Riesenmaschine

08.01.2007 | 03:26 | Alles wird besser | Alles wird schlechter | Sachen kaufen

Bitte wenden


Das Schöne ist nicht immer auch das Praktische
(vgl. Eigernordwand) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Man muss sich von der Vorstellung freimachen, dass der Fortschritt, die Evolution immer nur in eine Richtung verläuft, nämlich die der ständigen Verbesserung. Tatsächlich brennt immer wieder mal eine Bibliothek ab, Weltreiche gehen unter, wissenschaftliche Erkenntnisse geraten in Vergessenheit und Tiere verlernen das mühsam erfundene Fliegen wieder. Am Türlitoaster von Manufactum zeigt sich dieses Naturgesetz so klar wie possierlich geformt: Jahrzehnte nach der Erfindung eines Geräts, das den Toast vollautomatisch von beiden Seiten gleichzeitig röstet, muss hier der Toast nach dem Rösten der einen Seite manuell und vor allem zum richtigen Zeitpunkt gewendet werden. Die Begründung könnte direkt aus der Riesenmaschine stammen: "Wer seinem Geruchssinn mehr vertraut als einer Bräunungsautomatik, wird letztere nur schwach vermissen, zumal er sich über ihr Fehlen mit der Erkenntnis trösten kann, daß alles, was nicht da ist, auch nie kaputtgehen wird." (Der Vollständigkeit halber weisen wir darauf hin, dass man auch dann problemlos überleben kann, wenn kein Toaster da ist, selbst eine Existenz ganz ohne Toast scheint theoretisch möglich.) Das Auftauchen des Türlitoasters lässt jedenfalls darauf hoffen, dass auch die herrlichen Dinosaurier eines Tages einfach so wieder aus irgendeinem Frühstücksei schlüpfen. Weil es geht.


30.12.2006 | 11:46 | Alles wird besser | Alles wird schlechter

Softair-Kriegsbewältigung


Amerikanisches Trauma (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Brumm, brumm, Nachschub für Iraq! (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Der friedensbewegte Zeitgenosse nimmt dieser Tage aufgewühlten Herzens zur Kenntnis, dass die Hinrichtung des Diktators a.D. Saddam Hussein unlängst vollstreckt wurde. Da stellt sich die unbequeme Frage, wie es dazu nur kommen konnte – und vor allem: Wie erkläre ich es meinen Kindern? Was ihnen sagen, wenn sie Saddam nun auf YouTube baumeln sehen? Besser als Worte sind oft Bilder. Oder gleich Dinge zum Anfassen. Mit der tollen neuen und originalgetreuen Spielzeugpanzer-Serie Graupner M1A2 Abrams des US-Einsatzes "Iraqi Freedom" lassen sich draussen im eigenen Garten Ursachen, Ablauf, Folgen und ethisch-juristische Problematik des Irakkrieges trefflichst und kindgerecht kreativ zur Darstellung bringen – and it shoots real projectiles! Und demnächst erklären wir mit der gleichen spielerischen Leichtigkeit dem Opa anhand des ferngesteuerten Wehrmachtspanzers RC "Tiger 1", wieso die Annektion Polens verwerflich war, oder gar das Dilemma von Stalingrad oder von Sewastopol mit dem 7,54cm Panzer-Mörser "Thor".

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (4)


29.12.2006 | 13:43 | Berlin | Alles wird schlechter

Vorsicht Stufe


Dank an André C. Hercher für Hinweis und Foto (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
2006 war wohl so etwas wie ein durchwachsenes Jahr für den Architekt Meinhard von Gerkan. Nachdem er sich mit seinem seitlich zusammengestutzten und mittels Kassettendecke verstümmelten Berliner Hauptbahnhof nichts als Ärger eingehandelt hatte, sollte wenigstens bei der Umgestaltung des Alexanderplatzes durch sein Büro Gerkan, Marg & Partner alles reibungslos gehen. Um sicher zu gehen, dass diesmal auch ja nichts anbrennen würde, befleissigte sich der Entwurf eines maximalen Minimalismus, der vielerorts sogar als Einfallslosigkeit missverstanden wurde. Einziges unverwechselbares Detail, das auf die Handschrift des Architekten hindeutet, ist eine umlaufende Stufe. Eine einfache Stufe – was soll damit schon gross schiefgehen? Das bekommt selbst Berlin nicht hin, eine einfache Stufe zu verhunzen, mag sich der Architekt gedacht haben. Doch da hatte er die Rechnung ohne Berlin gemacht.


