Riesenmaschine

25.10.2005 | 11:56 | Anderswo | Sachen kaufen

Blablaplakat – Sprechblasenkunst


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Die lesenswerten Popnutten haben bereits vor Urzeiten, bzw. vor 2,8 Tagen über The Bubble Project berichtet. Dieses Projekt des Künstlers und ehemaligen Werbers Ji Lee begann 2004 in New York und besteht aus der charmanten Idee, Werbeplakate mit Comic-Sprechblasen zu bekleben, die zwangsläufig von Passanten ausgefüllt werden, und diese dann zu fotografieren. Dahinter steht laut Manifest die Idee eines Gegenangriffs der privaten Öffentlichkeit auf die allgegenwärtige Werbung – eine Art "reclaim the street attention". Der Gedanke der Veränderung von Werbeplakaten aus genau diesem Grund ist aber nicht unbedingt brandneu. Zuletzt veranstalteten 2003 die Adbusters mit der Blackspot Campaign eine Aktion mit ähnlichen Zielen, die konsequenterweise in einem Werbespot gegen Werbung (unten rechts auf CNN klicken) endete. Die Techniken des Marketing scheint Ji Lee, der früher bei der Grossagentur Saatchi & Saatchi arbeitete, nicht vollständig verlernt zu haben: Bei seiner selbstverständlich illegalen Kunstaktion rief er nicht nur die Öffentlichkeit zur Plakatveränderung auf, sondern dokumentierte das Kunstwerk des Anonymen Passanten (Mob Art? Gibt es das schon?) auch für sein neustes Produkt – das Buch mit der Fotodokumentation dieses für Exwerbehasis typischen Projekts erscheint 2006 im Mark Batty Verlag.


24.10.2005 | 10:56 | Alles wird schlechter | Vermutungen über die Welt

Blas schon mal den Baum auf


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Kulturpessimismus ist in den meisten Fällen eine verdammenswerte Sache. Bis zum Beweis oder der begründeten Vermutung der Schlechtigkeit hat Neues zunächst einen Glitzervorschuss und sollte begeistert bejubelt werden. Trotzdem gibt es auch Dinge, die zu Recht immer wieder beklagt und beweint werden, ja, beklagt und beweint werden müssen. Der vorliegende Fall dieser aufblasbaren Weihnachtsbäume könnte Anlass sein zu einer schlechten, dummen Beschwerde und einer guten, richtigen Beschwerde.

Sinnlos und kurzsichtig ist die sich jedes Jahr im Oktober wiederholende Klage, dass "schon im Herbst" weihnachtliches Konsumgut angeboten wird. In Zeiten von Hartz IV ist es wichtig, dass mehr als nur ein Monatsanfang zur Ausübung der Weihnachtseinkäufe zur Verfügung steht. Darüber hinaus ist das Weihnachstfest für viele Menschen eine solche Qual, dass eine langsame, schrittweise Einstimmung durchaus einen psychologischen Vorteil darstellt. Würde die Gesellschaft erst Mitte Dezember mit den christkindlichen Insignien konfrontiert, so würde von einem Tag auf den anderen ein weihnachtlicher Tand-Tsunami die ungeimpfte Psyche des Menschen niederwalzen. Die unausweichliche Folge wäre eine noch höhere Selbstmordrate als zu Weihnachten ohnehin schon.

Ganz anders verhält es sich mit der berechtigten Klage über die Geissel der Post-Ikea-Generation, Ironisch Wohnen. In den frühen 80er Jahren sozialisierten Menschen reicht oft die funktionale Baukastenindividualität des schwedischen Wohnwahnwarenhauses aus. Die Folgegeneration leistet gegen die Einheitsausstattung mit dem grossen Protestinstrument der 90er Jahre Widerstand: Ironie. Es wird von der ironischen Stehlampe bis zum iPod-Bikini alles gekauft, was laut "ich bin total anders und augenzwinkernd unterhaltsam" schreit. Diese in der totalen Verdiddlung endende Entwicklung muss als witziger Klingelton in Möbelform an allen Fronten bekämpft werden, daher ist an dieser Stelle auch Jammern über aufblasbare Weihnachtsbäume erlaubt und erwünscht. Wer trotzdem einen durchsichtigen Polyurethan-Weihnachtsbaum kaufen möchte, kann das in allen DOM-Filialen tun. Wir wollen keinesfalls Ihrem selbstgewählten Unglück im Wege stehen.


