Riesenmaschine

04.03.2007 | 23:00 | Alles wird besser | Papierrascheln

Technologisches SprechaSprech


Das optomechatronische Auge von der Teekanone
(Foto: Kai Schreiber)
In der lustigen Online-Adventure-Parodie Kingdom of Loathing gibt es ein Monster, den "MagiMechTech MechaMech", in dessen Beschreibung es heisst, es sei "ein grosser Roboter, angetrieben von einer finsteren Mischung aus Magie und Technologie, aber weil hinreichend fortgeschrittene Technologie von Magie nicht unterscheidbar ist, ist das Mischungsverhältnis nicht zu erkennen." Die Beschreibung basiert auf Clarkes drittem Gesetz, das nicht nur für Technologien, sondern auch für die Beschreibung dieser Technologien gilt. War der "MagiMechTech MechaMech" noch eine Parodie eines der Science Fiction nahestehenden Unterhaltungsgenres, gilt für das grade neu gegründete International Journal of Optomechatronics vermutlich das genaue Gegenteil. Aber weil eben jede hinreichend fortgeschrittene Technologiebeschreibung nicht von Technobabbel unterscheidbar ist, werden wir es so bald nicht erfahren.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Vom mechanischen Verhalten biomedizinischer Substanzen


03.03.2007 | 21:43 | Anderswo | Was fehlt

Hirn hamstern, für dumme Zeiten


Erstaunlich violett ist es innen drin in so einem Nagetier. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Für Zeiten der Not hat die Natur das Hamstern erfunden. Und weil ja aufgrund eines kognitiven Irrtums es dem Menschen immer scheint, als würde alles schlechter, neigt er ganz grundsätzlich zur Anhäufung von Gebirgen aus Dingen, die ihm dann den Weg versperren. Er verhungert dann, weil der Weg zur Sammlung von Frühstücksfleischdosen von all den gekauften Hamstern versperrt wird. Man nennt sowas Ironie, wenn man nichts davon versteht.

Wenn man nichts von Sachen versteht, braucht man manchmal mehr Gehirn, das man sich zum Beispiel auf brainmaps.org beschaffen kann, wo fleissige Hamster 15 Terapixel davon zusammengetragen haben, für alle zugänglich. 15 Terapixel! Dagegen verblassen die Grassamen, die – zur Rettung der Welt nach der nächsten grossen Katastrophe – demnächst in der Weltuntergangsgruft (Doomsday Vault) in einem Berg bei Spitzbergen verscharrt werden sollen, zu einem hirnlosen Nichts. Zugegeben, "Doomsday Vault" ist ein hübscher Name für ein Loch in der Erde mit Gras drin, aber die Prioritäten sind verstellt, wo Gras eingelagert wird, und nicht Gehirn. Ohne Gras zu denken geht nämlich ganz gut, aber hirnlos Gras pflanzen: unvorstellbar.


03.03.2007 | 05:40 | Supertiere | Alles wird besser

Ferngesteuerte Schöpfung


Wenn Blicke von Tauben töten könnten, man müsste sich fürchten vor dem Mann mit der Fernsteuerung
(Foto: mybuffo) (Lizenz)
Man könnte behaupten, die Neigung der Menschen, an Magie und Fernwirkungen zu glauben, hänge damit zusammen, dass sie sich aus allem, was sie so um sich rum sehen, ein inneres Modell zusammenbasteln, und mit diesem Modell dann ja tatsächlich nach Belieben inneres Schindluder treiben können. Wenn man sich vorstellen kann, den schiefen Turm von Pisa gradezurücken oder eine Ente im Flug zu rupfen und zu braten, dann kann man das vielleicht tatsächlich. Man muss womöglich nur in die ohnehin schon halbdurchlässige Wand, die das Ding von seiner Repräsentation trennt, mit dem Denklaser ein schmurgelndes Loch brennen, fertig. Durch das Loch kommen dann zwar Fantasiesoldaten hereingepurzelt und usurpieren die Realität, aber das macht nichts, weil man die ja dann fernsteuern kann.

