30.07.2009 | 01:31 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles
 Theoretisch seit 1996 auf dem Markt, praktisch erst jetzt: die kleine Normbrunnenflasche (gesehen im Kaufpark, Lüdenscheid) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Wenn irgendeine soziale Innovation die Wunderjahre 1968/69 überdauert und die Gesellschaft nachhaltig verändert hat, dann ist es die Normbrunnenflasche bzw. Brunneneinheitsflasche aus der Feder von Günter Kupetz. Ihr Marsch durch die Institutionen bis hinein ins Politisch-Private war ebenso schleichend wie unaufhaltsam und dauert an. Der Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaften des Ostblocks schlug sich mit einiger Zeitverzögerung nieder in der Umstellung des Materials von Glas auf PET – was der Grundform mit ihrer handschmeichlerischen Perlstruktur aber nichts anhaben konnte. Sie passte sich an, aber sie liess sich nicht verbiegen. Fast unmerklich wuchs das Volumen dabei von 0,7 auf einen Liter. Nun, passend zur Krise des globalen Kapitalismus, vollzieht sich an ihr eine erneute Metamorphose, wobei die ikonische Form abermals unangetastet bleibt. Die Griffmulde wird enger geschnallt, die Perlflasche kommt – massstabsgetreu verkleinert – als 0,5-Liter-Format im entsprechend nied- und handlicherem 12er-Kasten. Aber ob uns das wirklich davon abhält, ganz auf Leitungswasser umzusteigen?
06.07.2009 | 10:15 | Berlin | Alles wird besser
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Pfandflaschen in Mülleimer: ziemlich daneben. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Was passiert, wenn Designer sich nicht länger nur um die Probleme des reichsten Zehntels der Weltbevölkerung bekümmern, sondern zur Abwechslung die vielleicht sogar schwerwiegenderen des grossen Restes in Angriff nehmen? Es entstehen unter anderem so schlichte und nützliche Dinge zur Verbesserung des einfachen Lebens wie die Q Drum oder der LifeStraw. Auch bei uns, im Herzen des zusammenbrechenden Kapitalismus, wären mit diesem Ansatz durchaus sinnvolle Anwendungen vorstellbar.
Leider blieb Holger Jahns Vorschlag, wie man die 30.000 Berliner Mülleimer aufrüsten könnte, damit Bedürftige nicht mehr unwürdig nach Pfandflaschen in ihnen herumstochern müssen, bislang unerhört. Dafür gibt es jetzt einen Workaround in Form nebenstehenden Aufklebers. Immerhin eine Art Anfang.
Schliesslich sind wir in Deutschland dank Dualem System etwa gleichweit entfernt von einer Reparierökonomie à la Uruguay, der Heinzelmännchenwirtschaft von US-Grossstädten, wo man den Hausmüll nach Wertstoffart in durchsichtige Plastiktüten steckt, damit sie sortenrein zur nächsten Sammelstelle gebracht werden können, und dem überragenden SERO-System der DDR. Wenn die Initiative auch kaum etwas gegen die schleichende Verwahrlosung von gefühlt etwa neun Zehnteln der Berliner Wohnbevölkerung auszurichten vermag, könnte sie doch wenigstens zur Bodenbildung bei der Mehrwegquote beitragen.
07.06.2009 | 13:48 | Anderswo | Alles wird besser
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) Die automobile Evolution bei der Arbeit (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Im Pleistozän des Automobils – einige werden sich schwammig erinnern – besassen Autos Stossstangen aus blitzendem Chrom, die mit robustem Gummi abgekoffert waren. Man konnte damit nach Lust und Laune andere Autos rammen, und auch mal eine Parklücke vergrössern, bis das trummartige Gefährt hineinpasste. Heute lässt sich dieser Anachronismus nur noch vereinzelt auf Jahrmärkten beim Autoscooter, dem Quastenflosser unter den Fahrzeugen, beobachten. Die automobile Design-Evolution hat indessen Frontschürzen im High-Finish der Wagenfarbe hervorgebracht, weswegen bei der leisesten Berührung ein kostspieliger Werkstattaufenthalt mit aufwändiger Lackierung oder Erneuerung der gesamten Front- oder Heckschürze fällig wird. Warum? Wie bei den Pfauenschwanzfedern: Weil es geht. Eine überraschende Volte in dieser Entwicklung zeichnet sich jetzt in den USA ab, dem Land, das aus Automobilen aufgebaut wurde – genauer gesagt in New York, wo der Verkehr niemals schläft, allenfalls ruht: klobige Schaumstoffmatten, die während der Fahrt im Kofferraum verstaut und zum Parken vorn und hinten appliziert werden. Zugegeben, das wirkt noch etwas ungeschlacht, aber Mutation und Selektion werden es schon noch rundlutschen. Vielleicht kommt am Ende ja so etwas wie die Autoscooter-Pufferzone heraus. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass die Evolution ein und dasselbe Ding mehrfach erfindet.
