Riesenmaschine

22.07.2007 | 00:42 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Airbladerunner

Die Geschichte der Lufttrocknung war bislang kurz und peinlich. Hält man seine Hände unter einen handelsüblichen Lufttrockner, so gibt der nicht nur Geräusche von sich, als würde er gerade in Polen einmarschieren, er schafft es zusätzlich auch noch, das Wasser an der Hand nicht etwa weg-, sondern einfach von der einen Seite auf die andere Seite zu befördern. State-of-the-Art Ganzkörpertrockner versprechen Trockenheit nach drei Minuten, eine Zeit, die behende Handtuchartisten locker unterbieten. Die Hilfslosigkeit heisser Luft führte dann auch folgerichtig zu einer Ära, die von Experten der Branche als Renaissance des Papierhandtuchs oder, schlimmer noch, des moribunden Stoffhandtuchspenders bezeichnet wird. Möchte man in so einer Zeit leben?

Eine seit Mai 2007 rhetorische Frage, denn sie ist vorbei, diese Zeit. Dyson, sonst eher fürs Saugen denn fürs Blasen bekannt, bringt den Dyson Airblade auf den Markt, und für die nächsten dreitausend Jahre ist das Handtrocknungsproblem gelöst. Der Airblade sieht zum einen gut aus, ein bisschen wie eine inverse Gebärmutter aus Edelstahl. Zum zweiten kann man die feuchten Körperteile elegant von oben hineinhalten und muss nicht unwürdig unter einer Höllenmaschine herumfummeln. Zum dritten verhält er sich so leise wie ein totes Robbenbaby in Neufundland und zum vierten verfügt er über einen digitalen Motor, was auch immer das ist. Zum fünften bis ungefähr zwölften schliesslich sind die Hände total erstaunlich nach drei Sekunden trocken. Ungelogen, wir haben das aus lauter Pflichtbewusstsein viele tausend Male ausprobiert, am Flughafen London-Gatwick, wo man den Dyson Airblade schon in freier Wildbahn antreffen kann.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Heisse Luft revisited


15.07.2007 | 04:38 | Anderswo | Fakten und Figuren

Enuf is enuf


Spelling Bees (Bild typähnlich)
Foto: Emelobi, Lizenz
Ausflug in ein fremdartiges Universum: Ein Spelling Bee ist nicht etwa eine hyperintelligente Biene, sondern ein Buchstabierwettbewerb, dokumentiert im Science-Fiction-Klassiker Spellbound und im angenommenen Universum ein sehr populäres Ereignis. Bei der letzten Weltmeisterschaft, dem Scripps National Spelling Bee Ende Mai in Washington D.C., gewann Evan O'Dorney durch richtiges Buchstabieren des Wortes "serrefine", was auch immer das bedeuten mag. Pickets of English Spelling sind dann auch nicht etwa alphabetisch angeordnete Zaunpfosten, sondern Bestreikungen eines Spelling Bee. Auftritt der Simplified Spelling Society (SSS): Seit fünf Jahren bestreikt die SSS mit ihrem Maskottchen BeeMan (es ist ein seltsames Universum) den National Spelling Bee, zusammengenommen das 5th Annual Picket of National Spelling at National Spelling Bee, ein Fachbegriff, den man sich merken muss.

Die Stimmung ist schlecht im fremden Universum. Seit 99 Jahren versucht die renitente SSS eine Buchstabierreform durchzusetzen, die im Vergleich zur deutschen Rechtschreibreform aussieht wie etwas sehr Grosses neben etwas sehr Kleinem. Anlässlich des 5th Annual Picket of National Spelling liess die irdische BBC kürzlich Experten über das Spelling Dilemma diskutieren, konkret SSS-Schergin Masha Bell und Prof. Vivian Cook, bekanntgeworden mit dem Gemüsebuch Accomodating Brocolli in the Cemetary. Mit vorhersehbaren Argumenten, hier nur ein Beispiel (in korrekt vereinfachtem Englisch): Worldwide, English spelling wastes zillions, not onely in terms of time and effort, but in real munny too: for remedial education and to suport functionally illiterate adults. The latter ar also mor likely to becum yung singl parents, end up in jail, be adicted tu drugs and alcohol and hav poor helth.

Zustände sind das. Ins Gefängnis wegen schlechter Rechtschreibung? Drogenabhängig durch zerschmetternde Niederlagen beim Buchstabieren? Und die alles umgreifende Frage: Gibt es eine Sprache, die wirklich jeder Idiot schreiben kann? Gut, dass es solche Probleme bei uns nicht gibt.