Lange Zeit war die Sprache das beste Mittel zu solcher Fernsteuerung, Kommandoton für Menschen, Hokuspokus für alle anderen, aber dann entdeckte der Mensch die Strahlen, den Servomotor und die Elektrode, und es konnte so richtig losgehen. Ferngesteuerte Autos, Unterhosen und Segelflugzeuge waren der Anfang, ferngesteuerte Küchenschaben, Ratten, Haie und – neueste Weltneuheit aus China! – ferngesteuerte Tauben sind ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Aber erst wenn wir uns durch das Umlegen eines Fernsteuerungshebels selbst dazu bringen können, einen Fernsteuerungshebel umzulegen, kann das Projekt Weltkontrolle als abgeschlossen gelten, und wir wieder ruhig durchschlafen. Durch beherzten Druck auf den Durchschlafknopf nämlich.


02.03.2007 | 12:02 | Anderswo | Alles wird besser

In den Krebsgang schalten


Glück im Unglück: übers zweite Loch glatt weggesegelt.
(Foto: salim) (Lizenz)
Automatikschaltungen für Fahrräder mögen einer der letzten Schreie einer aussterbenden Technologie sein; aber hört sie jemand? Denn auch wenn niemand im Wald steht, während ein Baum aufs Automatikfahrrad fällt, geht es ja kaputt. Na gut, das war jetzt eine etwas wilde Assoziationskette, und zudem orthogonal zur Fahrtrichtung des Artikels aufgezogen. Probieren wirs anders.

Wie jeder weiss, sind Fahrräder eine verkorkste Erfindung. Man kann nur in eine Richtung mit ihnen fahren, man kann nur eins der zwei Räder lenken, Draufsitzen ist verhältnismässig bequem und die Kette schmeckt nicht nach Erdbeeren, sondern nach Öl. Kein Wunder, dass kaum jemand ein Rad hat und die coolen Kinder alle Segway fahren. Das muss aber nicht sein, denn wenn man nur ein bisschen Grips bemüht, kann man auch das Problem Fahrrad im Handumdrehen lösen. Michael Killian, ein irischer Programmierer, hat einmal kurz beherzt nachgedacht, und ein Fahrrad entwickelt, dessen beide Räder lenkbar sind, und auf dem man sowohl vorwärts als auch rückwärts fahren kann. Beziehungsweise nach links oder rechts, weil man auf dem, äh, Gebilde, quer zur Fahrtrichtung sitzt und in die Pedale tritt. Nur die Kette schmeckt leider immer noch nach Öl, aber dafür gibts sicher bald einen Patch.


01.03.2007 | 02:58 | Supertiere | Alles wird besser

Als die Geräte stolpern lernten

Laufende Nasen gibt's ja nun schon länger, laufende Meter gibt es Stoffe am, aber laufende Roboter sind eine verhältnismässig neue Erfindung. Bis vor kurzem war Asimo von Honda der Rumlatschstar, aber jetzt hoppelt elegant Anybot Dexter ins Bild, oder, nun ja, stolpert oder stakst wie ein Operationsrekonvaleszent auf dem Krankenhausgang. Das sieht auf den ersten Blick zwar deutlich armseliger aus als Asimos sicherer Schritt, ist aber in Wahrheit viel beeindruckender, weil Dexter nämlich in jedem Moment sein Gleichgewicht von neuem ausbalanciert und sich nicht jeden Schritt vorher genau überlegen muss. Die Roboter haben damit jetzt, 86 Jahre nach der Erfindung des Wortes durch die Čapek-Brüder, das Niveau von zirka Einjährigen erreicht und können also so ungefähr 2437 eingeschult werden. Am besten jetzt schon mal eine Tüte vorbereiten für den grossen Tag.


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