Riesenmaschine

27.06.2008 | 09:18 | Anderswo | Papierrascheln

Automatische Literaturkritik Preis der Riesenmaschine – Tag 1

#1: Thorsten Palzhoff, "Livia"
Plus: 1, 2, 5, 7, 18, 39, 40, 43, 62
Minus: 41, 52, 60, 61, 70, 75
Gesamt: 3 Punkte

#2: Alina Bronsky, Aus dem Roman "Scherbenpark"
Plus: 1, 4, 7, 10, 11, 17, 26, 28, 31, 40, 41
Minus: 3, 5, 6, 12, 13, 18, 19, 35, 52, 77
Gesamt: 1 Punkt

#3: Clemens J. Setz, "Die Waage"
Plus: 1, 2, 7, 10, 16, 22, 25, 26, 27
Minus: 19, 22, 39, 47 , 64
Gesamt: 4 Punkte

#4: Angelika Reitzer, "Super-8"
Plus: 1, 7, 10, 11
Minus: 9, 18 doppelt, 21, 50, 53 doppelt
Gesamt: -3 Punkte

#5: Martin von Arndt, "Der Tod ist ein Postmann mit Hut"
Plus: 1, 2, 7, 9, 12, (14), 18, 54
Minus: 1, 2, 8, 14, 18 doppelt, 19, 50, 61
Gesamt: -2 Punkte

#6: Patrick Findeis, "Kein schöner Land"
Plus: 1, 2, 3, 10, 35, 39, 44
Minus: 6, 8, 14, 17 doppelt, 19
Gesamt: 1 Punkt

#7: Markus Orths, "Das Zimmermädchen"
Plus: 1, 2, 5, 15, 18
Minus: 2, 64, 72
Gesamt: 2 Punkte

(Beitrag wird regelmässig aktualisiert, Liveblogging bei sopranisse.de. Wer übersehene oder falsch vergebene Punkte findet, weise bitte in den Kommentaren darauf hin.)

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Automatische Literaturkritik Preis der Riesenmaschine

Kathrin Passig, Wolfgang Herrndorf, Sascha Lobo, Angela Leinen | Dauerhafter Link | Kommentare (12)


18.06.2007 | 12:02 | Anderswo | Listen

Klagenfurt-Totalisator


Wie jedes Jahr findet in Klagenfurt auch heuer wieder das Ingeborg-Bachmann-Wettlesen statt, wie jedes Jahr sind 18 Teilnehmer, 9 Juroren, ungezählte Journalisten und Verlagsmitarbeiter am Start, und wie jedes Jahr weiss die Riesenmaschine auch in diesem Jahr den Gewinner im voraus.

Das Wettlesen – für alle, die es nicht kennen – orientiert sich in groben Zügen an den Erfolgsformaten 'natürliche Auslese' und 'Deutschland sucht den Superstar', wird live auf 3sat übertragen und hat mit Literatur zu tun, jedenfalls teilweise. Drei Tage lang tragen die Kandidaten Selbstverfasstes vor, dann sagen die Juroren Wohlüberlegtes, und am Ende spielen alle zusammen Fussball gegen die Fernsehtechniker und verlieren.

Die Riesenmaschine bietet überforderten Zuschauern, Lesemuffeln und Verlagsagenten, die kieloben im Wörthersee treiben, als Serviceleistung und zum Zweck frühzeitiger Favoritenerkennung deshalb eine Aktienbörse an. An dieser Börse kann jeder teilnehmen, der eine E-Mail-Adresse hat und sich zuvor bei Inklingmarkets registriert. Dort findet sich auch eine Anleitung, Auskünfte zu den Autoren usw.

Als Startkapital erhält jeder Teilnehmer 5.000 Dollar Spielgeld, die in Aktien der 18 Kandidaten investiert werden können. Die Aktien haben einen Startwert von $5,55, und nur die Aktie des späteren Ingeborg-Bachmann-Preisträgers wird zum Börsenschluss am Sonntag mit $100 ausgezahlt. Wer dann das meiste Geld hat, gewinnt. Und zwar folgende Preise:

1. Platz: Grosses Riesenmaschine-Buchpaket der qualitativ hochwertigen, von Fachleuten zertifizierten Literatur
2.-4. Platz: Passig / Scholz: Lexikon des Unwissens (gleich nach Erscheinen, also im Juli irgendwann) oder Rubinowitz: Das staubige Tier oder Herrndorf: Diesseits des Van-Allen-Gürtels (Buch oder Hörbuch) oder Friebe / Lobo: Wir nennen es Arbeit nach Wahl
5.-10. Platz: ein Riesenmaschine-T-Shirt nach Wahl

Teilnehmende Frauen können zusätzlich eine Nacht mit Jochen Schmidt gewinnen. (Bildeinsendung erforderlich, ein Rechtsanspruch besteht nicht.)

