Riesenmaschine

28.04.2007 | 20:22 | Nachtleuchtendes | Sachen kaufen | Papierrascheln

Bücherzimmerpogrom


Gemütliche Diskussion über die Werke von Günter Grass.
Wenn sich früher Bücher und andere Schriftstücke keiner grossen Beliebtheit erfreuen konnten, dann flogen sie kurzerhand ins Feuer. Entweder daheim in den Kamin oder unter freiem Himmel in rauschende Flammen, nicht selten umrahmt von Trubel und Volksfesten. Weil uns aber die Nazis öffentliche Bücherverbrennungen verleidet haben, wird heutzutage an grossen offenen Feuern nur noch gesoffen und gegrölt. Jetzt kann man sich die klassische Rezensionsatmosphäre aber immerhin wieder ins eigene Studierzimmer holen, nämlich mit dem neuen scheiterhaufenförmigen Firetable von fuego. Nun fehlen nur noch Fire-Schreibtische, mit deren hervorstechender Feuersbrunst man jedes drückenden Papierbergs Herr zu werden vermag.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


28.04.2007 | 10:23 | Alles wird besser | Sachen anziehen

It's Fara Day


E-Nostalgie (Foto: squelchey, Lizenz)
Gummischuhe mögen der Trend des Sommers 2007 sein, aber der Faraday-Käfig ist der Trend des 22. Jahrhunderts. Elektromagnetismus, die Geissel unserer Zeit, lässt sich nur mit Hilfe von Metallgittern bekämpfen, und solange es noch Metall auf der Erde gibt, wird man reich werden, wenn man Faraday-Käfige produziert, die, wenn richtig angewendet, die tödlichen Elektronen vom Körper abwenden. Im April 2007 wurde Sarah Dacre noch belächelt. Geplagt von WLAN-Terror und Mobile-Trubel. war sie eine der ersten staatlich geprüften Elektromagnetismus-Kranken, und ihr auf dem Kopf getragenes Faraday-Netz sah für die damalige Zeit kaum unmodischer aus als ein Moskito-Schutz. Aber schon bald danach, als Atom-U-Boote fortwährend explodierten, nuklearer Regen niederging, und zu allem Überfluss auch noch die Sonne koronale Strahlenstürme auf uns warf, wurde es unerlässlich, zuverlässige Faraday-Käfige, -Hüte, und -Decken in Massenproduktion anzubieten. Der Faraday-Käfig, "their time is NOW" – als Geschäftsidee praktisch das, was die Klimaanlage im Jahr 2007 war.


27.04.2007 | 16:22 | Alles wird schlechter | Sachen anziehen

Es wird ein extremer Sommer


Gummi-Clogs: "Sie werden so massiv über uns hereinbrechen, dass jeder Mensch zwei Paar gleichzeitig tragen wird." (Kathrin Passig)
Wie auch immer die Menschheitsgeschichte verlaufen mag, ob linear geradeaus oder in Zyklen im Kreis herum, der unumstössliche Witz an ihr ist, dass jede Epoche mit völliger Übersteigerung ihrer Charakteristika abschliesst: Gegen Ende des Imperium Romanum wurde mehr gekotzt als gefressen, zum Ausklang der Scholastik ereiferte man sich in hässlichen logischen Spitzfindigkeiten, der Barock kippte nach der Explosion seiner kolossalen Sinnlichkeit um in die dröge Aufklärung und das Zeitalter der modernen Ideologien zerplatzte schliesslich in einem schillernden Atompilz. Was für Geschichte im Allgemeinen gilt, gilt für die Trendproduktion in Potenz: Die Anzeichen mehren sich, dass die Geschichte der Sommerschuhe sich einem vorläufigen optischen Fluchtpunkt nähert, und zwar in Gestalt von Gummi-Clogs in transästhetischen Formen und gleissenden Farbgebungen. Schon bald wird das ganze Land seine Fusswege mit diesen grobschlächtigen Pantoletten bemeistern und der furchtlose Betrachter kann sich an ihnen erfreuen, wissend, dass hier der Boden für Neues breitgetreten wird – wenn die Geschichte zyklisch läuft, dann nächsten Sommer vielleicht wieder barfuss, lediglich gekleidet in Schorf und Grind.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (21)


27.04.2007 | 07:10 | Anderswo | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Wofür?

Warum gibt es Plattentektonik nur auf der Erde? Wieso haben Joghurt-Gums ohne Fett trotzdem so viele Kalorien? Weshalb sind alle Führhunde kastriert? Das sind alles Fragewörter, die andere benutzen mögen. Wir fragen stattdessen: Wofür? Wofür steht zum Beispiel dieser Easy Cheque Deposit-Automat unter der Pacific Plaza in Hongkong, wo doch der Scheck dabei ist auszusterben? Nun, letzteres trifft zwar für Europa zu, aber nicht für Südostasien (inkl. Hongkong und Macao). Die haptisch orientierten Menschen hier misstrauen der abstrakten Überweisung, weshalb man in der Region Scheck -Deponierautomaten allenthalben findet. Bleiben noch: Was, Wozu, Wieso. Was also ist mit dem am Automaten aufgeklebten Taschenrechner? Gewiss, es ist ein stolzer Casio HS -8VE Two Way Power, der für den Preis von 3,99 USD vertrieben wird, aber wozu soll man ihn benutzen? Ausrechnen, um welchen Betrag man vom Scheck-Aussteller über den Tisch gezogen wurde? Mutters Telefonnummer eingeben? Nachschauen, wie spät es ist? Und wieso ist in den Rechner die Zahl 4.000 – schwer zu erkennen, aber wahr – bereits eingegeben? Wir wissen's nicht, aber wahrscheinlich ... Sie!

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (8)


26.04.2007 | 13:15 | Sachen kaufen

Spack as spack can


Begrenzt komisch
Spackige Aktionen gab's und gibt's zuhauf: An einem Flashmob teilnehmen, mit der Miet-Harley die Überreste der "Route 66" entlangdrömeln, Zahnpasta unter anderer Leute Türklinken schmieren, zu sechzehnt in eine Bar einfallen und unisono "Caipi" bestellen – ach, man könnte stundenlang. In diese unrühmliche Liste lässt sich die Verwendung des Bombenweckers nahtlos integrieren. Dieses Weckinstrument sieht so aus, wie sich Horst Pampel aus Berlin-Mariendorf eine Bombe vorstellt. Wie zu erwarten, weckt die Bombe ihren Benutzer mit fortwährenden Explosionsgeräuschen und ist nur durch Eingabe eines von drei zufällig ausgewählten möglichen Codes zu besänftigen. Es ist zu befürchten, dass schon bald einige Ryanair-Flüge noch später starten als sowieso schon, weil weisse Dreadlockträger aus Freiburg mit derlei skurrilem Reisegepäck den ganzen Betrieb aufhalten und das eh schon überlastete Flughafensicherheitspersonal gänzlich in den Wahnsinn treiben.


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