Riesenmaschine

01.05.2008 | 00:18 | Berlin

Das neue Silber?


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Die Zeiten werden härter, auch für Mitteposeure. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Noch immer ist Silber die mit Abstand häufigste Autofarbe bei Neuwagen, "weil Silber uns daran erinnert, dass Autos aus Metall sind", so die frappant simple Erklärung von Trendexperten. Allerdings scheint der Bannzauber des Silber allmählich gebrochen. Zum einen dringt Weiss als das neue Schwarz massiv auch im Automobilmarkt vor. Zum anderen zeichnet sich angeblich analog zu den Hybridautos ein Trend zu "hybriden" Farben ab – was immer das sein soll. Diese Website verrät uns, was Autofarben über die Farbe des Fahrzeugs und den Charakter der Fahrer verraten. Signalrot etwa wirkt "sportlich und frech", aber auch "schnell und schwer". Logisch. Oliv ist leider nicht dabei. Dabei bekundet Oliv ebenfalls eine Anwartschaft auf den Posten des neuen Silber, zumindest wenn man Berlin Mitte in dieser Hinsicht für repräsentativ erachtet. Vielleicht wollen die Halter der Oberklasse-Fahrzeuge aber auch nur sicher gehen, dass ihren gefährdeten Gefährten zum 1. Mai nichts zustösst, und haben sie deshalb zur besseren Tarnung maigrün angestrichen. Dabei ist der Stadtteil doch längst selbst eine gentrifizierte Green zone, in der der Klassenkonflikt nur selten militärisch eskaliert. Egal, Hauptsache matt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Matt ist das neue Schwarz


29.04.2008 | 12:33 | Berlin | Was fehlt

The Shramps – Live!


Von allen ausgedachten Bands und Alben, schätze ich doch am meisten die interessanten. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Vermutlich hat Jorge Luis Borges in grossem Stil mit dem Quatsch angefangen. Der schickte sein Pseudonym Bustos Domecq ins Rennen, um fingierte Rezensionen fiktiver Bücher und phantasierte Homestories non-existenter Autoren abzuliefern. Auch die Vermischung von Realwelt und Fiktion war eine Spezialität des Argentiniers. Zusammen mit der Mediengestalterin Daniela Burger, die die Covers beisteuerte, hat Dietmar Dath das Prinzip von der Literatur aufs Popbusiness übertragen und unter dem Titel The Shramps mehr als 30 Rezensionen fiktiver Platten, teils real existierender, teils erfundener Bands ersponnen und erdichtet. Die schmerzlich vermisste Band "Tipsi" kommt darin ebenso vor, wie das absehbare aber verzichtbare Guns-'n'-Roses-Album "Chinese Democracy" – Musils Möglichkeitssinn macht Musik. Das ganze war eine sehenswerte Ausstellung, ist jetzt als lesenswerte Dokumentation erschienen und wird heute Abend unter Beteiligung der ebenfalls real existenten Musiker Jens Friebe und Julie Miess im Festsaal Kreuzberg vorgestellt.


18.04.2008 | 14:13 | Berlin | In eigener Sache

Legal kann jeder


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Bald, also praktisch schon so gut wie morgen, ist wieder der 20. April. Ein ganz besonderes Datum – denn es ist der Geburtstag von Tito Puente. Und ausserdem steht an diesem Tag, wie jedes Jahr, eine neue Folge der fast brandneuen ZIA-Radioreihe Folge 137 auf Deutschlandradio Kultur an. Dieses Mal ist es die 137. Ausgabe von "Der Kavalier in Dir", dem Magazin von Kleinkriminellen für Kleinkriminelle. Im Programm: Jörg Sundermeier stellt im Interview das supergeheime Geheimprojekt des Verbrecherverlages "1200 ganz illegale Steuertricks" vor, die Reportage "Armutsfalle Legalität" erzählt vom tragisch in die Tugendspirale abgerutschten Hartmut S. und im Trendbericht (exklusiv und nur hier vorab: ) geht es um Nanokriminalität – einer besonders kleinen Form der Kleinkriminalität. Das und noch vieles mehr gibt es in der Nacht vom 19. auf den 20. April um 00.05 Uhr – in der Berliner Mama Bar findet ein Public Listening statt und wenig später reichen wir dann auch den Link zum Podcast der gesamten Sendung nach.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Normal ist, wenn man trotzdem


