Riesenmaschine

26.07.2005 | 14:26 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Real Ohropax


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Der Quintenzirkel der positiven Gefühle gegenüber Produkten heißt: Wohlwollen – Faszination – Begeisterung – Euphorie – MDR-EX71. Die letzte Stufe ist gleichlautend mit dem Namen des besten Kopfhörers, den ich je besaß. Durch viele Tiefen musste ich waten, etwa mit sämtlichen verfügbaren iPod-Kopfhörern, die allesamt geplatzt, gerissen, gebrochen sind. Aber jetzt ist alles gut. Der Klang der EX71, wie ich sie liebevoll nenne, könnte nicht besser sein. Die Bässe dröhnen, dass man nicht in die Nähe seismischer Messanlagen gehen sollte, um Tsunamiwarnungen im ostasiatischen Raum zu vermeiden. Die Schnur ist nicht nur sehr lang, sondern bei Bedarf auch sehr kurz, denn sie hat eine kluge Steck-Verlängerung eingebaut. Der größte Nachteil der iTunes-Kopfhörer, nämlich dass sie anscheinend in langwierigen Produkttests ergonomisch an die normale klingonische Ohrform angepasst wurden, wird bei Sony ins Gegenteil verkehrt: das Tragen ist so angenehm, dass ich oft stundenlang ohne Musik damit herumlaufe. Wer jetzt einwendet, dass die perfekt sitzende Passform der Ohrstecker verhindert, dass man seine Umwelt überhaupt noch wahrnimmt, dem sage ich: stimmt, diesen Vorteil habe ich vergessen zu erwähnen.


26.07.2005 | 11:19 | Anderswo | Alles wird besser

Gabelstäbler


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Wir alle waren uns jahrelang einig: die beiden sinnlosesten Produkte der 80er Jahre waren eindeutig der Perlator, der den Strahl aus dem Wasserhahn entheterosexualisiert hat und der Göffel aus der Saladessa-Werbung. Jetzt gibt es einen Nachfolger: b side, gestaltet von Alessandro Busana. Und siehe da: das Gerät hat einen Sinn. Spielend überbrückt es 3000 Jahre Esskulturunterschiede, durch simples Umdrehen gelangt der europäische User aus der täglich multimillardenfach-bewährten wie auch exotischen Stäbchensituation in die sichere Heimat des Aufspiessens mit der Gabel. Auch für asiatische Nutzer führt ein kurzer, jederzeit reversibler Dreh auf ein neues Terrain der Besteckverwendung. Nicht nur Liebe geht durch den Magen, sondern auch Dialog und Verständnis zwischen den Kulturen! Wird es mit einem solchen Gerät je Krieg zwischen China und Europa geben können? Wahrscheinlich nicht, jedenfalls nicht nur mit diesem Gerät. Eine wunderbare Erfindung. Wenn auf der Rückseite der Stäbchen jetzt auch noch ein Löffel dranerfunden wird, werde auch ich das Produkt kaufen, denn mein Problem war bisher weniger das Verständnis asiatischer Küchenkultur als die Misosuppe mit den Stäbchen zu essen.


25.07.2005 | 12:40 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen

Bluetoothbrille


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Seit Jahrhunderten gilt der Besitz der eierlegenden Wollmilchsau als gralsgleiches Ziel aller menschlichen Bestrebungen. Insofern sollten Gadgethersteller dringend daran arbeiten, dass man weniger Geräte mit sich herumträgt und nicht mehr. Diesen Trend verkennt Motorola gekonnt mit der Mischung aus Sonnenbrille und Bluetooth-Handyfreisprechanlage RAZRwire von Oakley, präsentiert im Übrigen auf einer sagenhaft langsamen, weil schlecht programmierten Flash-Microsite, die man bitte keinesfalls anklickt (Link nur der Ordnung halber gesetzt). Das Konzept folgt dem beliebten und guten Designtrend der Bifunktionalität, hat aber einen entscheidenden Fehler. Eine Spontanumfrage unter namhaften Riesenmaschine-Autoren ergab, dass Sonnenbrillen zu den meistverlorenen Gegenständen überhaupt gehören. Ihre Lebensdauer liegt meist unter sechs Wochen und damit unter aller Sau. Die häufigsten Ursachen sind Verlust durch Verlieren und Verlust durch Draufsetzen. Das nachvollziehbar schmucke Robocop-Gefühl der RAZRwire ist also auf Dauer kaum bezahlbar. Ausserdem ist der allerletzte Satz, denn ich je hören oder sagen möchte: "Hast Du ein Motorola-Ladegerät da? Meine Brille ist alle".