13.07.2007 | 02:58 | Alles wird besser

Landwirtschaft 2.0


Row Detection Software (schematisch)
Foto: Jan Tik, Lizenz
Landwirtschaft ist eine lästige Sache und wurde darum zu Recht nach Erfindung der Industrie in die Provinz verlagert, wo es den Leuten wegen Mangel an Alternativen nicht so auffällt, wenn sie den ganzen Tag im Dreck wühlen müssen. Gut, das war ein provinzverachtender Anfang, aber er dient nur dazu, die Aufmerksamkeit auf den dänischen HortiBot zu lenken, und dazu muss jedes Mittel erlaubt sein. HortiBot ist ein vollautomatischer Pflanzenbeaufsichtigungsroboter mit halbautomatischer (selber klicken) Website. Spezialität HortiBots ist das Präzisionsjäten, inklusive "row detection software" und Eliminierung von 25 verschiedenen Unkräutern, unter anderem mit Hilfe eines Flammenwerfers. Wie die dänischen Videos zeigen, funktioniert es zwar noch nicht ganz perfekt, aber man darf Hoffnung schöpfen: "Präzisionsjäten" ist genau die Sorte Innovation, die darauf hindeutet, dass Landwirtschaft, seit Jahrhunderten mit dem Appeal der Rückständigkeit behaftet, kurz davor steht, zur exakten Wissenschaft zu werden, überfällig, jetzt wo Physik nicht mehr dazu zählt. Dabei kann man auch tolerieren, dass derselbe Roboter zum automatischen Füttern von im Freien lebenden Schweinen eingesetzt werden kann. Fortschrittlicher als im Freien leben wäre natürlich die Unterbringung aller Schweine in einer Art Hochhausstadt, sagen wir, in Holland (no offense!).

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Der elektrische Unkrautjäti


10.07.2007 | 03:13 | Essen und Essenzielles

Water goes anywhere


Quelle (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wir leben in wundervollen Zeiten. Früher zum Beispiel hatten die Leute nur drei Sorten Wasser: sauberes Wasser, dreckiges Wasser und Wasser, in dem das tote Pferd liegt. Heute dagegen gibt es Wasser ohne Gas, mit Gas, ohne Mineralien, mit Mineralien, ohne Geschmack und seit circa letztem Jahr auch mit Geschmack (wir berichteten). Und weil Geschmack nun auch nicht das Gelbe vom Ei ist, gibt es Volvic-Wasser nun auch mit Kick-Geschmack, oder genauer gesagt mit Kick-Flavour, und heisst dann Volvic Revive (Achtung, grauenvoll infantiler Flash-Dreck). Klingt soweit okay, aber was soll "Kick" genau bedeuten? Kinderleichte Frage, denn bei einem Kick handelt es sich in Zeiten der antiautoritären Erziehung, wie jeder weiss, um einen Zuschuss aus Guarana, Ginseng und Koffein. Wir erleben hier also die Hochzeit von Wasser mit Geschmack (in gekickter Form) und Energiedrink, der ja per se über einen Kick und (leider) auch über Geschmack verfügt, oft von toten Pferden, womit der Kreis sich schliesst. Früher hätte man über solche Scherze nicht lachen können.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Marula, warum?


05.07.2007 | 20:05 | Alles wird besser

Not-so-peanuts


Kohliger Chondrit aus dem All mit unsichtbaren Diamanten (Quelle: Wikipedia Commons, Lizenz)
Alchimie, die Herstellung von Gold aus, zum Beispiel, Erdnussbutter, ist heute nicht mehr besonders populär. Das liegt unter anderem daran, dass Erdnussbutter überhaupt kein Gold enthält, wie die Packungsbeilage bereitwillig verrät. Auf der anderen Seite enthält Erdnussbutter einen grossen Anteil Kohlenstoff, genauso wie Rindenmulch und Mistkäfer übrigens. Dies wiederum erlaubte schottischen Neo-Alchimisten einen elementaren Coup: Wie die BBC gerade berichtete, gelang es Dr. McMahon vom "Centre for Science and Extreme Conditions" in Edinburgh, aus Erdnussbutter Diamanten herzustellen, und zwar einfach, in dem er die Paste ziemlich fest zusammendrückte. Offen gibt McMahon zu, den Erdnussdiamanten nur erzeugt zu haben, damit wir uns für ihn interessieren, einem Wunsch, dem wir sofort nachkommen, während in Schottland mit derselben Technik bereits Sauerstoff in "rote Kristalle" verwandelt sowie an der Herstellung von "metallischem Wasserstoff" gearbeitet wird. Alles schön und gut, aber man sollte darüber die Diamantensache auf keinen Fall vernachlässigen. Denn Diamanten sind teuer und ein armes Land wie Schottland mit nahezu unbegrenztem Erdnussvorrat (Supermarkt) könnte auf diese Weise die Welt aus den Angeln heben.

(via Improbable Research)


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