Riesenmaschine

09.09.2006 | 06:48 | Anderswo | Alles wird besser | Sachen kaufen | Papierrascheln

Buchhalterlampenständervorstellartikel


Endlich die Hände frei im Bett zum, äh, über dem Bauch falten. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wer hatte nicht schon dieses Problem: man liegt im Bett und will gemütlich im Telefonbuch seiner Lieblingsgrossstadt schmökern, da schläft einem in rascher Folge erst der Arm und dann der Kopf ein. Am anderen Morgen wacht man tot auf, weil einen der Papierberg erstickt hat. Das ist ärgerlich, und muss nicht sein, denkt sich der Weltverbesserer, und überlegt sich eine Lösung, zwei, drei. Alles noch nicht praktisch genug, sagte aber der Japaner, und entwickelte pfiffig ein Ding, an dem man sich ein dickes Buch übers Bett hängen und gleich noch geschmackvoll beleuchten kann. Zwar ist ein bisschen enttäuschend, dass kein kleiner Godzillaarm eingebaut ist, der automatisch umblättert und als Lesezeichen dient, aber andererseits schläft man ja vermutlich vor dem Fertiglesen der Telefonbuchseite sowieso ein.


08.09.2006 | 22:59 | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Nagelhagel


Eine mosaicidentische Zeichnung, wenn man sich die Zeichnung weg und da Vinci aus Nägeln hindenkt. Zum Vergleich ein copyrightgeschütztes Mosaicfoto hier. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Bekanntlich sieht ja für stolze Besitzer eines Hammers jedes Problem aus wie ein Nagel. Weniger bekannt ist, dass auch jeder Nagel aussieht wie ein kleines Stück von einem Problem. Das Problem ist in diesem Fall ein Nagelportrait von Leonardo da Vinci, an dem sich Günther Uecker seit Jahrzehnten vergeblich versuchte, und das der albanische Künstler Saimir Strati jetzt versehentlich zusammengeklopft hat, als er eigentlich ein Haus bauen wollte. Zwar ist es richtig, dass viele der grössten Kunstwerke der Menschheit als Arbeitsunfall begannen – die Rohfassung der Mona Lisa zum Beispiel auf einer Palette beim Farbenmischen, das Architektenmodell des Kolosseums als ein Haufen Bauschutt bei einer Villenrenovierung – aber dieses Nagelporträt eines Bärtigen ist nicht nur weniger bewohnbar als ein Haus, es sieht auch weniger gut aus und kann leichter geklaut werden. "Ich versteh das nicht, ich hab mit dem Keller angefangen, Schlafzimmer, Küche, Dach drauf, und dann kommt sowas dabei raus. Ich muss wohl irgendwo ausgerutscht sein", schimpft Strati, der als nächstes einen Kleinwagen aus Gummibändern und einem Pappkarton basteln will.


07.09.2006 | 05:41 | Fakten und Figuren

Verjüngungskur


Isst immer mit den Händen, kann nichts verbiegen, deshalb tot. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wenn eines fernen Tages der Vorhang für Uri Geller fallen soll, wenn er sich anschickt, die Radieschen von unten zu besehen und für seine letzte Reise packt, wenn sein letztes Stündlein auf einer vormals defekten Taschenuhr schlägt, dann gibt es ein Problem. Denn kein himmlischer Leihstellenangestellter, der bei Sinnen ist, würde einen Löffel annehmen wollen, den Uri Geller abzugeben hätte. Uri Geller also wird wohl leider ewig leben; er wird ja sehen, was er davon hat.

Andere haben dieses Problem nicht. Die laut Guiness Buch älteste Person der Welt zum Beispiel gab vor einer Woche ohne weitere Komplikationen ihr Essgeschirr ab, eine Meldung, deren gleichzeitige Belanglosig- wie absurde Häufigkeit
zur Frage einlädt, wie oft uns denn eigentlich so ein ältester Mensch wegsterbe. Die populationsprobabilistische Rechnerei dazu ist mässig unterhaltsam, gilt aber natürlich nicht nur für Menschen, sondern auch für zum Beispiel Schildkröten, Krähen, Affen, andere Schildkröten und ehemalige Parlamentarier. Das ist schon interessanter, aber geradezu letztenatemberaubend ist der sich anbiedernde Aphorismus, wonach der älteste Mensch der Welt gleichzeitig der einzige sei, der bei seinem Tod jünger werde. Das stimmt allerdings nur bis so circa 2070, dann übernimmt Uri Geller den Job.


