Riesenmaschine

10.02.2007 | 01:15 | Supertiere | Fakten und Figuren

Neues vom Nasenaffen


Gegen soviel Niedlichkeit müssen die Conspecifics erst mal anstinken.
Vor ein paar Monaten machte eine Forschergruppe in Berkeley Schlagzeilen, weil sie Männer und Frauen mit verbundenen Augen über den Rasen krabbeln und an braunen Spuren schnüffeln liess. Was klingt wie eine etwas ratlose Studie zur menschlichen Sexualität, war tatsächlich eine Untersuchung des menschlichen Riechvermögens. Das, wie sich herausstellte, dem der Hunde insofern ähnlich ist, als auch Menschen einer Duftspur – in diesem Fall war es Schokolade – ziemlich akkurat folgen können. Nun hat dieselbe Gruppe erneut publiziert, diesmal tatsächlich zur menschlichen Sexualität, es ist verwirrend.

Der Titel der Studie – "Smelling a Single Component of Male Sweat Alters Levels of Cortisol in Women" – ist obendrein ein bisschen beängstigend, nicht nur wegen der nicht völlig überraschenden Implikation, Männerschweiss sei eine Frauendroge, sondern vor allem wegen dieser mysteriösen Single-Komponente, die er enthalten soll. Der erste Satz dann aber – "Rodents use chemosignals to alter endocrine balance in conspecifics" – versöhnt den besorgten Leser sofort völlig. Wenn Nagetiere dergleichen auch haben und machen, dann kann dagegen nichts einzuwenden sein. Letztendlich müsste man vielleicht sogar in treuer Nagetiernachfolge zum verstärkten Einnebeln der Conspecifics aufrufen. Stinkt mehr für Eure Nächsten! Sie werden es Euch danken, und zwar mit einem Cortisol-Level, dessen Schlussmonster sich gewaschen hat.


09.02.2007 | 12:49 | Alles wird besser

Showergeschichten


Foto: wedgeh / Lizenz
Der australische Energie- und Wasserversorger Energy Australia hat vor drei Monaten die Ergebnisse einer Studie vorgelegt, der zufolge die Kosten der privaten Haushalte für Wasser und Strom auf einfache Art gesenkt werden könnten. Es müssten nur die Duschenden auf "activities such as shaving, playing with toys, singing, daydreaming and brushing teeth" verzichten, da dies unnötig Zeit und damit Wasser und Wärme beanspruche.

Nun wissen wir alle, dass wir uns die Dusche nur von unseren Kindern geliehen haben und daher schonend mit Ressourcen umgehen sollten. Wer aber auf das Singen partout nicht verzichten kann, der gehe zu den Schweizern von noisegames. Der dort vorgestellte Showersong macht glücklich und löst digital, was analog eine Umweltsauerei ist. Oder anders gesagt: Sie haben uns das papierlose Büro versprochen und gaben uns stattdessen die Dusche, die uns den Pelz wäscht, ohne uns nass zu machen.


08.02.2007 | 18:08 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Universal Selling Proposition


Gleich. Fertig. (Foto: Bastian Pfister)

Jahrzehntelang rangen marketinggetriebene Unternehmungen um unique selling propositions, Alleinstellungsmerkmale, Unverwechselbarkeit, Abgrenzung vom Wettbewerb. Der Erfolg von Angeboten wie StudiVZ zeigt aber nun, dass sich Innovation nicht lohnt. Merke: Fast Followers sehen nur von unten so aus wie Me-Toos.

Unterdessen entdeckt die Glutamat-Verabreichungsbranche die Mimikry-Strategie für sich: Knorr (Unilever) und Maggi (Nestlé) bieten Produkte an, deren Identität die Identität mit dem Erzrivalen ist. Name, Foto, Typographie, Farbe, Layout, Wortwahl – beide Saucenpulver für "Schwedische Hackbällchen" gleichen sich äusserlich nun so wie sie es innerlich wohl schon immer taten. Wer hinter dieser universal selling proposition ein Frühstückskartell vermutet, der soll auf der Stelle von einem eisernen Positionierungskreuz erschlagen werden.


08.02.2007 | 10:31 | Anderswo | Alles wird besser

Die Kirche ins Dorf lassen

In der Dreifaltigkeit der traditionellen Frauenplagen mit K, also unter Kindern, Küchen und Kirchen, sind die Kirchen wohl das mit Abstand immobilienartigste Element. Zwar sind auch Kinder im Spielzeugladen und Küchen ganz im Allgemeinen nur schwer von der Stelle zu bewegen, aber das felsengleiche Beharrungsvermögen der Gotteshäuser und ihrer Insassen steht konkurrenzlos und selbst unbeweglich an der Spitze der Unbewegtencharts. Das weiss jeder, in dessen Nachbarschaft häufiger mal gebimmelt wird, und der also versuchte, das lärmige Kirchlein ein kräftiges Stück die Strasse runter zu schieben: geht nicht.

Mit Liedbegleitung und in hübschen Bildern zu sehen, wie eine komplette Kirche einmal ums Dorf gefahren und schliesslich an neuem Ort geparkt wird, ist darum nicht nur kathartisch und geradezu apostasieinversiv, sondern gibt uns auch Hoffnung, dass bald schon auch Küchen und Kinder dahin gebracht werden können, wo sie wirklich gebraucht werden. O Seligkeit.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Ein feste Hüpfburg ist unser Gott


08.02.2007 | 01:17 | Berlin | Fakten und Figuren

Die Maschinenmensch-Maschine


Dieses Bild zeigt etwas überraschend den besprochenen Roboter in der Galerie 5213. Die Ausstellung geht nur noch bis Samstag.
Irgendwann in einer der nächsten 200 Futurama-Folgen wird es eine Szene auf einem Fussgängerzonenplaneten geben. Dort wird Fry einer als Roboter verkleideten Person am Strassenrand einen Dollar geben, sie wird sich dann ein ganz klein bisschen bewegen und Fry wird sich freuen und sagen "Toll, ich fühle mich wie vor 1000 Jahren. Da gab es auch schon Menschen, die so tun, als wären sie Roboter, um ein bisschen Kleingeld zu kriegen." Worauf Leela antworten wird: "Aber das ist doch gar kein Mensch, sondern ein Roboter, der sich bloss als Mensch verkleidet hat, der sich als Roboter verkleidet hat." Und wäre Fry nicht zum Jahreswechsel 1999/2000 eingefroren worden, sondern acht Jahre später, würde er dann antworten: "Achja, stimmt, ich erinnere mich, so einen hatte Cajus Pietschmann mal gebaut, der stand damals in der Galerie 5213 in Berlin. Sah aber nicht so realistisch aus wie der hier." Naja, Futurama wird auch nicht mehr das sein, was es gerade ist.


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"Keine Lieder über Liebe", Lars Kraume (2005)

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