Riesenmaschine

14.03.2006 | 14:11 | Berlin | Nachtleuchtendes

Allianz Ausschlag

Ich rufe in den Zeugenstand: Kathrin Passig, Holm Friebe, Gott. Diesen dreien wird man glauben, wenn sie bestätigen, dass ich vorliegende Idee bereits im Spätsommer 2004 hatte. Ich meine damit nicht, mich an die Grenzen der Erträglichkeit von unscharfen, unterbelichteten Fotos heranzutasten. Sondern ein Gebäude als Graphic Equalizer Anzeige zu benutzen.

Gut, die Idee trudelt so halb im Fahrwasser der Leuchtfenster-
pixelinstallation Blinkenlights herum, die ja ihrerseits im Fahrwasser des belgischen Projekts Marnix 2001 dümpelte, welches wiederum bereits im Fahrwasser eines MIT-Projektes von 1993 schwamm. Trotzdem hätte irgendein regionaler Berliner Radiosender sicher viel Geld dafür bezahlt, wenn sein grafischer Ausschlag über Berlin zu sehen gewesen wäre. Aber nun ist der gefühlt 300 Meter hohe Büroturm der Allianz-Versicherung mit einem Graphic Equalizer versehen und aus Protest weigere ich mich, nachzurecherchieren, warum, von wem, für wen und wie lange das so ist. So gut ist die Idee letztlich auch nicht. Und ausserdem alt.


14.03.2006 | 04:53 | Alles wird besser | Fakten und Figuren

Hot Hot Hot


Schillernder Riesentoaster: die Z-Machine
"Hot Content" schreiben heute sehr viele Hochstapler auf ihre Produkte, aber nur die allerwenigsten meinen es ernst damit. Was wirklich "hot", "cool", "lauwarm", "gut" oder "schlecht" ist, weiss am Ende in diesem Wirrwarr aus Etikettenschwindel und Realitätsverlust niemand mehr. Deshalb sind wir sehr dankbar, dass die Kollegen von der Z-Machine endlich mal wieder einen Referenzpunkt setzen, Achtung, hier kommt er: zwei Milliarden Grad. Die Z-Machine funktioniert dabei nicht viel anders als ein Toaster, man braucht ein Stück Metall und Strom, und wenn man dann konsequent immer mehr Strom, sehr viel mehr Strom, am Ende schon zugegeben extrem viel mehr Strom durch das Metall schickt, dann verbrennt man sich die Finger. Es entsteht ein kleiner Plasmaklumpen, das Heisseste, was je von Menschen auf der Erde produziert wurde, genaugenommen sogar heisser als eine Supernova. Das ist beachtlich, bewundernswert, ungeheuerlich.

Leider verhält es sich mit der Z-Machine wie mit allen anderen wirklich heissen Dingen: Man kann sie nirgends kaufen, und wenn man sie kaufen könnte, würden die Eltern sie sofort verbieten, so dass man sie nur heimlich unter der Bettdecke ausprobieren kann. Ausserdem beschweren sich wahrscheinlich hinterher die Nachbarn.


13.03.2006 | 21:39 | Supertiere | Alles wird besser

Zielgruppensegmentierung bei Katzen


Politisch korrektes Katzenfutter
Ein neuer Stern am Katzenfutterhimmel ist aufgegangen und wird derzeit massiv beworben. Das ursprünglich aus der Schweiz stammende Perfect Fit von Mars Incorporated/Masterfood schickt sich an, den heiss umkämpften Markt mittels Psychologie aufzurollen. Das Trockenfutter kommt im Plastikbeutel und erinnert an Aufbaunahrung aus dem Fitnesstudio, die im Namen angelegte Doppelbedeutung weist jedoch über diese naheliegende Assoziation hinaus. Und zwar wird die Zielgruppe der Katzen in drei Typen eingeteilt, die mit je einer eigens abgestimmten Linie bedacht werden. Für den Streuner gibt es "Active", für die überzüchtete Rassekatze "Sensitive" und, ganz neu, für die fette Hauskatze "In-Home". Allerdings wird in der Kommunikation sehr behutsam auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten Rücksicht genommen. Nicht nur das Sensibelchen wird
Salonlöwe (In-Home-Katze)
als "empfindliche Samtpfote" mit Glaceehandschuhen angefasst, besonders die multiplen Komplexe der Hauskatze gegenüber dem "lebhaften Abenteurer" werden abgefangen, indem man sie als "gemütlichen Salonlöwen" euphemisiert. Abgeschaut hat man sich das im Bereich der menschlichen Mode, wo es auch "für den starken Mann" oder "für die ganze Frau" heisst. Wie im letzten Jahr die Kampagne des Kosmetikherstellers Dove dem engstirnigen Schönheitsideal ein jähes Ende bereitet hat, so dürfte dank Perfect Fit die Diskriminierung von Katzen wegen ihres Ausgehverhaltens bald Geschichte sein.


