Riesenmaschine

08.01.2006 | 04:45 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Finden 2006


Gekonnt versteckt (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Die wohl grösste gesellschaftliche Veränderung der letzten Jahre ist der rasante Umschwung vom Suchen zum Finden. Während Ende der 90er fast alle weltweit auf der Suche nach irgendwas waren (wir erinnern uns an sogenannte Suchmaschinen, an Suchhunde und Suchtberatung), meint heutzutage jeder, etwas Wichtiges gefunden zu haben, und sei es nur eine neuartige Fuchskatze mit wundervoll langem Schwanz. Vermutlich hat das viel mit der Demokratisierung des Findens durch Google zu tun, aber davon abgesehen deutet der Findetrend eindeutig auf eine Art globale Zusammenballung von Menschen, Tieren und Gegenständen hin, ein widerliches Aufeinanderzubewegen von nahezu allem, das erst aufhören wird, wenn es denn mal zu Ende ist.

Genug der theoretischen Vorrede, denn wichtig ist in diesem Zusammenhang nur, dass – voll und ganz im Geiste dieser Zeitenwende – gestern zwei phönizische Häfen gefunden wurden, und zwar gar nicht in Phönizien, wo auch immer das liegt, sondern im Libanon. Sie heissen "Tyre" und "Sidon" und man fand sie in zwei Städten namens "Tyre" und "Sidon", also gerade da, wo man sie am allerwenigsten vermuten würde. Schon bei Kalle Blomquist steht schliesslich, dass das offensichtliche Versteck das beste ist, und die Tatsache, dass dies auch phönizischen Häfen bekannt ist, deutet wahrscheinlich auf irgendwas hin, was man noch mal genauer unter die Lupe nehmen müsste. Wer weiss, was man dabei noch alles finden könnte.


31.12.2005 | 10:40 | Anderswo | Was fehlt

Wunschzettel 06: Friede den Augen, Ohren und dem ganzen Rest


Chin.: Schriftzeichen für "Schriftzeichen"
Erstens: Eine Chinesische Rechtschreibreform, also die längst überfällige Abschaffung aller Schriftzeichen zugunsten des lateinischen Alphabets, etwa nach dem Vorbild Vietnams. 4.000 Jahre Hieroglyphen reichen. Jedenfalls mir.
Zwotens: Absolut lautlose Bohrmaschinen, das heisst, Löchermacher, die ihren eigenen Schall schlucken. Diese Erfindung möge auch auf Fräsen, Schwingschleifer, Presslufthämmer, Blixa Bargeld und ähnliche Geräuscherzeuger ihre Anwendung finden. Hilfsweise werden absolut schalldichte Ohrstöpsel genommen, wobei keinesfalls "Wert auf ein besonders pfiffiges Outfit" und ein "ComfortCase" (MultiPlux von Ohropax) gelegt wird.

Drittens: Die Entdeckung einer neuen, unproblematischen Körperlust ungefähr im April. Irgendwie eine Kombination aus Ficken (Sex der Jugend) und Essen (Sex des Alters), ohne deren jeweiligen Nachteile (Kinder, Völlegefühl, AIDS, Verfettung, Rückenmarksprobleme, Elend). Dafür kann auch die chinesische Rechtschreibreform noch mal um ein Jahr verschoben werden

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Dahin führt unser Weg

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


25.12.2005 | 14:04 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Manic Street Writers

Blogger, sind das nicht befindlichkeitsbesessene Egomanen, die im Internet ohne tiefergehende Rechtschreibkenntnisse ebenso uninteressanten wie weinerlichen Erlebnisschrott ablaichen? Ja. Aber ab und an ist auch mal etwas Interessantes dabei, wie diese Suada von Herrn Argh oder dieser unfassbar gute Witz. Interessant wird es vor allem dann, wenn in einem Blog die an Wahn grenzende Leidenschaft für etwas deutlich wird, wenn manisch sich nicht unbedingt auf die eigene Person bezieht, sondern auf ein Thema. Wie etwa bei Smashtrash.net, eine Art Fotoblog, das der bekannte Schweizer Graffiti-Künstler SMASH 137 (Mitglied der Crew GTK, Got The Key) als digitales Black Book benutzt.

Die Motivauswahl ist begrenzt: SMASH in allen möglichen Formen und Farben. (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)


Alle paar Tage veröffentlicht SMASH 137 dort gescannte Skizzen und dokumentiert so die Entwürfe für seine künstlerische Allnacht. Bis auf die achtzeilige Blogbeschreibung, das jeweilige Datum und den Ort gibt es überhaupt keinen Text, ein Umstand, der im Angesicht des Durchschnittsblogs erheblich zur Qualitätssteigerung beiträgt. SMASH 137 zog im Herbst 2005 aus seiner Heimatstadt Basel nach New York, dem New York des Graffiti, war aber schon lange vorher ein Weltreisender der Sprühkunst. Selbst, wenn das eigene Street Art-Interesse begrenzt ist, so merkt man beim Durchklicken der Skizzen doch, dass ein Getriebener einen Rundgang durch sein Atelier anbietet. Und Verrückte sind aus der sicheren Distanz ja oft unterhaltsam anzusehen.


