Riesenmaschine

05.04.2007 | 12:47 | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Sportsaufen

Auf von aussen zugefügtes, emotionales Leid reagiert der Mensch häufig durch zusätzliches, von innen zugefügtes Leid, eine Art Ausgleichsleid. Warum, weiss niemand, es handelt sich aber um spezielle, vielschichtige Schmerzen, die man sich dann zufügt, wie mit Hilfe von Sport oder Alkohol. Vermutlich existieren ausschliesslich diese beiden Leidbewältigungsstrategien: Bewegung oder Substanzeinnahme.

Interessant ist nun, dass Versuche, diese beiden grossen, akzeptierten Kulturtechniken zu verschmelzen, bisher in der Absonderlichkeit verharren, etwa der Sauflauf, bei dem ein Kasten Bier über ein Laufdistanz von 8 Kilometer geleert werden muss. Oder die Drunken Master Kampfballette von Jackie Chan. Nun startet Adidas offenbar einen neuen Versuch, Sport und Trunk zu kombinieren, ganz behutsam nämlich: mit gebrandeten Bierdeckeln. Sinn und Zweck bleiben zunächst verborgen, aber vielleicht wird die Zeit es zeigen. Der Witz von der Olympischen Disziplin "Einarmiges Reissen" jedoch ist zu alt und naheliegend, um hier noch gemacht werden zu können.


05.04.2007 | 01:33 | Nachtleuchtendes | Supertiere

Die Zukunft des Denkens ist Licht


Der Angriff der Welt auf das Individuum.
(Abbildung: Nature/Feng Zhang, Steve Dixon, und Karl Deisseroth)
Man denkt nur mit den Hirnen gut, sagt der kleine Prinz, und da hat er natürlich recht. Ausserdem kann man mit Hirnen aber auch sehen, und davon wusste die Nervensäge aus dem Weltraum nichts. Beziehungsweise kann man genauer gesagt, wenn Licht bestimmter Wellenlängen auf entsprechend genmanipulierte Gehirnzellen fällt, diese Zellen entweder zur Aktivität anregen oder sie gezielt ausknipsen. Das stand vor einigen Wochen schon in einem Artikel in PLoS ONE, jetzt berichten andere Autoren in Nature nochmal darüber, und wenn man weiss, dass der Erstautor des PLoS-Artikels schon mal mit dem Seniorautor des Natureartikels publiziert hat, kann man sich eine schöne Wissenschaftlerseifenoper mit Intrige, Mord und Totschlag zusammendichten. Man kann es natürlich auch sein lassen.

Der Mehrwert des Natureartikels jedenfalls ist, dass seine zehn Autoren mit dieser Lichttechnologie Würmer per Taschenlampe fernsteuern können, was bestimmt lustig aussah im Labor. Wenn man das jetzt mit den Leuchtproteinen kombiniert, kann man sicher bald Gehirne bauen, in denen die Neuronen per Lichtblitz miteinander kommunizieren können, und wer weiss, wozu die Dinger in der Lage sind, wenn man sie vernetzt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Guck mal was da denkt


04.04.2007 | 20:51 | Anderswo | Supertiere | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Nachtretende Rohstoffe


Algenfarm, ca. 1850 (Foto: jurvetson) (Lizenz)
Das Gute an der Zukunft ist dass sie immer etwas zu wünschen übrig lässt. Auf viele Neuerungen kann man sich sein ganzes Leben freuen. Gutzuheissen ist jedenfalls, wenn sich junge Leute an die Zukunftspläne der Alten erinnern und sich beispielsweise mal wieder an Biosphäre-Experimenten versuchen, wobei sie sich für 14 Tage in eine Unterwasser-Box einsperren lassen, in der Algen Nahrung und Sauerstoff erzeugen, der Jungforscher aber den Strom über Muskelarbeit. Besser wäre es aber gewesen, wenn er sich vorher über Alternativen informiert hätte. Als Australier hätte er nun wirklich wissen sollen, dass man zur Stromerzeugung Pinguine einsetzt.

Roland Krause | Dauerhafter Link


04.04.2007 | 11:39 | Anderswo | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Unplötzliche Verwandlung


Wo ist hier bloss der Witz?
"Das Lachen ist ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts", sagt Immanuel Kant in der Kritik der Urteilskraft. Und im Prinzip sagen das die meisten anderen Lach- und Humortheoretiker auch: Es muss mindestens etwas Überraschendes sein, das uns Lachen macht. Warum aber lachen manche Menschen immer wieder über uralte Witze, längst verbrauchte Wortspiele, simple Rechtschreibfehler. Woran liegt's? Genetischer Defekt, das Alter, Komplettkaputtness? Schön wäre es, wenn die Wissenschaft mal diese Frage klären könnte. Gemeint sind Wissenschaftler, keine Freudianer, bitte! Hinhauen tut dagegen Kants alte These bei folgender Passage aus dem jüngsten Buch von Helmut Schmidt, in der der Altbundeskanzler seine Begegnung mit Mao Tse Tung im Jahr 1975 schildert, wobei Kant selbst eine kleine Rolle spielt: "Er begrüsste mich mit den Worten: 'Sie sind ein Kantianer', was so nicht stimmte, und sagte dann: 'Und ich bin ein Marxist.'" Tatsächlich: Grosse Overtüre, gespannte Erwartung, und dann das aller Welt Bekannte, somit das Nichts. Sehr komisch. War also Mao – dessen zweiter Sohn übrigens vorletzte Woche im Alter von 84 Jahren gestorben ist – letztlich der Kantianer? Auch dazu schweigt die Wissenschaft.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (4)


04.04.2007 | 00:54 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Unterschätzte Forschungsgebiete

Dass Snickers ein Produkt der Firma Mars ist, daran werden sich die Älteren unter uns (erste Zähne vor 1930) noch erinnern. Spätestens seit dem 2. Weltkrieg ist Snickers sowas wie das Stock-Aitken-Waterman der Schokoriegelwelt und dominiert unangefochten die Hitparaden. Aus noch unerforschten Gründen lag genau derselbe Riegel in Irland und Grossbritannien lange als "Marathon" im Laden, bevor man sich 1990 entschloss, dass alle Snickers dieser Welt gleich heissen sollten, so geschehen im Rahmen eines weltweiten Umbenennungstrends, bei dem ausserdem aus der DDR fünf neue Bundesländer und aus Raider Twix wurde. Zu diesem Zeitpunkt war das Schicksal der Snickers-Nemesis Starbar, in den 70er Jahren von der Dunklen Macht Cadbury unters Volk geworfen, um endlich den Snickers-Bann zu brechen, bereits weitestgehend erledigt. Starbar tingelte unter wechselnden Bezeichnungen durch die Regale von Hamburg, Zürich und Rom, aber das Snickers-Imperium hielt. Heute gibt es Starbar entweder als Moro Peanut exklusiv in Spezialläden in Irland, oder als Starbar in Originaloutfit mit Peanut Boost weniger exklusiv, aber ebenfalls in Irland, oder aber als Cadbury Wunderbar an allen Tankstellen der Welt. Es muss abschliessend festgestellt werden, dass moderne Snickers nach altem DDR-Waschmittel schmecken, während alle Starbar-Derivate köstlich im Mund die Schätze des Orients ausbreiten (Schokolade, Karamel, Erdnuss).

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Unterschätzte Forschungsgebiete


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