Riesenmaschine

18.10.2006 | 01:09 | Berlin | Zeichen und Wunder

Zinken 2006


Fuldastrasse, Neukölln
Anderswo prophezeiten wir einst, dass der Stadt etwa durch Socialight oder die Semapedia eine weitere Bedeutungsebene wächst. "Man sieht nur mit dem Handy gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar", so behaupteten wir dreist. Die Einwohner Neuköllns haben mittlerweile, wie so oft, eine billigere und einfachere Lösung gefunden. Denn auch in Neukölln ist man konsumgewandt genug, einen Namen wie "Gemütliches Eck" trotz der trügerisch rustikalen Ausrüstung des Lokals kritisch zu hinterfragen und das Ergebnis dieser Überlegungen anderen verfügbar zu machen. Und das ganz ohne technische Voraussetzungen, sieht man von rudimentären Schreib- und Lesefähigkeiten ab. Aber die braucht man bei den anderen Verfahren ja auch.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Zinken 2005


17.10.2006 | 12:17 | Vermutungen über die Welt

Die Form des Ganzen


Das Universum ist eine Scheibe;
seine Mutter kann nicht kochen.
Italienische Wissenschaftler geben bekannt, dass das Universum vermutlich nicht aussieht wie eine Kugel, sondern eher wie ein Ei. Dies folge, so sagen sie, aus der Analyse von Daten des WMAP-Satelliten, der zur Zeit wichtigsten Quelle für präzise Daten aus der Frühzeit des Kosmos. Schön und gut. Aber Moment mal. Konnte man nicht neulich irgendwo nachlesen, dass es sich beim Weltall eher um eine Art mittelalterliche Trombone handelt? Und zwar basierend auf denselben Satellitendaten? Und behaupten nicht ganz andere, wiederum mit Hilfe der WMAP-Daten, dass das Universum wie ein Dodekahedron, also ungefähr wie ein Fussball (ohne Ventil) daherkommt? Das jedoch, so sagen andere, sei Unsinn, das Universum sähe weder aus wie ein Fussball, noch wie ein Donut oder ein Bagel. Und schliesslich wieder andere behaupten, es sei einfach nur sehr gross. Mitten in diesem heillosen Durcheinander meint unser Lieblingskosmologe Richard Gott der Dritte, das Universum sei womöglich auch seine eigene Mutter. Wie diese Mutter aussieht, verrät er uns allerdings nicht.


17.10.2006 | 04:14 | Supertiere | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Mikrosklaven


Arbeitsbedingungen wie im Frühkapitalismus – was tun, Mikrobe? (Bild: Yuichi Hiratsuka et al.)
Sklaven sind praktisch. Ob sie als Weinreinbringer die Wirtschaft am Laufen oder zur Volksbelustigung den Kopf hin halten, ob sie Baumwolle pflücken oder DVDs über den IDE Port brennen, immer und überall ist ihr Hauptvorteil, dass der Sklavenhalter die Arbeit nicht selbst machen muss. Die ersten Sklaven der Geschichte – sieht man mal grosszügig von den Opfern der Verbrechervisagen aus der Parasitologie ab – waren vermutlich Menschen, aber recht bald wurde auch das liebe Vieh in die Knechtschaft gezwungen. Ein Durchbruch in der Versklavungsforschung wurde jetzt mit der Konstruktion eines Hamsterrades für Bakterien erzielt. Das Gerät ist so klein, dass in einen handelsüblichen Hamster eine Fantastilliarde Exemplare davon passen. Bei 2.6 Umdrehungen pro Minute pro Stück sind das 2.6 Fantastilliarden Umdrehungen pro Hamsterminute, ein bis vor kurzem noch völlig unvorstellbarer Wert des Hamsterschwindels. Hut ab, Forschung.


16.10.2006 | 16:24 | Berlin | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Die pinnen, die Postler


Von Globalisierung bis Chinalokalisierung
Das Briefmonopol ist noch etwas mehr als ein Jahr gültig und besagt grob, dass nur die Deutsche Post AG Briefe befördern darf, ausser ein Wettbewerber bietet einen tollen Zusatzservice an. Wie zum Beispiel die Firma PIN Group AG, einer Unternehmung deutscher Verlage wie Holtzbrinck, Axel Springer und WAZ-Gruppe. Und während das Tapetenunternehmen Deutsche Post das Institut zur Zukunft der Arbeit unterstützt, das Anfang des Jahres durch den Vorschlag glänzte, Arbeitslose meistbietend zu versteigern, geht man bei der privaten Konkurrenz PIN AG – hier ein Foto der Filiale an der Warschauer Strasse in Berlin – anders mit der veränderten Situation auf dem Arbeitsmarkt um. Nämlich, indem man die anfallenden Arbeiten etwas verlagert und den Chinaimbiss zum Paketschalter macht. Wir freuen uns auf die nächste Stufe der Glokalisierung, wenn es heisst: "Das Büro ist nicht besetzt, bitte geben Sie ihre Sendungen in China ab."


16.10.2006 | 10:07 | Anderswo | Supertiere | Zeichen und Wunder

Von Zoo zu Zoo


Entführvorschlag
Wie die englischsprachigen chinesischen Medien erst jetzt melden, tauchte am 5. Oktober im Zoo von Shanghai ein vierjähriges Kind auf, das tags zuvor im 1.500 Kilometer entfernten Pekinger Zoo entführt worden war. Der Junge namens Xiao Hang wurde von Zoobesuchern erkannt, die sein Foto auf einer Vermisstenseite im Internet gesehen hatten. Die Polizei vermutet, die Entführer hätten Xiao Hang in dem Moment wieder freigelassen, als sie feststellten, dass er hör- und sprachbehindert war. Wie die Entführer den Jungen von dem einen in den anderen Zoo transferierten, erklärte die Polizei nicht. Eventuell handelt es sich also gar nicht um eine Entführung, sondern um den ersten geglückten Menschenteleportationsversuch, durchgeführt von irgendwelchen hochintelligenten Nagern. Oder Bären. Oder Katzen. Von Tieren jedenfalls.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


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