23.12.2005 | 11:35 | Anderswo

Klappe


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Was macht man mit dem ungewollten Kind, das einem die regionale Sekte verboten hat wegzukratzen, -saugen oder was auch immer, man lässt es auf natürlichem Weg raus und wirft es dann in die Babyklappe, die gibt's mittlerweile in jedem grösseren Elendsviertel, genauso wie die in letzter Zeit verstärkt installierten Tierklappen, wo hinein man das am zweiten Weihnachtstag bereits lästig zu müffeln beginnende Rudel Rottweilerwelpen, den Karpfen oder den Schwarm Guppys schmeissen kann. Was aber tun mit dem Kunstwerk, das man vielleicht beim letzten Norwegenurlaub aus einem Museum "im Affekt" (Wette/Besoffen/Initiation) hat mitgehen lassen, und das einem etwas zu heiss geworden ist, weil es sich auch selbst über Internethehler nicht loswerden lässt? Dann sollte man sich nicht scheuen, schleunigst, auch um sein kleines kariöses Gewissen zu entlasten, die Kunstklappe in Wien aufzusuchen und das Werk dort entsorgen, so wie man sich auch vorher Gedanken machen sollte, wie man seine eigenen, alt und ausgeleiert gewordenen Kunstklappen trennt.


20.12.2005 | 18:04 | Berlin | Anderswo | Listen

Das Grosse Hässliche Ding


DGHD Berlin (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

DGHD Wien (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)

DGHD Hamburg (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Jede Stadt hat ein Das Grosse Hässliche Ding (DGHD): ein Gebäude, dessen Verschandelungspotential so gewaltig ist, dass ihm Landmark-Charakter zuwächst. In Berlin handelt es sich dabei um den grössten Umlauf- und Kavitationstank der Welt im Tiergarten, der dem Studiengang Nautik an der FU als Strömungssimulator und Versuchsanstalt dienen sollte, allerdings neben seinem Äusseren mit dem Makel behaftet ist, niemals in Betrieb gewesen zu sein, da zum Zeitpunkt der Fertigstellung die Computersimulation gerade so weit fortgeschritten war, dass man seiner nicht mehr bedurfte. In Wien ist es ganz eindeutig die Müllverbrennungsanlage von Hundertwasser, zu der sich jeder weitere Kommentar erübrigt. Hamburg schickt als Kandidaten den Flakbunker auf dem Heiligengeistfeld ins Rennen.
Bisher steckt die flächendeckende systematische Erfassung aller DGHDs im deutschsprachigen Einzugsgebiet allerdings noch in den Anfängen. Ganz anders in Grossbritannien, wo der Sender Channel 4 sich dankenswerterweise dieser Aufgabe angenommen hat. Für die Serie Demolition ging er sogar noch weiter, und befragte die Briten unter der steil formulierten Annahme, Grossbritannien sei "vermüllt mit Häusern, die scheusslich sind, ihre Funktion nicht erfüllen und die Gesellschaft demoralisieren", welche Gebäude sie am liebsten abgerissen und dem Erdboden gleichgemacht sähen. Aus dem immensen Rücklauf, den die Sendung generierte, wurde das Dirty Dozen, die zwölf abrissreifsten Gebäude Englands, ermittelt, wozu neben mehrheitlich Nachkriegs-Verwaltungsbauten auch ein Supermarkt in Yorkshire und das neue Schottische Pararment in Edinburgh zählen.

Nun ist die Riesenmaschine bekanntlich jeder Form des Populismus abhold, der hinter der quotenträchtigen Forderung nach Plattmachen und Kaputthauen steht. (Wobei wir die archaische Faszination, die von implodierenden Häuserkomplexen ausgeht, sehr wohl nachvollziehen können.) Nichtsdestoweniger wollen wir dem Beispiel folgen und unsere Leser aufrufen, uns Vorschläge für DGHDs aus anderen Städten zu senden, auf dass eine möglichst vollständige Übersicht entstehe. Die Einsendungen, nach Möglichkeit mit kurzer Beschreibung und Begründung, werden wir in loser Folge hier veröffentlichen.


... 128 129 130 131 132 [133] 134 135 136 137 138 ...

*  IN DER RIESENMASCHINE


*  ORIENTIERUNG



Werbung
Werbung Ratgeber

*  SO GEHT'S:

- Knäckebrotsalat à la Mozart

- Elf Freunde plus Zusatzzahl

- Teer

- Einem Negermann Lebertran andrehen

*  SO NICHT:

- Blattläuse im Gesicht (auch tote)

- Schauspieler

- Arsch mit Augen

- Korkenpfand auf Einwegflaschen


*  AUTOMATISCHE KULTURKRITIK

"Happy Birthday", Casey Tebo (2016)

Plus: 5, 10, 22, 69, 74, 151, 157, 160
Minus: 75, 93, 102, 127, 128, 132, 141, 161, 194, 197, 199
Gesamt: -3 Punkte


*  KATEGORIEN


*  ARCHIV