water, lightly killed, and then sealed in a succulent Swiss quintuple smooth treble cream milk chocolate envelope and lovingly frosted with glucose." Das erläutert Mr. Milton, Besitzer der Whizzo Chocolate Company, dem angesichts Praline Nr. 4 ("Crunchy Frog") sachte konsternierten Testesser Inspector Praline im gleichnamigen Sketch von Monty Python. Heute veröffentlicht die Berliner Zeitung dieses vom Stuttgarter Agrarministerium freigegebene Bild eines in einer Packung Speiseeis eingefrorenen Frosches, die ein sachte konsternierter Verbraucher den Behörden übergeben hatte. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein findiger Eventmanager auf die glorreiche Idee verfällt, die Hausfrauengilde von Barely auf einer Wiese vor der Stadt die Schlacht von Pearl Harbour nachspielen zu lassen.


26.07.2005 | 11:19 | Anderswo | Alles wird besser

Gabelstäbler

Wir alle waren uns jahrelang einig: die beiden sinnlosesten Produkte der 80er Jahre waren eindeutig der Perlator, der den Strahl aus dem Wasserhahn entheterosexualisiert hat und der Göffel aus der Saladessa-Werbung. Jetzt gibt es einen Nachfolger: b side, gestaltet von Alessandro Busana. Und siehe da: das Gerät hat einen Sinn. Spielend überbrückt es 3000 Jahre Esskulturunterschiede, durch simples Umdrehen gelangt der europäische User aus der täglich multimillardenfach-bewährten wie auch exotischen Stäbchensituation in die sichere Heimat des Aufspiessens mit der Gabel. Auch für asiatische Nutzer führt ein kurzer, jederzeit reversibler Dreh auf ein neues Terrain der Besteckverwendung. Nicht nur Liebe geht durch den Magen, sondern auch Dialog und Verständnis zwischen den Kulturen! Wird es mit einem solchen Gerät je Krieg zwischen China und Europa geben können? Wahrscheinlich nicht, jedenfalls nicht nur mit diesem Gerät. Eine wunderbare Erfindung. Wenn auf der Rückseite der Stäbchen jetzt auch noch ein Löffel dranerfunden wird, werde auch ich das Produkt kaufen, denn mein Problem war bisher weniger das Verständnis asiatischer Küchenkultur als die Misosuppe mit den Stäbchen zu essen.


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"Casino Royale", Martin Campbell (2006)

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Gesamt: -1 Punkt


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