11.04.2008 | 15:48 | Berlin | Anderswo | Gekaufte bezahlte Anzeige

Die freundliche Invasion

Das Leben der Männer in Helsinki ist statistisch gesehen 3 Jahre kürzer als im restlichen Finnland. Warum das so ist, bleibt zwar unklar, aber anzunehmen ist, dass es das schiere Glück ist, in der schönsten Stadt der Welt zu leben.

Hier ein Beispiel: Tyler Brulé, Wallpapergründer und jetziger Chef von Monocle, dem derzeit bestfrisierten Magazin, kürte das Seahorse in Helsinki zu einem der 10 weltbesten Restaurants. Gut, das hat schnell mal eine Stadt, aber welches Restaurant bekommt so eine Adelung, dessen Koch eine elektrische Heizung ist ("Executive chef: "Mr. Winston", the kitchen's electrical heater")?

Die derzeitige in Berlin stattfindende finnische Invasion namens Helsinkissberlin vereint nun geballt das, was in Finnland zum Alltag gehört, all die Hybridmenschen wie den Esperanto singenden M.A. Numminen (Foto), den blassen OP:L Bastards und natürlich Jimi Tenor, den weissen Afrikaner aus dem All. Man bekommt endlich einmal ein gutes, nämlich das beste Frühstück der Welt, es werden, warum bescheiden sein, gleich einige Sibeliusgedenktafeln enthüllt, natürlich gibt's einen Gummistiefelweitwurfwettbewerb und der Alexanderplatz wird in einen normalen finnischen Markt umgewandelt, mit all seinen Absonderlichkeiten wie tiefgefrorenen Birkenzweigen zum Quästen, Teershampoo und Salmiakwodka, also einem Schnaps, mit dem man auch das Klo putzen kann, in das man gerade gekotzt hat. Und vielleicht versteht man dann ansatzweise, was es braucht, um eine Stadt zur lebensfrohsten der Welt zu machen, eine Stadt für die man gerne mal so 3 Jährchen hergibt.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


04.04.2008 | 13:30 | Berlin | Alles wird besser

Stadtmöblierung XXXL


Kein Schafott, sondern FILS (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Angefangen hat es mit der aufdringlichen knallblauen Metro-Filiale auf der Brachfläche vor dem Ostbahnhof. Mit der fast fertigen O2 Arena (bei deren Anblick man sich fragt, was an der grossen Halle des Volkes von Albert Speer eigentlich so schlimm sein soll) ist das grossartige Panorama von der Warschauer Brücke auf Berlin nun empfindlich gestört. Einen zukünftigen Weltkulturerbestatus dieses Canaletto-Blickes kann sich Berlin also endgültig in die schlecht frisierten Haare schmieren. Da ist es auch schon egal, dass auf dem neuen Fahrstuhl von der Brücke hinab zur Tamara-Danz-Strasse eine gigantische elektronische Anzeigentafel aufgeschraubt wurde, die sichtbar von der Oberbaumbrücke bis zum Frankfurter Tor die Street reclaimt. Dennoch ist die Tafel zu begrüssen, es handelt sich nach Insiderinformation nämlich nicht um eine schnöde Werbefläche, sondern um eine Innovation, welche in der Senkrechten das anbietet, was für eilige Zeitgenossen in der Horizontalen schon längst Standard ist: Das welterste dynamische Fahrstuhlinformationsleitsystem (FILS). Künftig wird man also seine knappe Zeit noch effizienter einteilen können, wenn es in grossen Lettern heisst: "Nächster Fahrstuhl Richtung Warschauer Brücke in 20 Sek."

Christoph Albers | Dauerhafter Link | Kommentare (7)


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