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Bilder von Menschen, die vor Kameras Sachen machen


01.04.2007 | 23:59 | Fakten und Figuren

Psychopugilismus

"Man kann die Projekte von Schulz und Maske nicht gleichsetzen. Schulz will noch mal ein Boxer werden. Maske will einen Kick, mit Hymne und Lasershow. Schulz will noch mal um die Weltmeisterschaft boxen. Maskes Auftritt hat keinen sportlichen Wert", erklärte Boxexperte Gerhard Pfeil am 16. Oktober 2006 in einem Vier-Seiten-Bericht des SPIEGEL, in dem man auch vom angeblichen "heimlichen Lachen" der Assistenztrainer erfuhr, wenn Henry in den Sandsack haute. Nun könnte man denken, Maskes gestriges Comeback gegen den WBA-Weltmeister Hill hätte das Nachrichtenmagazin eines besseren belehrt. Man könnte aber auch Mike Glindmeier heissen und schreiben: "Die Ringrichter sahen Maske zwar einstimmig vorn (117:110, 116:113, 117:110), doch das Anschreibverhalten der Juroren ähnelte eher drei gut geölten Nähmaschinen. Wie die Kampfrichter auf insgesamt über 227 Treffer kamen, bleibt jedenfalls ihr Geheimnis." So wie es Glindmeiers Geheimnis bleibt, was die Punktewertung des Profiboxens mit der Anzahl der Treffer zu tun haben soll.

"Es war ein Kopfkampf", sagte Maske anschliessend, was uns daran erinnert, noch einmal auf den Fall des nigerianischen Schwergewichtschampions Ike Ibeabuchi hinzuweisen, dessen letzter Auftritt auch schon acht Jahre zurückliegt. Freunde hoher Trefferquoten können sich den Kampf des wüsten Schlägers gegen den ebenfalls wüsten Schläger Tua auf youtube ansehen: Es war der Kampf mit der höchsten Trefferanzahl (1730) im Schwergewichtsboxen überhaupt (139 Schläge mehr als bei Ali-Frazier III). Ein Comeback des seit 1999 in Haft befindlichen, ungeschlagenen Nigerianers (20-0-0) ist allerdings fraglich. Für Anhänger ungewöhnlicher Biographien: Aufgewachsen in einem nigerianischen Ghetto kommt Ibeabuchi 1993 mit seiner Mutter nach Amerika. Er gewinnt 15 seiner 20 Kämpfe durch K.O., und spätestens seit der ruinösen Schlacht gegen Tua macht sich eine milde Form des Wahnsinns in ihm bemerkbar. Ibeabuchi hat Geister im Haus, die "nur für ihn und seine Mutter sichtbar" sind, prügelt schon seine Sparringspartner krankenhausreif und entführt aus unklaren Gründen den Sohn einer früheren Freundin mit einem Auto, das er direkt gegen einen Betonpfeiler setzt. Der Junge bleibt dauerhaft geschädigt. Ibeabuchi ist nach kurzer Zeit wieder raus aus dem Knast und nimmt noch drei weitere Schwergewichte auseinander, darunter den damals ungeschlagenen Chris Byrd. Wenig später vergewaltigt er eine Striptease-Tänzerin in einem Schrank, wird von der Polizei mit Pfefferspray aus dem Hotelbadezimmer gejagt und sitzt seitdem in Lovelock, Nev., in Haft. Eine vorzeitige Entlassung wurde 2004 bereits einmal abgelehnt, Ibeabuchis nächster Haftprüfungstermin ist im Dezember 2007. Er ist dann 34 Jahre alt und in, wie man seiner Homepage entnehmen kann, guter Form: "I believe what the fans really want to know, is whether I am in shape. The answer is yes. I’m in shape to fight right now. My boxing program includes shadow boxing and the study of 'Psycho-pugilism'." Ob die seit Jahren eher mau besetzte Weltspitze im Schwergewichtsboxen auf jemanden wie Ibeabuchi noch gewartet hat, ist nicht ganz sicher. Aber die Riesenmaschine tut es.


