Riesenmaschine

04.09.2005 | 14:13 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Neue Werbeehrlichkeit


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Die direkte Ansprache der Zielgruppe ist in der Werbung schon immer schöngefärbt wie nichts Gutes. Auf Literflaschen mit Billigkorn etwa stehen Sätze wie "Vollendeter Branntweingenuss für Kenner" und nicht "So werden Sie schneller blau für weniger Geld". Nun zeichnet sich eine dramatische Wende ab: Wir hatten bereits hier postuliert, dass es mit der Euphemisierung in der Werbewelt nach "Wüstenmineralien" als Wort für schlichten Sand nur noch abwärts gehen kann. Aber dass es so schnell gehen würde, wer konnte das ahnen? Denn die neue Haarpflegeserie des Shampooherstellers Guhl, Blauer Lotus, richtet sich ausdrücklich an Verwender mit "plattem Haar ohne Volumen". Früher hätte dort gestanden "für seidenfeines, glattes Haar mit einer Idee weniger Fülle als gewünscht". Dem Verbraucher werden hier knallhart und schonungslos die großen Mängel seines Haarwuchses beigebracht. Nach dem Gipfel der Schönrederei schlägt man also den wenig speichelleckerischen Weg der Neuen Werbeehrlichkeit ein, wenn auch für den Anfang wohl ein wenig harsch vorgetragen. Die Richtung aber ist klar, und so warten wir gespannt auf Deodorants "für stinkende Waschmuffel", auf Diätprodukte "für fette Schweine" und natürlich besonders auf die Riesenmaschine "von Menschen mit zu viel Zeit für Menschen mit zu viel Zeit".

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Sand auf unserer Haut


03.09.2005 | 20:03 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

Gefährliche Uhr


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Was macht man eigentlich beruflich, wenn man Philosophie studiert hat oder auch einfach so Philosoph (eventuell sogar ohne eigenes Verschulden) geworden ist? Außerhalb des universitären Lehrapparats leisten sich heute die wenigsten Unternehmen eigene Philosophen, infolgedessen scheint die Realität zu sein, dass man entweder fachfremd arbeitet – oder gar nicht. Genau dieser Realität schaut die Unemployed Philosopher's Guild ins Auge und auch hinters Auge. Aus den Dingen, die man als arbeitsloser Philosoph dort offenbar sehen kann, destillieren die Mitglieder dieser Gilde Produkte, die uns im Alltag der Philosophie ein Stück näher bringen, etwa "Nietzsche's Will to Power-Bar". Eine besonders raffinierte gebrauchsphilosophische Verknüpfung gelingt dabei in der Sisyphos-Uhr. Der ewig hastende und doch nie ankommende Sekundenzeiger ist ein Sisyphos-Figürchen mit Fels, und man ertappt sich dabei, wie einem das Strichmännchen schon nach Minuten leid tut. Einen Ausweg daraus gibt es nicht, denn noch erbarmungswürdiger ist natürlich ein stehengebliebener Sisyphos. So zeigt uns ein Blick auf die Armbanduhr stets: der Weg ist das Ziel, man kommt niemals wirklich an, alles scheint so nutzlos, man ist versucht, die Carmina Burana aufzulegen und sich einen achtfachen Single Malt einzugießen, ob mit oder ohne Eis ist auch schon egal.
Für Selbstmitleids-Anfällige ist die Uhr ungeeignet.


02.09.2005 | 17:50 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Doppelkopf


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Obwohl die Zielgruppe der siamesischen Zwillinge äußerst klein ist, prescht der Online-Shop "I want one of those" mutig vor und bietet eine Spezialdusche mit zwei Köpfen an. Zwei große Schritte im Bereich Customizing und Behindertenakzeptanz auf einmal – so sieht wegweisende Produktgestaltung aus. Wie wir neulich bereits erwähnten, finden 81% aller Befragten einer repräsentativen Emnid-Umfrage Sex unter der Dusche gut. Auch hier könnte der Doppelduschkopf zum Einsatz kommen. Denn ein willkommener Nebeneffekt der Siamesischen Dusche ist: sie eignet sich auch für normale Zwillinge bzw. überhaupt nicht miteinander Verwandte, wenn sie sich ganz eng nebeneinanderstellen.


02.09.2005 | 12:50 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Handaufladen


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Bei den durchschnittlich sechs Akkus, die der moderne, mobile Stadtbewohner mit sich herumträgt (Privathandy, Diensthandy, Kamera, iPod, PowerBook, abseitiges Bluetooth-Gadget mit GPS), ist schon nach den Gesetzen der Statistik stets eine Batterie leer, gleich leer oder jedenfalls nicht voll genug.
Kurzer Exkurs: für die meisten Probleme gibt es drei Lösungskategorien: gute Lösungen, schlechte Lösungen und vollkommen lächerliche Workarounds. Gibt es keine gute Lösung, spricht man von einem Dilemma, gibt es weder gute noch schlechte Lösung, spricht man von einem Drama, gibt es überhaupt gar keine Lösung, spricht man von Nahost-Konflikt. Exkursende.
Über Productdose erreicht uns nun die Nachricht, dass für das oben erwähnte Akkuproblem neben der schlechten Lösung (alle Ladegeräte mit sich herumtragen) endlich auch ein vollkommen lächerlicher Workaround entwickelt wurde: der Notfall-Ladekurbler SideWinder (stärker als alle mangelhaften Kurbler zuvor). Das Akkuproblem wurde damit vom Drama zum Dilemma upgegradet: man hat bereits nach zwei Minuten Kurbelzeit etwa sechs Minuten zusätzlicher Sprechzeit auf dem Handy. Mit etwas Phantasie lassen sich durchaus Situationen konstruieren, in denen dieses Gerät lebensrettend wirken könnte.


01.09.2005 | 14:50 | Berlin | Zeichen und Wunder

Kein Berg


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Es passt zur Einstellung der Berliner gegenüber der Welt und sich selbst, dass es zwar keine Berge gibt, aber man ganz gern so tut als ob. Sei es ganz früher mit den Bezirksnamen Schöneberg, Prenzlauer Berg, Kreuzberg, früher mit Aufschüttung der Kriegstrümmer zum Teufelsberg oder jetzt in verschiedenen künstlichen Aufbauten, etwa auf dem Wild West Rockin' Strandmarkt (auch schon hier beschrieben) oder mit dem künstlichen Berg im Palast der Republik bzw. Volkspalast. Doch solche Haltungen provozieren gerade zu die Entlarvung. Genau das passiert im Mauerpark, dem ehemaligen Todesstreifen und höchsten vielleicht zweithöchsten Punkt des Bezirks Prenzlauer Berg. Wie man auf dem Foto sieht, wird damit gleichzeitig eine neue Spielart der Street Art ins Leben gerufen: das 3D-Betongraffiti in Schreibschrift. "Ceci n'est pas une montagne", das ist kein Berg – dem kann man kaum widersprechen, nicht mal als Berliner, und schon gar nicht, wenn man folgenden Urberliner Ausspruch kennt, der die schmerzvolle Berglosigkeit mit Schnodderigkeit zu überdecken versucht: "Okay, wir haben keine Berge in Berlin, aber wenn wir welche hätten, wären sie 10.000 Meter hoch!"

(Zur weitergehenden Information: folgt man dem Link zum Volkspalast, dann erkennt man recht schnell, woher die Betonschrift stammt.)


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