23.10.2005 | 18:37 | Nachtleuchtendes | Sachen kaufen

Shoot to kill


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Endlich! Endlich ist käufliche Wirklichkeit, was wir alle uns seit Jahren herbeisehnen! Das US-Unternehmen Crimson Trace bietet Ziellaser für Faustfeuerwaffen. Leicht in die meisten gängigen Modelle einzubauen, verbessert der Ziellaser nachweislich die Trefferquote. Das nebenstehende Modell, die halbautomatische Pistole Sig Sauer P226, ist bereits zu einem Spottpreis von nur 329,00 US$ mit dem schönen, roten Ziellaser nachzurüsten. Der Hersteller verspricht, dass der Ziellaser im Überfallfall eines "Bad Guy" durch Abschreckung "die Resultate bewaffneter Konflikte dramatisch verbessert". Die Pistole selbst, ein Schweizer Qualitätsfabrikat Kaliber 9 mm, ist in diesem Online-Waffenshop für nur 865,11 US$ zu erwerben. Nebenbei bemerkt ist die SigSauer eine der zuverlässigsten Pistolen der Welt und die bevorzugte Wahl vieler Geheimdienste. Anders als zum Beispiel einzelne russische Makarov-Fabrikate, von denen die Anekdote erzählt wurde, man solle den Lauf beim Schuss auf sich selbst richten, weil die Pistole häufiger nach hinten als nach vorne losgehe. Apropos nach hinten: Bevor man das schöne Lasergadget erwirbt, sollte man sich genau über den späteren Verwendungszweck im Klaren sein. Denn nach einer Untersuchung des National Center for Injury Prevention and Control [pdf] gehörten 2002 (USA) nur 39% aller Erschossenen zu echten, absichtlichen Mordtaten. Die verbleibende übergrosse Mehrheit gehörte zu Selbstmorden (57%) und Unfällen (3%), und da wäre die Anschaffung so eines teuren Ziellasers natürlich rausgeschmissenes Geld. Ein Schuss in den Ofen, gewissermassen.


18.10.2005 | 15:42 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Asien Spezial: Korea & Vietnam


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Verfolgt man gegenwärtig die Medienlandschaft so oberflächlich, wie sie es verdient, bekommt man leicht den Eindruck, dass Asien aus China besteht, gewürzt mit einem japanischen Präsidenten-Popstar, China, der bald schon alles vernichtenden Vogelgrippe, China und Selbstmordanschlägen in Indonesien (ausserdem China). Dieser durchaus einseitigen Darstellung eines Kontinents, dessen Länder praktisch nicht viel mehr gemeinsam haben als eben zu einem Kontinent zu gehören, setzt die Riesenmaschine kontrastiv eine ZWEIseitige Darstellung entgegen: Ein Riesenmaschine Spezial über Korea und Vietnam, zwei Länder, die sich wie Deutschland hervorragend mit Staatsteilungen auskennen. Während auf der morgen offiziell beginnenden Buchmesse in Frankfurt der Schwerpunkt auf koreanischer Literatur liegt, wird die Riesenmaschine sich eines volksnäheren Themas annehmen und vor allem neuartige Dienstleistungen in Korea beleuchten. Der Pekinger Sonderkorrespondent der Riesenmaschine, Christian Y. Schmidt, ist dafür eigens in das kleine, sympathische Land gefahren, das wie ein amputiertes Bein ins ostchinesische Meer ragt. Ebenfalls live oder fast live berichtet der Chef-Soziopathloge der Riesenmaschine, Holm Friebe, aus Vietnam, hier mit dem allgemeineren Schwerpunkt Alltagskultur.
Das obige Bild, Kenner werden es bereits identifiziert haben, ist eine Schimäre aus den Flaggen beider Länder, die in ihrer unästhetischen Dysfunktionalität symbolhaft zeigen soll, wie schwierig es ist, zwei Länder unter einen Hut, bzw. in ein Bild zu bekommen.


15.10.2005 | 18:26 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Loca Cola


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wir leben in einer Zeit, die auch Menschen Chancen einräumt, die noch vor 5000 Jahren verhungert wären, weil sie etwa bunte, flatternde Schmetterlinge interessanter finden als Ackerbau. Inzwischen sind diese Menschen weiter vom Verhungern entfernt als jemals zuvor, im Gegenteil, sie gründen Agenturen überall auf der Welt und verkaufen der internationalen Ackerbauernschaft teure, wirre Konzepte. Ein besonders internationales, besonders wirres und wahrscheinlich auch besonders teures Konzept liegt einer Aktion von Coca Cola zu Grunde, das auch nebenstehende Flasche hervorgebracht hat. Sie heisst M5 und hat mit der Evolution, den fünf Kontinenten, Musik und Optimismus zu tun. Etwas, aber nicht viel präziser gesagt: Fünf Designergruppen aus fünf Kontinenten wurden gebeten, jeweils eine Flasche zu gestalten und ein Musikstück mit einem Videoclip zu illustrieren, dabei sollten sie stets den Optimismus an sich im Auge behalten und auch nicht vergessen, dass die Evolution ganz vorne im Konzept mitmischt. Obwohl seit Jahren der absolute In-Kontinent, hat Australien dabei seinen Platz an Südamerika abtreten müssen. Was ich vor allem deshalb begrüsse, weil die südamerikanische Designagentur Lobo heisst. Als grosse Schmetterlingsfans weit abseits jeden Ackerbaus können wir es natürlich nur gutheissen, wenn möglichst wirre Konzepte marktfähig werden. Vielmehr noch, wir möchten hiermit alle nach subjektiver Einschätzung dazu Befähigten aufrufen, wirre Werke in die Welt zu werfen! Kreiert kryptische Konzepte! Entwickelt erratische Events! Initiiert irrwitzige Initiativen! Verkauft verquaste Visionen! Hip Hip Hurra.


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