25.07.2005 | 03:41 | Anderswo | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Mein Obst heisst anders


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Die Antwort lautet: in Berlin nur im KaDeWe. Es ist ja so, dass man sich öfters neuen Einflüssen aussetzen soll, um nicht zu verCDUen. Ein wunderbarer neuer Einfluss ist die Erforschung von exotischen Lebensmitteln, zum Beispiel Früchten. Früher als Kind hatte das live vom Baum Gepflückte noch eine Thrillkomponente (giftig oder nicht?), heute ist auf dem Markt alles mehrfach durchgetestet. Trotzdem kommt beim Essen neuer Früchte grosser Spass und Spannung auf: wie schmeckt wohl eine Frucht mit dem bakterioiden Namen Sapotille? Kann man eine Netzannone bedenkenlos essen oder hat sie eine Firewall? Fruit'n'Fun für die ganze Familie. Das Foto zeigt eine Mangostan, die nur zufällig so ähnlich heisst wie der Exotenklassiker Mango. Dafür schmeckt sie um Klassen, nein ganze Schulen besser. Sie ist, das steht auch in der Beschreibung der schönen, aber doofnamigen Seite passion4fruit.com, die leckerste Frucht der Welt. Sie schmeckt wie eine Mischung aus Pfirsich und Mandarine mit Kernen, denen das Aroma von frischem Obstkuchen innewohnt. "Lecker", sagen jetzt alle, und "eCommerce schön und gut, aber Früchte im Internet bestellen, soweit kommt's noch! Ich will doch riechen, tasten, drücken, bevor ich eine fremde Frucht adoptiere! Wo bekomme ich denn ein solches Obst?" Die Antwort: siehe oben.


25.07.2005 | 01:14 | Anderswo | Was fehlt

Fog yourself


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Es gibt Dinge, bei denen auch der solide gebildete Durchschnitts-Mitteleuropäer (Abitur, zwei Fremdsprachen, GEO-Abonnement, Flatrate) nicht die Bohne einer Ahnung hat, wieviel sie wohl kosten mögen. Ein Geigerzähler – 800 oder eher 8.000 Euro? Ein Nilpferd – 10.000 oder 100.000? Dazu gehört auch ein Nebelwerfer, also ein Gerät, das man einigermaßen oft sieht, wenn man in Discotheken oder auf Konzerte geht. Inzwischen aber weiss ich, was eine Nebelmaschine kostet. Nämlich $19,99, und zwar als Sonderposten. Das ist so billig, dass man eigentlich sofort eine kaufen sollte, zumal der Name des Produkts "Eliminator Lighting 400W Fog Machine" alles enthält, was man von einem Nebelmaschinennamen erwartet. Die amerikanische Firma Musicians Friend jedoch verschickt aufgrund stranger Versandbedingungen nur ausgewählte Marken in alle Welt – Eliminator Lighting gehört nicht dazu. Schade, denn wer wollte sich nicht zu Hause für nur $19,99 Nebel um die Ohren blasen lassen. Mit 400 Watt.


... 64 65 66 67 68 [69] 70 71 72 73 74 ...

*  IN DER RIESENMASCHINE


*  ORIENTIERUNG



Werbung
Werbung Ratgeber

*  SO GEHT'S:

- Mini-MEs (statt Kinder)

- Renaissance von "cool"

- "schnufte" sagen (das neue "schnafte")

- Ultrahochvakuum

*  SO NICHT:

- Wszychtkich (warum?)

- exhibitionistische Glasgegenstände

- Kreuzzug in Jeans

- nächtliche Ansitzerei


*  AUTOMATISCHE KULTURKRITIK

"Crank", Mark Neveldine/Brian Taylor (2006)

Plus: 1, 3, 6, 31, 52, 76
Minus: 93, 116
Gesamt: 4 Punkte


*  KATEGORIEN


*  ARCHIV