13.03.2006 | 12:09 | Was fehlt | Fakten und Figuren | Sachen kaufen

Vom Pyrrhussieg der Erbsenzähler


Weniger Pimp geht nicht.
Warum sind deutsche Werbespots eigentlich so oft so schlecht? Diese häufig gestellte Frage wurde früher von Marktforschern beantwortet: "Die Konsumenten wollen es so, sehen Sie hier bitte die Exceltabellen 29 bis 137, dieser in der Fussgängerzone von Plön gedrehte Waschmaschinenspot ist der wirksamste seit Jahren". Traurig gingen dann die Kreativen zurück in die Agenturen, schrieben schlechte Spots und koksten die Bedenken fort.

So war es, bis das Internet kam und schnell genug war, dass Filmchen online angesehen werden konnten. Die Marktzähler und Erbsenforscher freuten sich zunächst, dass man im Internet ganz genau zählen konnte, wie oft welcher Spot angesehen wurde und sie dachten, sie würden die Welt beherrschen. Dann aber mussten sie feststellen, dass ihre wirksamsten Spots von grob geschätzt vier Menschen online angesehen wurden. Andere unterhaltsame Spots hingegen, wie die bekannte Reihe "Unpimp your auto" von Volkswagen wurden innerhalb von ein paar Tagen eine Million Mal angesehen. Und anders als beim Fernsehen waren das nicht ungefähre, abgeschätzte, hochgerechnete Zahlen, sondern echte Menschen, die dazu noch genau den Spot betrachten wollten. Weil er interessant war. Da weinten die Erbsenzähler bitterlich, denn sie befürchteten, dass von nun an nur noch interessante, unterhaltsame Werbespots produziert würden und auch die Fernsehsender weinten bitterlich, weil sie ihre Felle davonsurfen sahen.

Doch zum Glück kam alles anders, denn rechtzeitig fand man heraus, dass da draussen eine grosse, schweigende, verhältnismässig dämliche Mehrheit ist, die sich von schlechter Fernsehwerbung noch immer und auch für immer beeinflussen lassen wird. Und so starb weder die schlechte Werbung noch das Fernsehen. Sondern nur der intelligente Zuschauer.


13.03.2006 | 06:06 | Anderswo

Marula, warum?


Jetzt, wo offenbar eine gewisse Stagnation in den Innovationsabteilungen der Softdrink-Hersteller festzustellen ist, und man auch nur noch lustlos neue Biersorten entwickelt, ist auf der anderen Seite wohl noch lange nicht abzusehen, wann man aufhört, am Wasser herumzufummeln, als ob kaltes und heisses Wasser nicht reichen würde. Die Branche selbst bezeichnet das Zeug als "Functional Drinks", "Near Water" oder "Frivolisierendes Wasser". Österreich ist diesbezüglich nicht nur Pionier im Basteln mit Wasser, sondern auch bereits mehrfach gesättigt, durch die zwei konkurrierenden Mineralwasserabfüller Vöslauer und Römerquelle, die beide ein breites Sortiment an geschminktem Wasser anbieten, unter anderem mit Koriander, Melisse, Rosen, Essig, Pfeffer, und man denkt, jetzt reichts auch hier langsam, aber Römerquelle startet die Sommersaison mit einer neuen Offensive, jetzt kommen die Früchte und Aromen, von denen noch nie jemand etwas zuvor gehört hat, und der Marula sollen noch weitere folgen. Warum eigentlich nicht gleich ein Wollemiawasser, wenn man jetzt schon direkt an der Quelle sitzt?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Durst? Grünwein!

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (7)


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