Riesenmaschine

05.12.2005 | 11:44 | Nachtleuchtendes | Alles wird schlechter | Sachen kaufen

Hässlichstes Gadget der Welt entdeckt (uPod)


uPod (Ugliest Possible Device)
Viele Menschen wissen nicht, dass die Riesenmaschine neben den 39 Autoren auch eine Heerschar von Rechercheursschergen beschäftigt. Traurigerweise kam es dabei kürzlich in den abgedunkelten Kellerhallen zu einem Unglücksfall: Eine visuell zartbesaitete Person geriet unvorbereitet in Sichtkontakt mit dem nebenstehenden Bild, der "Jeep Color TV/Radio/Lantern". Die Aufseher deuteten die Konvulsionen und blutenden Augen gleich korrekt – das hässlichste Gadget der Welt ist endlich entdeckt, der legendäre uPod (Ugliest Possible Device). Die Redaktion der Riesenmaschine wurde selbstredend sofort informiert, glaubte aber zunächst an einen Scherz, weil es sich beim Hersteller nicht um Siemens handelt. Inzwischen hat sich das Drama jedoch in seiner vollen Unästhetik über uns ergossen, und wir geben es natürlich gern an unsere Leser weiter.
Mit diesem Gerät wurde nicht nur gezeigt, wie man heute ein Gadget für Menschen von gestern mit Technikschrott von vorgestern entwickelt, darüberhinaus fanden auch die schlechtesten auffindbaren Designrichtlinien für taiwanesische Spielzeug-Plastikroboter der 80er Jahre Anwendung. Auf provisorischer Basis wurde "hässlichstes Gadget der Welt" bisher von der Handyserie "Xelibri" geführt – nun muss der Platzhalter dem ersten echten Titelträger weichen. Die Kosten für diesen Zyklops sind mit 300 Dollar überraschend niedrig; Menschen, die so eine gerätgewordene Zumutung tatsächlich kaufen, würden wohl auch 3000 Dollar dafür ausgeben.


04.12.2005 | 21:03 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Safehousing the Riesenmaschine


Wo die Riesenmaschine nicht ist
Die CIA hat also mit Hilfe einer ferngesteuerten Drohne den Al-Qaida-Führer Abu Hamza Rabia in die Luft gesprengt, schön und gut, aber in der zentralen Frage, woher die CIA die GPS-Koordinaten seines "safehouse" hatte, bleibt die Berichterstattung merkwürdig vage. Schickt man einen 21-jährigen Tim oder Bruce im "Hard Rock Cafe Islamabad"-T-Shirt mit einem GPS-Gerät hin und lässt ihn auf Befragen erklären, er sei auf der Suche nach einem der drei Geocaches von Pakistan?
Was die CIA so alles weiss, beunruhigt uns nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal sind wir froh darüber, damals bei der Anmeldung bei der Bloggerweltkarte Feedmap versehentlich ganz falsche Koordinaten eingegeben zu haben. Es ist nämlich sehr einfach, ein Blog bei Feedmap anzumelden, aber deutlich schwieriger, dessen Koordinaten jemals wieder zu ändern. Deshalb werden, sollte die CIA auf uns aufmerksam werden, leider die Betreiber von ronsens, BLOQ7 und B{atz}LOG dran glauben müssen. Sorry, Folks!


04.12.2005 | 15:54 | Anderswo | Alles wird schlechter | Sachen anziehen | Zeichen und Wunder

Fun ist ein Stahlgewitter

Während für eine der drei weltweiten Problemzonen (Ostdeutschland, USA, Naher Osten), nämlich den deutschen Osten, vorsichtige Entwarnung zumindest in Sachen Nazismus gegeben werden kann, erreicht uns aus den Vereinigten Staaten ein neuer Trend: Humor unter Nazis. Selbstironie und Satire bei den Glatzen und Gestrigen. Über ein Onlineversandhaus, das neben dem üblichen "Meine Ehre heisst Treue"- und "White Pride"-Schwachsinn ebenfalls immigranten- feindliche "Deport Pedro"- und "Border Control"-Shirts verkauft, sind auch recht pittoreske "Happy Hitler Girly-Shirts", Waffen-SS-Athletic-Club-Leibchen (siehe Bild) und "My Boss is an Austrian Painter"-Stossstangenkleber zu erwerben – allesamt Produkte, über die der gemeine Titanic-Leser und geistreiche Antifaschist lachen würde, wenn, ja: Wenn man eben nicht wüsste, dass es die Nazis selbst sind, die so in den "semiotischen Krieg" (Umberto Eco) ziehen. Die Subversion schlägt zurück und entstellt eben nicht mehr die Codes der Nazis, sondern die Subversion des humorigen Antifaschismus.
Jan Delay, Hamburger Rapper und Karl-May-Reggaemusiker, wusste da vor Jahren wohl schon mehr, als er in seinem Lied "www.hitler.de" (interessant, was Google dazu liefert) prophetisch sang: "Der böse Mann mit dem kleinen Bart ist noch gar nicht tot [...] aber das ist noch gar nicht das schlimmste, Mann: viel grausamer ist, dass er jetzt auch grinsen kann!" Also schnell noch mal darüber lachen, vielleicht muss man sich dafür ja in Bälde der Volksverhetzung bezichtigen lassen. Die Adresse des Versandhauses geben wir übrigens nicht preis, denn es gilt: Nazis linkt man im Leben, aber nicht im Netz.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: The kids are quite alright


