Riesenmaschine

05.03.2007 | 21:17 | Fakten und Figuren

Archbishops of Klapphornvers

Vor sehr kurzer Zeit war hier die Rede von sehr langen Spannen der Absenz Musikschaffender und ihrem unverhofften Comeback. Nun taucht plötzlich eine Band nach 23 Jahren wieder auf, mit der man absolut nicht rechnen konnte, die Zimmermänner mit der Platte Fortpflanzungssupermarkt , das ist deswegen so unerwartet, weil die Band nicht gerade kultisch verehrt wurde, weil sie so visionär und gut war, sondern so doof in einem üblen Knittelvers- und Knallgasfahrwasser dümpelte, Ulrich Roski ("alles nich so verbissen sehn"), Hanns Dieter Hüsch, der grässliche Leo Kottke ("Gänsefürze an einem schwülen Tag") und den schauerlichen Klapphornversen von Schobert & Black verpflichtet.

Und auch wenn ihr Hamburger Musikerkollege Felix Kubin ihre Musik als "unerträgliche Popjazzmischung" beschreibt, muss man dazu sagen, dass Kubin damals bei seiner Beurteilung noch ein Kind von 13 Jahren war, und man sich dennoch kaum den Texten entziehen kann, in denen sich Al Quaida auf Romy Schneider reimt und der dänische Astronom Tycho Brahe vorkommt, "Wenn du schon mit mir/ bis zum Basislager gehst/ Warum steigen wir nicht auf den Berg?/ Wenn du schon mit mir über Brahe diskutierst/ Warum schmust du nie mit meinem Gehirn?" Ein Blumfeldfan schrieb kürzlich im Intro-Forum "Blumfeld sind fort, aber die Zimmermänner helfen mir, die Tränen zu trocknen". Und Blumfeld reformieren sich sicher auch noch eines schönen Tages wieder, liebe Brillenfreunde und Gehirnschmuser.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Manchmal braucht es eben ein bisschen länger

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


01.03.2007 | 12:37 | Fakten und Figuren

Manchmal braucht es eben ein bisschen länger

Der Grund, warum bestimmte Bands oder Musiker irgendwann verschwinden, kein Lebenszeichen mehr von sich geben und sehr sehr lange in der Versenkung bleiben, weil erfolglos und resigniert, obwohl sie enorm einflussreich waren, visionär, aber vor ihrer Zeit, liegt wohl einzig daran, dass diejenigen, die sie beeinflusst haben, sie wie ein kleines Geheimnis hüten, unter Verschluss halten und davon nicht gross herumposaunen, auch kein grosses Interesse daran haben, dass ihre Lieblinge was Neues machen, es könnte ja etwas Enttäuschendes dabei rauskommen. Das hat auch ein bisschen mit Eifersucht zu tun, das gehört mir, das hab ich entdeckt, das verstehst du nicht. Aber irgendwann fliegt das Geheimnis auf, wenn die Geheimnishüter zu viele werden, dann platzt der Dampfdruckkochtopf.

Zwei enorm einflussreiche Bands bzw Musiker halten wohl den Rekord im Wegbleiben, beide sind kürzlich wieder aufgetaucht, frisch und munter. Nur 35 Jahre liegen zwischen der ersten und der letzten Platte von Vashti Bunyan, nachdem sie ihren Namen im Internet auffallend häufig von jüngeren Musikern erwähnt als Einfluss gefunden hat. Die letzte, die nach Vashtis Art Lieder flüstert und haucht, ist momentan Carla Bruni, interessanterweise beides Protégés Mick Jaggers. 41 Jahre nach der letzten Platte der bizarren Monks, die der schrille Werber und ihr Manager Charles Wilp als Anti-Beatles installieren wollte und als "das stählerne Geschnatter eines Herbert von Karajan" beschreibt, und Uschi Nerkes Augen leuchten, weil es "dieses Lied übrigens noch nicht auf Schallplatte gibt", läuft jetzt überall die empfehlenswerte Dokumentation The Transatlantic Feedback, in der quasi jeder schon immer Monkfan gewesen ist, und diese quasireligiösen Geständnisse kommen so erleichtert raus, so als sei eine grosse Last von ihnen geplumpst, wie ein Druckkochtopf vom Herd.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


26.02.2007 | 23:36 | Anderswo

Negativmeister

Nun sind die Finnen also doch noch Eishockeyweltmeister geworden, nach fünfmaligem Vize, und der Schmach des letzten Jahres, als der ungeliebte Nachbar Schweden gewann. Nun seit gestern in Kärnten also Meister im Negativeishockey, ein Spiel, das an der Unterseite des Eises gespielt wird. Unüberraschend für ein Volk, das Grossmeister im Tiefschneefussball, Kaffeetrinken, Erbsenessen, Fussbodenball und Tango ist. Dieses Jahr soll noch Schlammschnorcheln und Unterwasserrugby, die einzige Sportart, die in 3-D gespielt wird, für Finnland gewonnen werden, verständlicherweise. Wer braucht noch Fussball, Handball und Handyweitwurf, ach so, das ist ja auch eine finnische Domäne.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Korfball kann kommen

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link


25.02.2007 | 18:00 | Anderswo

Kein Mann ist eine Insel


Hashimajima (Foto: mr_mt_02 / Lizenz)
Nachdem westliche Inseldogmen schon seit längerem aufgeweicht werden, z.B. die vormalige rein männliche Mönchsrepublik Athos inzwischen nicht mehr ganz so homogen ist (eigentlich waren nicht mal weibliche Tiere zugelassen, um die Mönche nicht in Versuchung zu bringen, jetzt hält man aber Hühner, wegen deren Dotter zum Malen, wozu denn sonst?), und es auf der Berliner Pfaueninsel nicht nur Pfauen, sondern auch Spatzen gibt, installieren die Iraner jetzt eine Insel nur für Frauen, die frappant an das Frauenfreihege Dingolfing von F.K. Waechter erinnert. Die Inselbesiedlung verfolgt vermutlich den gleichen Grund wie jener der orthodoxen Mönche, um die Männer nicht in Versuchung zu bringen. Und falls demnächst wieder mal jemand eine Insel braucht, die Japaner haben eine abzugeben: Hashimajima, komplett eingerichtet und möbliert, für 83.000 Menschen, Frauen, Männer oder Pfauen.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (2)


24.02.2007 | 10:54 | Anderswo

Feuerblume

Es verschwindet zunehmend, das in den engen ostasiatischen Hotels statt Fluchttreppen das Zimmer zusätzlich möblierende Seil. Heutzutage findet man immer häufiger, gerade in neu errichteten Hotels zwar wieder keinen Fluchtweg, sondern diesmal im Kühlschrank eine kesse Kapuze, sie verträgt 1200 Grad, wichtig wenn man sich gerade die Haare hat machen lassen, für die Oper beispielsweise. Noch nicht so häufig hingegen gesehen wurde die neuartige Brandbekämpfungsblume der Firma Morita, mit der man das Feuer ausprügeln kann. Die Japaner nun wieder, typisch Honne, am Ende wollen sie mit dem Feuer spielen, es streicheln, oder mit in die Oper nehmen.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link


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