Riesenmaschine

18.09.2009 | 10:15 | Berlin | Anderswo | In eigener Sache

Ein Buch wie ein Atomtest


Der Autor bei einer Levitenlesung während der Kulturrevolution, ca. 1972

Nachdem Christian Y. Schmidt im letzten Sommer mit seinem Reisebuch Allein unter 1,3 Milliarden – Eine chinesische Reise von Shanghai bis Kathmandu überraschend auf der Spiegel-Bestsellerliste landete, erscheint in diesem Herbst pünktlich zur Chinabuchmesse in Frankfurt sein zweites China-Buch: Bliefe von dlüben. Der China Crash-Kurs erklärt in einfachen Worten, weshalb in China dreissig Tage im Jahr Krieg herrscht, warum die Pandas ausgerottet werden müssen oder wieso die meisten Chinesen sich in einer Stadt nicht orientieren können. Ausserdem erfährt man fast alles über chinesische Pop-, Rock- und Punkmusik, über Raub-DVDs, die Sprache Chinglish, Huntingtons Stadtplan, das chinesische Raumfahrtprogramm, Wachskaulquappen, den Fluch der Saiga-Antilope oder das chinesische Internet. Wer das Buch liest, hat am Ende ein komplettes China-Abitur in der Tasche, das es ihm erlaubt, demnächst zusammen mit den Chinesen diesen Planeten zu übernehmen und das Weltall vielleicht auch.

Um dieses ziemlich unentbehrliche Kompendium zu präsentieren, kommt Schmidt, der ansonsten als Senior Consultant der Zentralen Intelligenz Agentur in Peking wohnt, im Herbst zu einer mittelgrossen Tournee nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Die Tour beginnt am Sonntag, den 20. September, um 20 Uhr im Monarch in Berlin-Kreuzberg, und führt bis November durch insgesamt zwanzig verschiedene Städte. Dabei wird nicht nur vorgelesen, sondern es werden wohl auch wirre China-Fotos an die Wand geworfen und chinesische Krachmusik gespielt. Kommt alle zu den Lesungen, bevor es am Ende andere tun!


16.09.2009 | 17:48 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Abschied von H0

Die Abschaffung sämtlicher Materie mit Ausnahme von Schaumzuckermäusen ist seit jeher eins der zentralen Ziele der Riesenmaschine. Materie, gleich nach dem Fickwunsch zweitwichtigstes Übel der Menschheit, belästigt und beschwert uns bei vielen Gelegenheiten von der Schlüsselbundsuche bis zum Klaviertransport. Aber ganz ohne Umstellungsschmerzen wird sich der Abschied von der Materie nicht vollziehen lassen, Übergangslösungen sind gefragt. Wo auf Materie nicht verzichtet werden kann wie z.B. im Modelleisenbahnbau oder beim Bezahlvorgang, da kann man zumindest versuchen, ihre Menge so gering wie möglich zu halten. Mit gutem Beispiel geht David K. Smith voran, der die kleinste Modelleisenbahn der Welt sowie eine noch etwas kleinere Modelleisenbahn gebaut hat (via Hacker News). Im Video nicht zu sehen: Im letzten Waggon sitzt ein Männchen, das Gesichter in Kirschkerne schnitzt. Ein sperriger Hobbykeller ist damit nicht mehr erforderlich, er wird von der zuständigen Materieentsorgungsstelle nach Terminvereinbarung kostenfrei abgeholt.


10.09.2009 | 17:26 | Berlin | Anderswo | Sachen kaufen

Am Ende des Regenbogens liegt Halle 26


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Sofern man nicht gerade Messetüten sammelt oder Flachbildschirmfetischist ist, gibt es eigentlich nur einen einzigen guten Grund, die IFA zu besuchen: Die "International Halls", vom Veranstalter in der abgelegenen Halle 26 im Südwesten des Messegeländes versteckt. Hier findet man keine opulente Messearchitektur, keine zierend hingestellten Formel-Eins-Autos oder Cyborg-Puppen, keine 3D-Kinosäle, keine eloquenten Presenter mit Headsetmikro, keine Gewinnspiele mit Glücksrad- oder Wii-Einsatz und nicht einmal Hostessen. Stattdessen residieren in zahllosen kleinen Boxen, die es offensichtlich beim Messebaudiscounter im Hunderterpack billiger gab, Firmen mit den tollsten Namen, die ganz nebenbei das Ausstellerverzeichnis zuspammen und elegant auf die doppelte Länge aufblasen.

