Riesenmaschine

19.10.2005 | 10:16 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Neue koreanische Dienstleistungen: Stauverkäufer

Wer auf südkoreanischen Autobahnen im Stau steht, braucht nicht mehr zu verhungern. Dafür sorgt die neueste koreanische Dienstleistungsinnovation: Der mobile Stauverkäufer. Ein Job mit Zukunft, denn auf den Autobahnen des Landes wird mehr gestanden als gefahren. Das mag daran liegen, dass die Koreaner mittlerweile zwar gelernt haben, gute Autos zu bauen, aber noch nicht so ganz, wie man sie zügig bewegt. Wie dem auch sei: Mit der Schaffung von Arbeitsplätzen als Stauverkäufer (und Verbeuger) ist Südkorea die Quadratur des Arbeitsmarktkreises gelungen: Die Leute von der Strasse holen, indem man sie auf eben diese stellt. Vielleicht auch demnächst bei uns, am Kamener Kreuz oder auf der Avus?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Asien Spezial: Korea & Vietnam

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (4)


18.10.2005 | 16:27 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Neue koreanische Dienstleistungen: Verbeuger

Die Arbeitslosigkeit in Südkorea ist weltweit eine der niedrigsten. Sie beträgt irgendwas zwischen
3,4% und 3,6%
. Wie die Südkoreaner die Arbeitslosenzahl in den Griff bekommen, konnte die Riesenmaschine in Seoul und anderen grossen Städten beobachten. Hier arbeiten junge Menschen als professionelle Verbeuger. Von grossen Unternehmen mitten auf der Strasse plaziert, haben diese Dienstleister vor den passierenden Luxuskarossen das zu machen, was man in Deutschland früher einen Diener nannte, wobei gilt: Je grösser der Wagen, desto tiefer. Anschliessend wird mit Händen oder Stäben herumgefuchtelt, meist um die PKW in Tiefgaragen zu locken, die zu grossen Shopping-Malls gehören. Verbeuger tragen bei der Arbeit immer eine Montur, die entfernt an das Outfit amerikanischer Gangster aus den dreissiger Jahren (Borsalino & Co.) erinnert, wahlweise aber auch an das von historischen chinesischen Verbrechern (Busan). Deutlich vorteilhafter kommen weibliche Verbeuger daher, die High Heels und kurze, enge Röcke tragen, dafür aber leider mit den Händen affige Sprechbewegungen machen. Solcherlei Benehmen, das man im Rest der Welt nur von Party-Schattenspielen kennt ("Ich mache jetzt mal ein Krokodil"), gilt in Südkorea als besonders höflich.

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Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link


20.09.2005 | 12:27 | Anderswo | Alles wird besser | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Cake Side of the Moon

Während die Deutschen den letzten Sonntag mit sinnlosem Wählen verbrachten, feierten die Chinesen das Mittherbst- oder auch Mondfest. Dieses geht auf gleich mehrere Legenden
zurück, in welchen unter anderem der weltbeste Bogenschütze, seine Frau, ein Unsterblichkeitstrank, zehn Sonnen und ein Hase, der sich selbst brät, tragende Rollen spielen. Traditionell werden anlässlich dieses Feiertages so genannte Mondkuchen verschenkt, kreisrunde süsse Küchlein aus Mürbeteig, die mit allem gefüllt werden, was dem Chinesen unterkommt: salzige Enteneier, Gehacktes, Stinkfrucht-Mus, Rote-Bohnen-Paste oder Häagen-Dasz-Eis. Für den bestechungsfreudigen Beamten hält die Mondkuchen produzierende Industrie bisweilen sogar mit echtem Gold gefülltes Gebäck bereit, im Wert von einigen Tausend Euro. Allerdings sind auch klassische Mondkuchen nicht gerade billig: Für einen der möglichst überdimensionierten Kuchenkartons wandern in der Regel zwei- bis vierstellige Eurobeträge über den Ladentisch.