03.12.2005 | 17:21 | Anderswo | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Countdown your life

Die überwiegende Mehrheit aller Strassenverkehrsteilnehmer ist zwischen 1960 und 1980 geboren, denn jüngere Menschen können noch nicht, ältere nicht mehr auf die Strasse. Eine Gemeinsamkeit aller dieser Menschen ist der angeborene Digitalanzeigenfetisch, der einen seit frühester Kindheit dazu zwingt, stundenlang fasziniert auf die Sekundenanzeige von Digitaluhren zu starren, wobei es zum Höhepunkt der Ekstase kommt, wenn die Anzeige auf Null springt. Darum war Silvester 1999/2000 für uns alle ein besonderes, vereinigendes, ja, massenorgiastisches Erlebnis, aber das nur nebenbei. Weltweit beginnen nun Verkehrsphilosophen, den Digitalfetisch auszunutzen, in dem sie Ampeln mit digitalem Countdown ausstatten, der anzeigt, wieviele Sekunden es noch rot oder grün ist . Man findet diese schönen Geräte zum Beispiel in Malaysia, in verschiedenen Städten Amerikas, neuerdings genau einmal in Hamburg (siehe Bild) und, wie wir durch umfangreiches kontinentübergreifendes Verkehrsteilnehmen herausfanden, auch in der chilenischen Provinzstadt Valdivia, die bisher eher wenig, aber wenn dann durch deutsches Brauchtum international auffiel. Im Bann der Digitalanzeige starren nun auch die Menschen Valdivias kollektiv auf den Countdown, um sich froh und glücklich in die Arme zu fallen, wenn die Anzeige auf Null springt. Die Folge: vielleicht weniger Verkehrsunfälle, vielleicht auch nicht, aber immerhin mehr Digitalanzeigen. Überhaupt empfiehlt es sich, dieses Konzept viel konsequenter umzusetzen. Wir hätten gern Countdowns für alle Prozesse, deren Zeitdauer bisher aus Peinlichkeit oder Versehen verschwiegen wurde, zum Beispiel an der Supermarktkasse, für die Lebensdauer der Sonne oder auch für diese quälenden Millisekunden, die es jedesmal dauert, bis der Geldautomat endlich den Safe öffnet. Man darf erst dann zufrieden sein, wenn sich der gesamte Planet in eine einzige, zuckende Digitaluhr verwandelt hat.

[Nachtrag: Das Bild ist von mistake und wurde auf San Diego veröffentlicht.]
[Weiters hat Herr Till Lütkemeyer uns bereits Mitte Oktober auf dieses Bild aus Malaysia aufmerksam gemacht, war jedoch nicht mit Autor Scholz in Kontakt, so dass die Nennung erst jetzt erfolgt.]


03.12.2005 | 10:25 | Anderswo | Alles wird besser

The kids are quite alright

Mussten wir neulich erst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sachte konsterniert über die beiden 16jährigen Zwillinge Lamb und Lynx Gaede lesen, die unter dem Bandnamen "Prussian Blue" soften Folkrock und den Lolitalesben-Charme von t.A.t.U. mit knallhart rassistischen Texten verbinden und damit zu den neuen Ikonen der rechtsradikalen Rockszene in den USA avancieren (Einem Bericht der Jungle World zufolge sind die beiden übrigens erst 13 und verfügen noch über eine kleine Schwester namens Dresden) – und stand zu befürchten, dass die blutjungen Blondinen, die sich gern in T-Shirts mit Hitler-Smiley-Motiven ablichten lassen, damit auch im preussischen Stammland ihrer Ideologie landen und Zuspruch ernten würden –, gibt die Berliner Zeitung von gestern vorsichtig Entwarnung. "Ostdeutsche Jugendliche haben den Geschmack an der Nazi-Mode verloren", so lautet das Fazit einer von Klaus Farin vom Berliner Archiv der Jugendkulturen durchgeführten Untersuchung an ostdeutschen Schulen. Die hegemonialen Jugendkulturen seien hier mittlerweile HipHop und Punk, gefolgt von Skatern, Gothic, Techno und Heavy Metal. Die lupenreinen Rechtsextremen folgten weit abgeschlagen auf dem zehnten Platz. Das eigentlich Überraschende, so Farin, sei die Renaissance des lange totgesagten Genres Punk im Osten. (Das Bild zeigt ein Punk-Treffen in Leipzig.) Allerdings sei Vorsicht geboten, denn die angepasste rechtsradikale Strategie sehe vor, zukünftig verstärkt auch die HipHop- und Punk-Szene zu unterwandern und infiltrieren, was in der Gothik-Szene bereits stattfindet. Mit dem Liedgut von "Prussian Blue" dürfte das allerdings kaum gelingen.


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