25.12.2006 | 10:56 | Alles wird schlechter | Zeichen und Wunder

Trillionenklagen


Mit diesem Schein würde Allofmp3.com noch Wechselgeld kriegen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Wann immer in deutschen Medien eine Zahlenangabe in der Grössenordnung "fünf Billionen Dollar" steht, sollte der wache, durch die stete Ermahnung der wissenden Zweisprachigen geschulte Geist des Medienbenutzers erkennen: Billion ist nicht gleich billion. Fast ist das bereits ein zweisprachlicher Allgemeinplatz, der Unterschied nämlich zwischen der langen und der kurzen Leiter, auch mit dem schönsten aller mathematischen Namen bezeichnet: logarithmisches Zillionensystem. So kommt ein amerikanischer Billionär bereits mit nur 1000 Millionen Dollar zum Titel, ein sonstwoischer, insbesondere europäischer Billionär müsste dagegen 1000 Milliarden auftreiben und das wo der Euro immer stärker wird; man hat es nicht leicht. Genaugenommen gibt es gar keinen Eurobillionär, niemanden, keine Person, keine Institution, nichtmal ein Land, nur China ist gerade mal so schlichter Dollarbillionär geworden, was die Währungsreserven angeht. Jetzt aber schickt sich die amerikanische Tonträgerindustrievertretung RIAA an, endlich einen Eurobillionär in die Welt zu setzen und zwar sich selbst. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sicherlich zum Wohle der Künstler, hat man die russische Website allofmp3.com verklagt, und zwar auf 150.000 Dollar je downloadbarem Lied. Davon gibt es elf Millionen in den Datenbanken und so summiert sich die Klage auf 1,65 Billionen Dollar, die sich auf amerikanisch noch wesentlich imposanter anhören: "1.65 trillion $", oder eben 1,26 Billionen Euro, ziemlich genau das 1.000fache des Kaufpreises von youtube.com, soviel Geld, wie Japan und China zusammen horten. Wir gratulieren der RIAA zu diesem cleveren Schachzug und hoffen, dass sich die Klagekosten nicht wie in Deutschland am Streitwert bemessen. Oder vielleicht hoffen wir das doch.


15.12.2006 | 12:41 | Anderswo | Alles wird schlechter | Sachen kaufen

Aerobe Handelshemmnisse


Original deutsche Weltmeisterschaftsluft vom Endspiel in Berlin
Ein schwerer Rückschlag für die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen. Wie China Daily meldet, verlor vorgestern vor dem Volksgericht des Pekinger Chaoyang Distrikts ein Mann namens Li Jie seinen Prozess gegen die zuständige Industrie- und Handelskammer. Li Jie, seines Zeichens auch Chefdiplomat der "Botschaft des Mondes in China", plante 25 Plastikbeutel mit Fussballweltmeisterschaftsluft zu verkaufen, die er von einem deutschen Geschäftsmann bezogen hatte. Die Luft war während der Fussballweltmeisterschaft in verschiedenen deutschen Fussballstadien eingesammelt worden und sollte für 50 Yuan (5 Euro) das Stück an interessierte Fussballweltmeisterschaftsluftsammler in China vertrieben werden. Die Industrie- und Handelskammer erklärte dagegen, "spezielle Luft von speziellen Plätzen" sei keine "industrielle Kategorie", und untersagte dem Geschäftsmann den Handel.

Herr Li hatte vor Gericht unter anderem die Schulbuchgeschichte "Der kleine Fuchs verkauft Luft" als Beweis herangezogen: "Ein Schulbuch kann doch unmöglich einen Gesetzesbruch propagieren", argumentierte der Geschäftsmann. Das Gericht wollte dieser ausgefuchsten Verteidigungsstrategie leider nicht folgen. Es war nicht der erste Rückschlag dieser Art, die Mondbotschafter Li Jie einstecken musste. Im letzten Jahr hatte die Pekinger Industrie- und Handelskammer ihm untersagt, Parzellen der Oberfläche seines Heimattrabanten für je 30 Euro zu verkaufen. Der Mond geht uns nichts an, aber in der Luftsache sollte Deutschland sofort Protest in China einlegen. Schliesslich können wir die verkaufen, an wen wir wollen. Und wohlmöglich haben wir demnächst nichts anderes mehr!

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (5)


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