Die Chinesen zahlen diese Mondpreise leichten Herzens; in den letzten Wochen sah man praktisch keinen Pekinger ohne mindestens einen Kuchenkarton auf der Strasse. Das ist insofern bemerkenswert, als dass das teure Feiertagsgebäck kaum einem Chinesen schmeckt. Eine Blitzumfrage der Riesenmaschine in der chinesischen Hauptstadt ergab, dass knappe zwanzig Prozent der einheimischen Mondkuchenempfänger diese auch tatsächlich verzehren. Der Rest entsorgt die gefürchteten Kalorienbomben nach einigen Anstandswochen diskret über den Hausmüll.

Dass dieser Kuchenkauf- und Vernichtungsrausch nicht unerheblich zum anhaltenden, gigantischen chinesischen Wirtschaftswachstum beiträgt (voraussichtlich 9,5% für 2005), wurde bisher von den Ökonomen dieser Welt nicht hinreichend berücksichtigt. Vielleicht aber behält die sich demnächst irgendwie konstituierende deutsche Bundesregierung dieses Konjunktur-Ankurbelungsrezept im Auge und führt auch in Deutschland das Mondfest ein.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


28.08.2005 | 15:21 | Anderswo | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Label Inflation

Jährlich verleiht die "General Administration of Quality Supervision, Inspection and Quarantine of the People's Republic of China (AQSIQ)" (früher: "State General Administration of the People's Republic of China for Quality Supervision and Inspection and Quarantine (AQSIQ)"
in Zusammenarbeit
mit dem "China Top Brand Strategy Improvement Committee" in der Grossen Halle des Volkes zu Peking das Label "China Top Brand". Ausgewählt werden dafür Produkte, die sich durch grosse Umsatzzahlen sowie durch zufriedene Kunden und einen gewissen Exportumfang ausgezeichnet haben, darunter Haushaltselektronik, hervorragende Sojasaucen und Weine. Erkennen kann der Konsument ein solches Top-Produkt an einem Logo, das offensichtlich von sehr alten und sehr bösen Designern aus einem einst etwas grösseren mitteleuropäischen Land entworfen wurde. Verwundern muss allerdings, dass in diesem Jahr auch simple Hochspannungsschaltkästen mit dem Top-Label ausgezeichnet werden, wie unser Beispiel zeigt. Der Kasten steht im Pekinger Dongcheng-Distrikt im von der "Kommunistischen Jugend Liga" angeregten und angelegten "Youth Lake Park". Angesichts dieses inflationären Gebrauchs fragt die Riesenmaschine irritiert: Quo vadis, "General Administration of Quality Supervision, Inspection and Quarantine of the People's Republic of China (AQSIQ)" (früher: "State General Administration of the People's Republic of China for Quality Supervision and Inspection and Quarantine (AQSIQ))" bzw. "China Top Brand Strategy Improvement Committee"?

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


17.08.2005 | 14:10 | Anderswo | Alles wird besser | Sachen anziehen | Zeichen und Wunder

Back to No Future



Seit H.G. Wells erstem Roman (1895) ist die Menschheit auf der Suche nach der Zeitmaschine. Jetzt hat die Riesenmaschine sie gefunden. Die Maschine sieht aus wie ein normales Flugzeug, das nach Peking fliegt. Dort angekommen, steht es dem Passagier frei, zwischen einem Aufenthalt in der frühen Neuzeit (Hutong-Siedlungen) oder der übernächsten Zukunft (New Central Business District) zu wählen. Mit etwas Glück (auf Aushänge achten) katapultiert es ihn auch direkt zurück ans Ende der Siebziger Jahre, wo er einer echten Punkbewegung beim Aufbrechen zusehen darf.
Punks und Punkbands gibt es zwar schon seit rund zehn Jahren in China, doch anders als im Westen wirkt Punk hier immer noch so, als sei Malcolm McLaren gerade gestern erst eine irre Idee gekommen. Unsere Riesenzeitmaschinenbilder zeigen ein Open-Air-Konzert vom letzten Wochenende, das auf dem Gelände des "Maple Leaf"-Autokinos im Pekinger Osten stattfand. Zwölf Gruppen traten auf, darunter auch ein paar lustige Skin-Bands (im Bild "Mi San Dao"). Linke Skins, versteht sich, so wie ganz, ganz früher eben.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


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