13.08.2006 | 00:58 | Alles wird besser | Fakten und Figuren

Ordure pour tout le monde


Bild typähnlich (und gemeinfrei)
Es ist wahrscheinlich nicht sehr gewagt zu behaupten, dass die Menschheit Bloggern in 10-15 Jahren mit etwa den gleichen gemischten Gefühlen gegenüberstehen wird wie heute Jongleuren im Park. Dabei werden unter der mühselig zusammengebloggten Lawine des jüngsten Erlebnisschrotts leider auch einige Perlen begraben; nur so ist zu erklären, dass eines der besten deutschsprachigen Blogs, vielleicht sogar das beste, nämlich das des leicht neurasthenischen, stets kränkelnden, seine Misserfolge beklagenden, mit der Welt, den Frauen, dem Schreiben, dem Marathonlauf und seinen IKEA-Vorhängen beharrlich hadernden Jochen Schmidt so wenig Beachtung fand. Kann allerdings auch sein, dass es daran lag, dass Schmidt Schmidt heisst und nur alle paar Monate einen neuen Eintrag von mehreren hunderttausend Zeichen Länge freischaltete; und das Unternehmen im Sommer 2005 ganz einstellte.

Schmidts neuer Versuch in Sachen Misserfolg ist das optisch gewohnt anspruchslose Schmidt liest Proust, sozusagen eine Quadratur der Krisis. Mehr oder weniger live sehen wir Schmidt dabei zu, wie er täglich 20 Seiten Proust liest und hofft, nach etwa 180 Tagen fertig damit zu sein.

Schmidt beginnt etwas mäkelig ("Und selbst, wenn es nicht reicht, Proust zu lesen, um Becketts Proust-Essay zu verstehen, wird man zumindest wissen, was Proust geschrieben hat. Zu wissen, was Proust geschrieben hat, ist sicher das Minimalziel einer Proust-Lektüre"), fragt sich, ob am Ende auch der Mörder verraten wird, quält sich mit Zwangsvorstellungen ("Das einzige, was stört, ist die ständig wiederkehrende Zwangsvorstellung, vom Balkon zu springen, mal sieht man sich sitzend, wie im Schwimmbad von der Kante plumpsen, mal wie beim Hochsprung mit einer eleganten Rolle über die Balkonbrüstung hechten") und wird mit der Zeit, wie nicht anders zu erwarten, immer proustähnlicher. Bis seine Lider endgültig auf Halbmast sinken und das Blog von innen mit Kork ausgeschlagen wird, ist es jedoch noch ein weiter Weg (ca. 3000 Seiten), auf dem wir Schmidt von nun an begleiten wollen.


05.07.2006 | 09:50 | Vermutungen über die Welt

Assoziationskettenmassaker: Pimp my Scholastik


von innen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

von aussen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

und überhaupt nicht beseelt (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Bei dem Versuch, plastische Chirurgie abzulehnen, begibt man sich auf schwieriges Gelände. Eine klare Abgrenzung zu Kosmetik und Hygiene ist praktisch unmöglich. Der graduelle Unterschied zwischen Lippenstift, Zahnspange, Ohren anlegen, Fett absaugen und Brust vergrössern ist so schwer auszumachen, wie sich die Frage beantworten lässt, wer alles eine unsterbliche Seele hat. Auch hier kämpfte die Scholastik vergebens. Wenn der Mensch eine unsterbliche Seele hat, warum nicht auch der doch ganz bauplanähnliche Affe? Im Sinne der Evolution ist da kein Unterschied zu erkennen. Auch niedliche Hunde und Pferde würde man in diesem Fall nicht ausnehmen dürfen. Doch leider gilt fürs Tierreich: je kleiner, desto hmpf. Der Hamster geht vielleicht noch hin ("oooch, guck mal, wie der schaut!"), die Springmaus und das Hörnchen. Was aber ist mit Stichling oder Stubenfliege? Warum fällt uns die Vorstellung, Assel, Regenwurm und Wanze hätten eine unsterbliche Seele, so schwer? Und zuletzt: das Bakterium. Biologisch gesehen existiert keine klare Trennlinie. Und selbst wenn man dem Bakterium die unsterbliche Seele geben möchte, weil man sie dem Affen nicht verweigern wollte, sollte dann nicht auch das Virus eingemeindet werden, das Eiweiss und das Prion? Denn interessant: Objektiv betrachtet sind die Prionen der Unsterblichkeit tatsächlich am nähesten. Insofern klares Ja zur Silikonbrust.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Assoziationskettenmassaker


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- 20% mehr von allem

- Miesmuscheln ganzjährig

- Eierlikör

- Schweißgeruch vom Schweißen

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- Substraltag verpennen

- 3 Tage wach (wegen Cortison)

- Klötenkorn

- Schweißgeruch vom Schwitzen


*  AUTOMATISCHE KULTURKRITIK

"Munich", Spielberg (2005)

Plus: 12, 25
Minus: 11, 22, 55, 82
Gesamt: -2 Punkte


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