20.05.2009 | 13:47 | Anderswo | Nachtleuchtendes
 (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.) (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Ein Gespenst geht um in Europa, seit die Amis einen Werbetexter zum Präsidenten gewählt haben: Change! Einer der wenigen Orte, an dem man sich bislang vor der grassierenden Geissel in Sicherheit wähnen konnte, war die Rheinfelder Bierhalle im Zürcher Niederdorf, die trotz ihrer avantgardistischen Website vor allem für eins stand: Beständigkeit! Die Schweinsleberli mit Rösti kostet seit eh und je 13,50 SFr, den Service versehen die beiden launischen Schwestern mit den Vogelnestfrisuren und die Bekleidung der Stammgäste bildet ein schräges Mode-Medley der 40er, 50er und 60er. Betritt man dieser Tage die Bierhalle, scheint auf den ersten Blick alles beim Alten: die abgewetzten Biertische und Bierfilze, die Holzpanelen und vergilbten Wände, das angesoffene Publikum... erst beim betreten der Waschräume trifft einen der Schock des Neuen mit voller Wucht. Dort nämlich hat ein verstrahlt-retro-modernistischer Geist gewütet, kubistischen Edelstahl ausgebreitet, alles in 80er-Jahre-Schwarz gefliest und die Türen in Mondrian-Farben gestrichen wie weiland die Wet-Gel-Tuben von "Studio-Line". Der Sexpielzeug-Automat wurde in den Vorraum verbannt, dafür hat Ambient-Werbung für Prostatamittel in den Pissoirs einzug gehalten, und der Gebläsetrockner spuckt einen giftigblauen Lichtkegel aus wie das Display Taiwanesischer Teenager-Handys. Wenn so der Wandel aussieht, an den wir glauben sollen, dann bleiben wir lieber noch eine Runde im Wartesaal der Geschichte, sprich: im Gastraum der Bierhalle sitzen, trinken noch ein grosses Helles und hoffen, dass die Zukunft niemals die Schwelle der Nassräume überklimmen wird.
16.05.2009 | 23:26 | Anderswo | Alles wird besser
 Fährt demnächst vielleicht unterirdisch: Cargotram (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)Klar, dass es so nicht weitergeht mit dem Güteraufkommen auf Strasse und Schiene. Die zwingende Alternative liegt für jeden medienhistorisch einigermassen beschlagenen Menschen auf der Hand: die gute alte Rohrpost. Und die entsprechenden Konzepte dafür liegen ja auch schon längst in der Internet-Schublade. Nur umgesetzt werden sie nicht. Nun endlich hat auch die Schweiz ihr eigenes XXL-Rohrpost-Konzept. Für die Swiss Cargo Tube soll das Bergland durchtunnelt werden wie der sprichwörtliche Schweizer Käse, selbstfahrende Wagons sollen darin Schwarzgeld, Schabziger und Rivella von St. Gallen bis La Chaux-de-Fonds transportieren. Bislang handelt es sich dabei allerdings nur um eine "Vision". Zu hoffen ist, dass die Umsetzung bei den Eidgenossen etwas schneller vonstatten geht als bei uns. Immerhin wird in Zürich bereits seit April 2003 der Hausmüll nicht mehr konventionell, sondern mit der Cargotram angeliefert.
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IN DER RIESENMASCHINE
ORIENTIERUNG
SO GEHT'S:
- Anklickverben
- Lazarett-Airbus
- künstliche Vorhaut
- Klo wegwerfen (statt putzen)
SO NICHT:
- oldschool Nagelscheren
- Kostenapparat
- ostentatives Pimmellogo
- eine Kanne Würmer aufmachen
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"Immer nie am Meer", Antonin Svobodan (2007)
Plus: 2, 6, 8, 9, 12, 28 Minus: 137 Gesamt: 5 Punkte
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