22.08.2006 | 06:30 | Anderswo | Alles wird besser

Mumbaimumpitz


Bestie Hunger. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Namen seien Schall und Rauch, sagt ein doofes Sprichwort, aber darüber, dass das nicht ganz stimmen kann, könnten sich zum Beispiel die Stadt Mumbai und der Keksriegel Twix gepflegt unterhalten, denn beide hiessen früher in Teilen der Welt anders, und sind bis heute traumatisiert, oder wenn schon nicht traumatisiert, so doch jedenfalls mit Schokolade überzogen (Twix) beziehungsweise überbevölkert (Mumbai).

Es ist ergo sehr wichtig, neue Sachen von Anfang an richtig zu benennen, damit man nicht irgendwann in die Zitrone (früher: den sauren Apfel) Namensänderung beissen muss. Das hat sich offenbar auch das Management eines neuen Restaurants in Mumbai zu Herzen genommen und die Mampferei pfiffig nach einem der berühmteren Europäer der jüngeren Vergangenheit "Hitler's Cross" genannt. Die Namenswahl führte selbstverständlich zu sofortigen Protesten, die die Manager aber gekonnt aushebeln: "Bei uns geht es nicht um Krieg oder Verbrechen, hier kommen Menschen her, um sich bei einer schönen Mahlzeit zu entspannen." Genau wie beim Führer damals also, und alles ist in schön schwarz-weiss-roter Ordnung. Konsequenterweise haben die Betreiber auch vor, zu einer Restaurantkette zu expandieren und in andere Teile Mumbais vorzustossen. Die aber zuerst ihrerseits versucht hätten, ins Restaurant einzudringen, man ist also im Recht.

Es ist natürlich keine Schande, den guten Namen Hitlers auszubeuten, macht ja jeder heutzutage, der Spiegel, in dessen Online-Journalismus-Attrappe diese Meldung sicher bald auftaucht, Günther Grass, Walter Moers. Sogar wir machen das. Und wenn es der Proteste zu viel werden, kann Hitler's Cross sich ja immer noch umbenennen. Zu "Pot of Pol" zum Beispiel, "Tastidi Amino Acids" oder "The Archipel Gulasch". Twix hat es schliesslich auch nicht geschadet.


21.08.2006 | 12:54 | Supertiere | Alles wird besser

Projekt Quatschflügler


Wozu eine Dihedralangel, wenn es auch eine einhedrale täte? Sowas kann auch nur ein Orthopterlaie fragen. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Erstaunlich viele Dinge können fliegen. Fliegen zum Beispiel können es, Vögel können es. Selbst Lemminge können es, wenn auch nur mit technischer Hilfe von Disney. Statt sich an den Lemmingen zu orientieren, und sich einfach von Disney-Mitarbeitern irgendwo runterwerfen zu lassen, versuchte der Mensch, es den Vögeln gleichzutun. Er schnallte sich erst selbst Flügel um, aber als das ausserhalb der Mythen gar nicht, und innerhalb nur um den Preis mythischen Scheiterns klappte, begann er, zunehmend wuchtigere Geräte zu bauen, die sich mehr und mehr vom Vogel weg und zum Lemming hin entwickelten. Durch Flügelschlag fliegen, das können eben nur die Vögel, unkte man, und also wurden die neuen Flugmaschinen von aussen durch Propeller oder Düsentriebwerke abgeschubst. Die fortschrittsfeindlichen Unken unkten aber auch hier. Für eine Landung nämlich müsse das Zeug noch in der Luft so stark abbremsen, dass es vom Flug- zum Sturzzeug werde. Eine Landung sei also unmöglich, und somit nur Flugzeuge denkbar, die für alle Ewigkeit kreisen, und die wolle ja wohl keiner. Fall zugeunkt.

Natürlich kam dank der Aerodynamik alles ganz anders, und das Flugzeugessen wurde erfunden. Vor allem aber gab dieser Erfolg den Vogelfanatikern wieder Aufwind, die es nun nochmal wissen wollten: kann der Mensch fliegen wie ein Vogel oder nicht. Und das Erfolgsvideo des Ornithopterprojekts zeigt es ganz eindeutig: Er kann, fällt dabei aber leider unk, Verzeihung, um.


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