Sie alle stellen direktimportierte Kostbarkeiten direkt aus dem Herzen des chinesischen Sweatshop-Kapitalkommunismus aus: Laptoptaschen, Toaster, Uhren, Ventilatoren, Haarglätter, Adapterstecker, manchmal auch bloss Kabel oder Batterien. An jedem Stand sitzen natürlich auch mindestens zwei echte Chinesen oder Chinesinnen und verteilen Visitenkarten und dicke Broschüren, mit Fotos aus den Produktionsstätten und eingescannten Urkunden von der lokalen Handelskammer. Und so kann man sich für einen Moment wie auf der grandiosen China Russian Mongolian Technology Exhibition and High-Tech Fair im nordchinesischen Manzhouli fühlen, nur dass draussen nicht die innermongolische Steppe beginnt, sondern Charlottenburg.

Besonders empfehlenswert ist ein Besuch am letzten Messetag. Dann bauen die Aussteller ihre Stände ab und Halle 26 wird zum Flohmarkt. Alles muss raus, drei Toaster für 8 Euro, kein Problem, und vereinzelt finden sich sogar an den Halterungen der Regale für die eigentlichen Ausstellungsstücke handgeschriebene For-Sale-Zettel. Findige Berliner Import-/Export-Experten rollen die Waren sackkarrenweise aus der Halle, während den Chinesen so langsam alles egal ist und einige nach Landessitte öffentlich schlafen.

Schon jetzt kann man sich den Besuch in Halle 26 wieder als Pflichttermin für 2010 in den Kalender eintragen. Und dann gibt es dort hoffentlich auch die in diesem Jahr schmerzlich vermissten wirklich interessanten Exportgüter aus China im Angebot.


09.09.2009 | 03:02 | Anderswo | Fakten und Figuren

WHD mit geringem MHD

Am heutigen 9.9.09 findet zum dritten Mal der World Hoop Day statt. Auf allen sechs Kontinenten wird gehoopdancet und die World Hoop Day Organization sammelt Spenden, damit auch Kinder in
Drittweltländern Hula-Hoop-Reifen bekommen können. Der erste World Hoop Day fand übrigens am 7.7.07 statt, seitdem wandert das Datum und wird es auch weiterhin tun – bis 2013 das böse Erwachen kommt, manche Leute scheinen wirklich nichts aus dem Jahr-2000-Problem gelernt zu haben. Möglicherweise vertraut die WHD Organization aber auch einfach dem Kalender der Maya, laut deren Berechnungen am 21. Dezember 2012 sowieso das gegenwärtige Vierte Zeitalter endet und die Welt untergeht.


08.09.2009 | 00:03 | Berlin | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Good Family Value for Money


Family Drink: hochprozentiger Spass für die ganze Familie
Ja, es stimmt wohl, dass nicht nur der Jazz und World of Warcraft unsere Familien auseinanderreissen, sondern immer wieder auch der Alkohol. Während Vater dem Korn zuspricht, die Kinder sich die Kehlen mit bunten Alkopos verkleben, pendelt Muttern zwischen Prosecco und Baileys. Irgendwann ist eine Verständigung zwischen den Generationen und Geschlechtern nicht mehr möglich. Der Politik fällt nichts besseres ein, als den Missstand zu bejammern und hilflose Kampagnen gegen den Alkoholkonsum an und für sich aufzusetzen. Dabei kann die Lösung doch auch viel simpler und pragmatischer ausfallen, wie jetzt das Coconut in der Berliner Danziger Strasse mit seinem "Family Drink"-Angebot demonstriert. Es umfasst wahlweise 1 Fl. Wodka 0,7 l + 2 Fl. Energy 1,5 l oder 1 Fl. White Rum 0,7 l + 2 Fl. Cola 1,5 l für jeweils 25,- €. Wahrlich, ein fairer Preis und gut investiertes Geld für familiären Frieden und häusliche Harmonie.


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"Volver", Pedro Almodovar (2006)

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